Aschau – „Dass für die neue Sporthalle Bäume entfernt werden müssen, ist bedauerlich, jedoch bekannt, behördlich abgesprochen, unumgänglich und auf das unbedingt notwendige Mass reduziert“, so Bürgermeister Peter Solnar zu den Baumfällungen, die am Donnerstag für Aufsehen und Aufregung in Aschau sorgten (wir berichteten).
Ende 2018 habe, so Solnar, im Landratsamt eine Abstimmung über die weiteren Festsetzungen, insbesondere über die zu erhaltenden Bäume stattgefunden. „Mit dem Ergebnis, dass im westlichen Bereich explizit drei Bäume und im östlichen Bereich der Bestand bis zur Baugrenze als zu erhalten festgesetzt wurden. Übrigens: Der dritte Baum wurde auf mein Drängen aufgenommen.“
Im Hinblick darauf, dass Fällungen nach dem Naturschutzgesetz ab dem 1.März nicht mehr zulässig sind, die Gemeinde umfangreiche archäologische Untersuchungen vornehmen lassen muss, das Projekt zügig weitergeführt werden soll und die Baukosten ständig steigen, wurden die Bäume gemäß Bebauungsplanentwurf jetzt entfernt. „Ansonsten hätten sich die Vorarbeiten wieder um mindestens ein Jahr verschoben“, so Solnar. Dass er dafür öffentlich an den Pranger gestellt werde, sei mehr als unfair.
Nach Kenntnisnahme der Mitteilung, die das Einstellen der Fällarbeiten auf der Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes beinhaltet, „habe ich die Arbeiten persönlich vor Ort Vormittag noch eingestellt.“
Das hat Franz Kratzer, einer der Initiatoren des Bürgerentscheids zum Sporthallenbau, anders beobachtet: „Ab 13 Uhr haben sie munter weitergefällt“, sagte er der Heimatzeitung. Auch Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes, hatte bereits am Donnerstag von den Gartenfachberatern seines Hauses die Rückmeldung, dass die Fällung am Nachmittag weitergegangen sei. Mit dabei, laut Kratzer: der stellvertretende Bürgermeister Max Pfaffinger.
BI-Mitinitiator und Gemeinderat Georg Westenthanner verweist darauf, dass weder eine genehmigte Flächennutzungsplanänderung noch eine genehmigte Änderung des Bebauungsplanes noch ein genehmigter Bauantrag für die neue Sporthalle vorliege. „Das nenne ich Fakten schaffen“, kommentiert er die Baumfällungen.
So deutlich sagt es der Sprecher des Landratsamtes Rosenheim nicht. Ganz eindeutig ist Fischer aber in einer anderen Aussage: „Das von Aschaus Bürgermeister Solnar dargestellte Einverständnis mit dem Landratsamt Rosenheim gibt es nicht.“ Richtig sei, dass es im Dezember ein Treffen im Landratsamt gab, in dem die weitere Vorgehensweise hinsichtlich des Bebauungsplanes besprochen wurde. Unter anderem ging es um das Baufenster, also die Größe der geplanten Sporthalle, und damit auch um die Zukunft der vorhandenen Bäume. „Das Bauleitplanverfahren ist bis heute nicht abgeschlossen, daher kann es kein Einverständnis geben“, so Fischer.
Das Landratsamt prüft nun laut Fischer die Einleitung eines Bußgeldverfahrens wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Dieses würde mit einer Anhörung beginnen, das heißt, Solnar erhielte Gelegenheit, sich zu äußern.
Im Übrigen seien die Gartenfachberater des Landratsamtes nach Begutachtung vor Ort zu dem Schluss gekommen, dass die wenigen noch vorhandenen Buchen ebenfalls weggenommen werden könnten, wäre jetzt nicht Schutzzeit. Durch die bereits gefällten Bäume fehlt den Buchen der Schutz vor der Sonne, was laut Fischer Folgen hat: „Sie werden im Sommer Sonnenbrand bekommen.“