Der Streit um die Turnhalle nimmt kein Ende

von Redaktion

Gemeindeoberhaupt sieht Forderung des Landratsamtes erfüllt – Bürgerinitiative kontert

Aschau – „Die Neuerrichtung eines Sporthallengebäudes für die örtlichen Bedürfnisse der nächsten 50 Jahre ist unbestritten. Auch der Standort ist unbestritten. Die Forderung des Landratsamtes zur Aufstellung eines Bebauungsplanes erfüllt die Gemeinde derzeit.“ So sieht Bürgermeister Peter Solnar die aktuelle Lage zu Abriss und Neubau der Sporthalle.

Der Gemeinderat habe eine überarbeitete Planung nach dem Bürgerentscheid beschlossen. „Diese entspricht dem Bürgerentscheid und dem mit dem Landratsamt abgestimmten Bebauungsplanentwurf“, so der Bürgermeister.

Das sehen die Initiatoren der Bürgerinitiative anders. Franz Kratzer schrieb im Dezember einen Brandbrief an den auch für den Sport zuständigen Innenminister Joachim Herrmann, in dem er beklagt, dass sich der Bürgermeister über das Ergebnis des Bürgerentscheids von Oktober 2018 hinwegsetzt.

Damals hatten 54,47 Prozent oder 1814 der Aschauer Wähler für eine „rein funktionale“ 2,5-fach-Turnhalle gestimmt. Nach den Grundsätzen der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit habe sich die neue Planung zu richten. Die Entscheidung der Aschauer – von gleichem bindendem Wert wie ein Beschluss des Gemeinderates – kann, so sieht es die bayerische Gemeindeordnung vor, innerhalb eines Jahres nur durch einen erneuten Bürgerentscheid geändert werden.

Zu einer „rein funktionalen“ Sporthalle gehören nach Angaben von Baufachleuten und Schulbauverordnung des Freistaats neben den Sportfeldern Geräteräume, Umkleiden inklusive Duschen und WCs, Lehrerumkleiden mit eigenem Sanitärraum, Behinderten-WC, Flur/Vorraum und bei Mehrstöckigkeit des Hallengebäudes ein Aufzug.

Laut Kratzer in seinem Brief an Herrmann beschloss der Gemeinderat am 18. Dezember eine Sporthalle, an der noch zusätzliche 700 Quadratmeter Fläche für Räume für den Sportverein und einen Jugendraum geplant sind – von der ursprünglichen Planung sind lediglich Sauna und drei Mehrzweckräume gestrichen. „Ein klarer Verstoß gegen den Bürgerentscheid“, hält Kratzer fest. Denn schon im Antrag auf dessen Durchführung hieß es, für die geplanten zusätzlichen Räume wie Sauna, Jugendtreff, Räume für den Sportverein und drei Mehrzweckräume müssten andere, kostengünstigere Lösungen gefunden werden.

Georg Westenthanner, Mitinitiator des Bürgerentscheids und Gemeinderat, hatte Ende Oktober beantragt, dass die Vertreter der Bürgerinitiative Einsicht in das Abrissgutachten für die Sporthalle und in die Bauantragsunterlagen erhalten sowie Auskunft von den Mitarbeitern der Verwaltung und des beauftragten Architekturbüros bekommen. Nur so könnten sie gemeinsam mit der Gemeinde eine optimale Lösung finden.

Zu dieser Zusammenarbeit ist die Gemeinde rechtlich nicht verpflichtet. Zur Umsetzung des Bürgerentscheids schon.

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