Politik aus dem Hinterzimmer geholt

von Redaktion

Abschied von politischen Ämtern – Uschi Meishammer (FU/CSU) blickt zurück

Rosenheim – „Die CSU ist meine politische Heimat, aber bei der Frauen-Union bin ich zu Hause.“ Uschi Meishammer ist eine Frau mit politischem Gewicht – im Rosenheimer Stadtrat und in der Frauen-Union (FU). Nach zehn Jahren als Vorsitzende des FU-Kreisverbands Rosenheim-Stadt hat sie jetzt dieses Amt in jüngere Hände gelegt. „Ich bin froh, diesen Schritt getan zu haben“, sagt die 69-Jährige. Bei ihrer Nachfolgerin Alexandra Linordner seien die Anliegen der Frauen gut aufgehoben, ist sie sich sicher.

Meishammer, die in Pang wohnt, ist eine politische „Allrounderin“: Seit 2002 im Rosenheimer Stadtrat und dort seit 2014 als stellvertretende Fraktionsvorsitzende tätig, acht Jahre Schöffin am Landgericht in Traunstein, 25 Jahre Schriftführerin bei der Katholischen Frauengemeinschaft Pang/Aising, zwölf Jahre im Vorstand von Donum Vitae und zehn Jahre Kreisvorsitzende der FU-Rosenheim Stadt.

Nun hat sie dieses Amt abgegeben, auch zur nächsten Kommunalwahl 2020 wird sie nicht mehr für die CSU kandidieren. „Es passt so“, sagt sie dazu. Sie möchte künftig einfach mehr gemeinsame Zeit mit ihrem Mann und mehr Muse für ihre Lieblingsbeschäftigung haben: die Aquarellmalerei. „Diese Zeit möchte ich mir jetzt gönnen“, sagt Meishammer, die noch in diesem Jahr Goldhochzeit feiern wird.

Ausführlicher begründen will sie ihren Ausstieg aus der Politik im Gespräch mit den Heimatzeitungen nicht. „Das liegt mir nicht so“, meint sie ganz ehrlich. Sie sei nie die wortstarke Kämpferin gewesen, die lautstark Parolen verkündete oder mit geschliffener Rhetorik brillierte. Dafür liebte sie die klaren, einfachen, direkten Worte, die nicht selten den Weg direkt in die Herzen der Zuhörer fanden.

Frauenthemen liegen ihr am Herzen

Und sie wollte nie demonstrativ die erste Geige spielen. Sie führte „ihre“ Frauen-Union leise, aber mit sicherer Hand. Und sie ist beliebt. Das wurde ihr zu ihrer eigenen Überraschung bei ihrem Abschied vom Amt der Kreisvorsitzenden deutlich vor Augen geführt. „Ich habe gar nicht gewusst, dass ich so wertgeschätzt werde“, ist sie noch beim Gespräch mit dem OVB ganz verwundert. Sogar die Landesvorsitzende der Frauen- Union, die Europa-Abgeordnete Prof. Dr. Angelika Niebler, war zu ihrem Abschied gekommen.

Am Herzen lagen der konservativen Politikerin die sogenannten Frauenthemen: Egal, ob es um die Frauen-quote, den Internationalen Frauentag, die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, die Rente für Frauen oder Gremienarbeit ging, die FU-Frau war stets zur Stelle und bezog Stellung. „Meine große Stärke war sicher das Zuhören“, meint Meishammer. Man müsse nicht gleich etwas sagen, lieber länger zuhören. Das sei vielleicht auch ihr „Rezept“ gewesen, um sich in der von Männern dominierten CSU durchzusetzen.

Geholfen habe ihr auf ihrem politischen Weg ihr ausgleichendes Wesen. „Streit, harte Auseinandersetzung – das liegt mir nicht. Man kann auch anders miteinander umgehen“, meint sie. So beharre sie nicht auf der von vielen CSU-Frauen geforderten Quotenregelung. „Aber irgendwann wird es nicht anders gehen“, fürchtet sie. Denn viel habe sich in den Parlamenten in den vergangenen 30 Jahren in dieser Hinsicht nicht getan. Im Gegenteil: „Aktuell sind wir nur drei CSU-Frauen plus die Oberbürgermeisterin im Rosenheimer Stadtrat.“ Bei 18 männlichen CSU-Stadträten.

Freilich, so sagt sie, müssten sich auch genügend qualifizierte Frauen finden. „Und das ist gar nicht so einfach.“ Deshalb sei es ein „Glücksfall“, dass mit ihrer Nachfolgerin eine Frau gefunden worden sei, die es nach ihrer Meinung auch „im Kreuz“ habe. „Denn du brauchst als Frau nicht nur fachliche Kompetenz, du sollst auch gut aussehen, sollst dich in vielen Themen auskennen und den Spagat zwischen Politik, Beruf und Familie problemlos hinbekommen.“ Deshalb sei die Unterstützung durch die Familie, insbesondere der Partner, die allerserste Voraussetzung. „Wenn der nicht mitspielt, brauchst du gar nicht antreten.“ Denn eines müsse man beherzigen, wenn man als Frau eine Karriere in der Politik anstrebe: Man braucht Selbstbewusstsein, Selbstbewusstsein und noch einmal Selbstbewusstsein – und immer wieder Ermunterung durch andere, denn „wir Frauen werden oft von den Männern unterbewertet“.

Dass „ihre“ Frauen-Union unter ihrer Führung von einst 176 auf 206 Mitglieder gewachsen ist, freut sie besonders. Denn als Uschi Meishammer 1982 ihre ersten Schritte in der Politik tat, fand diese in Hinterzimmern und in fast reinen Männerriegen statt. „Vor allem mit unserem Frauenfrühstück haben wir die Veranstaltungen entmufft und aus den Hinterzimmern geholt.“ Davon, so zeigt sich Meishammer überzeugt, habe ganz wesentlich auch die CSU profitiert. Sie sei dadurch sichtbarer und attraktiver für Frauen geworden. Doch das, so die Stadtpolitikerin, müsse sich jetzt bei der Kandidatenaufstellung für den nächsten Stadtrat 2020 endlich auch einmal niederschlagen.

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