Amerang/Pfaffing – „Wie viel hat es geregnet?“ – diese Frage hören Franz und Sabine Sonnenholzner häufig, wenn sie im Dorf unterwegs sind. Unter ihren Mitbürgern sind sie längst als „Ameranger Wetterfrösche“ bekannt. Mit dem Wetter kennt das Paar sich aus, Auskünfte dazu geben sie aber nicht, denn das obliegt ausschließlich dem Deutschen Wetterdienst.
Einer von rund
1800 ehrenamtlichen Wetterbeobachtern
Franz Sonnenholzner ist einer von rund 1800 ehrenamtlichen Wetterbeobachtern in Deutschland. Als er sich vor 25 Jahren auf eine Annonce in der Wasserburger Zeitung bewarb, war schnell klar, dass die Wetterbeobachtung – allein schon berufsbedingt – zur Familiensache wird. Ehefrau Sabine und die drei Söhne wurden kurzerhand in das Projekt Wetterstation miteinbezogen.
„Wir kommen beide aus der Landwirtschaft und sind natürlich am Wetter interessiert“, erinnert sich Sabine Sonnenholzner. Deshalb habe sie die Aufgabe gereizt und im Laufe der Jahre auch viele interessante Einblicke in das Wettergeschehen ermöglicht.
Schließlich gingen die Sonnenholzners „aufmerksam durch Tag und Nacht“. An ihrer Messstation in Pfaffing haben sie das Wetter eingehend beobachtet und akribisch aufgezeichnet. „Das war unser Homeoffice“, sagt die Wettermelderin schmunzelnd. Bis zur Teilautomatisierung 2005 war das noch mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden und im wahrsten Sinne des Wortes eine Wissenschaft für sich. Pünktlich um 6.30 Uhr, 13.30 Uhr und 22.30 Uhr wurden Niederschlag, Temperatur, Luftfeuchte, Schneemenge und Sonnenscheindauer gemessen, sowie bis Ende 2011 die Bewölkung, Sicht, Glatteis und Wind geschätzt und gewissenhaft in einem Erfassungsbogen festgehalten. Gerade die Messung am späten Abend sei hart gewesen, erinnert sich die Amerangerin. Um die festen Zeiten einzuhalten, hat Franz Sonnenholzner extra eine alte Schulhausglocke an der Garagenwand befestigt, die pünktlich dreimal täglich zu den vorgegebenen Messzeiten Alarm schlug. Extraschichten wurden bei Gewitter und Hagelschauern eingelegt, denn hier wurden Dauer, Zugrichtung und Intensität der Unwetter notiert und telefonisch weitergemeldet. Mittlerweile verrichtet eine automatische Wetterstation den Dienst auf dem Sonnenholzner Anwesen und die Wettermelder sind nur noch für die Pflege der Einrichtung und das Messen der Schneemengen zuständig. Damit hat auch die alte Schulhausglocke ausgedient, erzählt Sabine Sonnenholzner lachend.
Sehr zum Bedauern der Nachbarn, denn die hätten bis dahin immer gewusst, wie spät es ist.
„Das war und ist eine Musterstation. Sehr gepflegt und die Daten immer top“, lobte der zuständige Betreuer des DWD, Thomas Hirchert, die außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft des Wetterpaares. „Sie haben das Maximum herausgeholt“.
Laut Torben Lüttschwager, dem Leiter der Regionalen Messnetzgruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München sind die Wetteraufzeichnungen vor Ort eine wichtige Säule in punkto Klimaüberwachung und Verbesserung der Wettervorhersage. Wie bedeutend die Aufgabe sei, zeige, dass der 1872 gegründete königlich bayerische Wetterdienst in früheren Jahren mit Apotheker oder Schuldirektor eher „gehobeneres Personal“ beschäftigt habe. Für den nationalen Wetterdienst seien Bürger wie das Ehepaar Sonnenholzner unverzichtbar, die mit Spaß am Wetter, Liebe zur Natur, einer guten Beobachtungsgabe und einem hohen Verantwortungsbewusstsein jahrzehntelang gewissenhaft das Wetter in ihrer Region überwachen.
Die Messungen seien besonders aussagekräftig, weil während der Jahrzehnte immer am selben Ort gemessen und die Messreihe nie unterbrochen wurde. Die Auswertung der Daten über einen so langen Zeitraum ergäben aufschlussreiche Erkenntnisse über Wetterphänomene und Klima. So sei eine Klimaerwärmung festzustellen, aber es zeige sich auch, dass es immer schon Ausreißer bei Niederschlagsmengen oder Temperatur gegeben habe. So sei beispielsweise der Juli 1997 mit 272,4 Litern der niederschlagsreichste Monat gewesen, im Jahresschnitt habe aber das Jahr 2002 mit 1360,7 Litern die Nase vorn gehabt.
Die meisten Sonnenstunden
gab es im Juli 2013
Bei den sommerlichen Durchschnittstemperaturen mit 21,2 Grad habe das Jahr 2003 den gefühlten Jahrhundertsommer 2018 übertroffen. Die meisten Sonnenstunden gab es im Juli 2013. Der kälteste Tag sei der 26. Januar 2000 mit minus 22,8 Grad gewesen. Da zeige sich, dass die Aussage:
Nichts ist so uninteressant wie das Wetter von gestern, nicht zutreffe, sagte Amerangs Bürgermeister Gust Voit bei der Ehrung im Ameranger Rathaus, an der Franz Sonnenholzner krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Das Vergleichsmaterial gebe Aufschluss über die Klimaveränderung und verbessere die Wettervorhersage. „Davon profitierten alle Bürgerinnen und Bürger.“