Aschau – „Schad, dass es gar ist, jetzt wo wir so gut zusammenpassen und alles bis ins letzte stimmt“, bedauerte seine Rustikalität, der Aschauer Weltmarschall Sebastian Bichler, der Meister aller Improvisationstalente. Obwohl der Fasching heuer so lang war, neigt er sich nach dem Gildeball dem Ende zu.
Nicht einmal der sprichwörtlich letzte Platz war in der Halle noch frei, bunt kostümiertes Faschingsvolk bevölkerte die Tische und Gänge, die Bar und die Raucherlounge, bewegte sich zu den Rhythmen der „TalbachBuam“ auf der Tanzfläche, bestaunte die Prinzenpaare und die Showtänze der Garden.
Und dann ging es Schlag auf Schlag: Prinz Peter und seine Prinzessin Katharina schwebten bei ihren Prinzenwalzer über das Parkett. Das Gardekorps stand den beiden in keiner Weise nach und brachte den Gardemarsch nach den vielen Auftritten der letzten Wochen flott und exakt bis ins letzte Detail. Gardemajor Tatjana Heinrichsberger hat ihre Mädels fest im Griff: da stimmt einfach alles. Mit rauschendem Beifall dankten die Aschauer ihrer Faschingsgilde, die sie in den Faschingswochen überall im Chiemgau so gut vertreten hatte.
Höchstleistungen boten die Bad Endorfer mit ihrer Prinzessin Stefanie II., tanzende Regentin vom Palast der heilenden Hände, und Prinz Paul III., holder Regent über Samt und Seide aus dem Reich des hohen Moos. Danach fegte die Endorfer Garde über die Bühne. Staunend sahen die Zuschauer, wie sie es fertig brachten, die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben und die Mädchen über die Bühne fliegen zu lassen.
Prinzessin Veronika I., kreative Herrscherin aus dem Reich der gestalterischen Künste und seine Hoheit Prinz Jakob I., weitgereister Herrscher über Topf und Ton vom Fuße des Trautersdorfer Berges kamen mit allem, was die Prienarria aufbieten kann. Zusätzlich führten sie mit der doppelten Queen-Mum die Mütter ihres Prinzenpaares mit: „Wir wollen den beiden zeigen, wie hart es ihre Kinder in den letzten Wochen hatten“, erklärte der Priener Hofmarschall.
Einen Hauch von Fernost aus dem Land der aufgehenden Sonne brachte Flintsbach nach Aschau. Die Chiemseenixen aus Bernau mit ihrem Prinzenpaar kamen im 16. Jahr ihres Bestehens direkt aus Russland und brachten russische Seele ins Priental samt seiner Hoheit Maximilian I., edler Jäger des weißen Balls über den schneebedeckten Gipfeln des Urals und an seiner Seite Prinzessin Jennifer I., bezaubernde Hoheit über glitzernde Eiswüsten und prunkvolle Paläste.
Sieben Gastgarden forderten ihren Tribut von den Zuschauern, sie kamen aus dem Staunen nicht heraus. Zwischen den Auftritten der Garden kam auch das Publikum immer wieder zum Tanz und die „TalbachBuam“ heizten den Tänzern richtig ein. Entgegen dem sonstigen Trend bei Bällen und Tanzfesten war die Tanzfläche stets gut gefüllt, gar mancher maskierte Ballbesucher im Straßenkater- und Eisbär-Ganzkörperdress beneidete die Tänzerinnen der Garden um ihre luftigen Kostüme. Die Bar war ständig umlagert, manches Paar musste nach dem Tanz den Flüssigkeitspegel wiederherstellen.
Ans Heimgehen dachte bei diesem Programm niemand und so endete der Ball für die meisten ziemlich spät.