Halfing – Was immer Peter Böck macht, das macht er mit Herzblut. Und vor allem unaufgeregt! Dieser Mann mit den wachen Augen, die zuweilen schelmisch blicken, hat erst jüngst eine Hüft-OP hinter sich gebracht. Aber darüber verliert er kaum ein Wort. Viel lieber spricht der Bürgermeister über „sein“ Halfing: „Wenn ich manchmal an unserer Schule vorbei fahre und Schüler auf dem Pausenhof stehen, dann winken sie mir zu und rufen: Hallo, Herr Bürgermeister. Ist das nicht nett?“
Dann weiß Peter Böck, dass er am richtigen Platz ist. Der 58-Jährige ist mit Leib und Seele Bürgermeister in seiner 2800-Seelen-Gemeinde Halfing. Doch in der jüngsten Ratssitzung hat er überrraschend erklärt: „2020 trete ich nicht mehr an.“ Warum und weshalb – darüber sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit dem Halfinger Urgestein, der die leisen Töne bevorzugt.
Peter Böck lebt in seinem Geburtshaus
Es geht um „sein“ Halfing, das ihm schon immer am Herzen liegt. Böck wurde in einem der ältesten Häuser des Dorfes geboren. An der schweren Haustüre ist das Jahr 1687 eingeschnitzt. Große Steine aus der ehemaligen Hofmark in Seeon wurden beim Bau des alten Bauernhauses verarbeitet. „Ich habe immer in diesem Haus gelebt, nie anderswo“, erzählt Böck sichtlich stolz. Und er wird auch nicht mehr wegziehen.
Und weil er eben ein echter „Eingeborener“ ist, hat er sich im Jahr 2002 entschlossen, für den Gemeinderat zu kandidieren. Er packte den Sprung in das Gremium auf Anhieb, dann, kurz vor der Kommunalwahl 2008, nahm ihn Paul Anner, der damals amtierende Bürgermeister, zur Seite und ihn fragte ihn, ob er nicht als sein Nachfolger kandidieren möchte. Nach kurzer Bedenkzeit habe er zugesagt, der Polizei, seinem damaligen Arbeitgeber, Adieu gesagt und sich in das Abenteuer „Bürgermeister“ gestürzt. „Ich war 30 Jahre bei der Polizei, zuletzt als Kriminalhauptkommissar bei der Kripo in Rosenheim.“ Es sei eine schöne Zeit gewesen, sagt er im Rückblick. Doch dann lockte die neue Herausforderung. „Ich habe es gemacht, weil mir die Dorfgemeinschaft am Herzen lag und mir die Weiterentwicklung meiner Heimatgemeinde etwas bedeutete. Und so ist es bis heute geblieben.“
Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen freut er sich, dass das Freizeitgelände, der sogenannte Naturerlebnisweiher, unter seiner Ägide Realität geworden ist, und dass der Radlweg von Halfing nach Wölkham nun endlich auch zustande kommt. Viel ist in den vergangenen Jahren seit seiner Amtsübernahme passiert, doch herausstreichen und sich die Erfolge auf die Fahnen heften – das liegt diesem Bürgermeister so gar nicht.
Er habe alles mit Freude gemacht, sagt er, doch nun sei es einfach an der Zeit, den Stab weiterzureichen. Der Entschluss sei allmählich in ihm gereift, am Jahresende 2018 habe er sich mit der Familie besprochen und jetzt stehe fest: „Ich trete zur Kommunalwahl im März 2020 definitiv nicht mehr an.“ Allerdings, das betont er, werde er in diesem verbleibenden knappen Jahr keine „lame duck“, also keine „lahme Ente“ sein. Er will weiter Vollgas geben.
Und dann, im Gespräch, rückt er doch mit der Sprache heraus: „Die physischen und psychischen Belastungen von Jahren gehen nicht spurlos an einem vorüber. Ich möchte kürzer treten, auch auf Anraten der Ärzte.“ Denn eines müsse man wissen: Das Bürgermeisteramt fordere die ganze Person. Und es geht beileibe nicht nur um das Schaulaufen „auf dem roten Teppich“: Gerade in der heutigen Zeit werde mit Kritik nicht gespart. Das müsse man wegstecken können – besonders dann, wenn sie unberechtigt ist. Ihm sei das nicht immer gelungen: „Wenn du von sieben Nächten drei nachts aufwachst und Probleme wälzt, dann stimmt etwas nicht mehr.“
Auch die Familie müsse zurückstehen: Kinder sehen den Papa oder die Gattin den Ehemann deutlich seltener als vorher. „Da bleibt vieles auf der Strecke.“ Nun hoffe er, mit seinem Entschluss, das Amt aufzugeben, manches vielleicht ein bisschen nachholen zu können.
Und welche Hobbys hat Peter Böck? Da sagt er: „Gute Frage, nächste Frage.“ Auch diese seien mit den Jahren auf der Strecke geblieben. Umso zufriedener ist er deshalb, dass er mit der Familie immer wieder in die USA zur Verwandtschaft gereist ist. „Sie wohnen in der Nähe von Boston und Washington.“ Bei einer dieser Gelegenheiten sei er auch mit dem Greyhound-Bus und dem Amtrac-Zug gefahren. „Schön, dass wir das gemacht haben.“ Denn, so sagt er nachdenklich, nicht allen seiner Amtskollegen sei Zeit in der Rente vergönnt gewesen. Sein Vorgänger Paul Anner ist bereits verstorben und auch der Höslwanger Bürgermeister erlag einer plötzlichen Herzattacke.
Schön findet er die Freundschaft mit seinem Amtskollegen aus der Partnergemeinde Falleron. „Wir haben immer eine gute Zeit zusammen.“ Und dann lacht Peter Böck und meint: „Es war immer mein Wunsch, dass mich meine drei Kinder einmal beim Skifahren überholen und mir zurufen: Papa, wo bleibst du? Kann man schöner älter werden?“