Pittenhart – Gut betreut im Alter – das wünscht sich wohl jeder. Nicht selten stehen Menschen, die pflegebedürftig werden, mit ihren Angehörigen vor einer großen Entscheidung: Betreutes Wohnen in vertrauter Umgebung oder Umzug zu Familienangehörigen, einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen oder in ein Pflegeheim ziehen? Zudem stellt sich Betroffenen und Angehörigen auch die Frage: Wie ist die notwendige Versorgung mit der privaten und beruflichen Situation und möglicherweise auch der räumlichen Distanz der Familienmitglieder in Einklang zu bringen?
Viele Senioren wünschen sich, möglichst lange in ihrem Zuhause zu bleiben. Diesem Wunsch zu entsprechen, verlange den Angehörigen aber häufig einiges ab, erzählt eine Tochter. Seit gut 13 Jahren kümmert sie sich um die Pfleger ihrer Eltern.
Der Vater ist mittlerweile verstorben. Nun braucht die Mutter intensive Unterstützung im Alltag. In ein Pflegeheim möchte die Seniorin aber nicht. „Es ist schon ein Spagat, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bekommen“, erzählt die Tochter. Das eigene Familienleben oder eigene Interessen blieben häufig auf der Strecke. Beruflich engagiert, kann sie ihre Mutter nur in ihrer Freizeit versorgen und das macht ihr zu schaffen, denn tagsüber sei die 93-Jährige trotz ambulantem Pflegedienst und stundenweiser Betreuung durch einen Besuchsdienst einige Stunden auf sich alleine gestellt. „Ich würde mir wünschen, dass ich mit gutem Gewissen ein Stück weit auch wieder mein eigenes Leben führen könnte, obwohl ich gerne für meine Mama da bin“.
Solche oder ähnliche inneren Konflikte von Angehörigen kennt Svetlana Hauf, Inhaberin eines ambulanten Pflegedienstes, zur Genüge. Im sanierten ehemaligen Kollmannhaus in Aindorf hat sie nun gemeinsam mit Tochter Elena ihre langgehegten Idealvorstellungen von ganzheitlicher Betreuung verwirklicht. Die Versorgung der Gäste wird zum „Familiending“. Elena Hauf bewohnt mit ihrer Familie einen Teil des Anwesens, das um 1800 erbaut wurde und viel Platz für seine Gäste bietet. Das Pflege-Gen wurde der examinierten Krankenschwester quasi schon in die Wiege gelegt und auch ihr Ehemann hat sich anstecken lassen. Er macht gerade die Ausbildung zum Altenpfleger.
„In unserem Mehrgenerationenhaus soll sich jeder wohlfühlen“, wünscht sich die stellvertretende Leiterin der neuen Tagespflege. Gerade so wie in einem Familienverband mit Kindern, Großeltern und Haustieren. Vom Miteinander der Generationen profitiere schließlich jeder. Die ambulante Pflege decke zwar Grundbedürfnisse weitgehend ab, in vielen Fällen brauche es aber ein weitergehendes Angebot, um die pflegebedürftigen Senioren auch tagsüber gut aufgehoben zu wissen. Das bereichere deren Leben in den eigenen vier Wänden und helfe auch dabei, die pflegenden Angehörigen zu unterstützen und entlasten. „Gemeinsam den Alltag erleben“ lautet ihr Ansatz.
Am morgigen Samstag, wird das Projekt mit dem Tag der offenen Tür allen Interessierten vorgestellt. Schließlich sei auch die Einbindung in das dörfliche Leben ein wichtiger Punkt. Und wie ginge das besser als bei einem ungezwungenen Kennenlernen in den liebevoll gestalteten Räumen mit Aufenthaltsraum, Küche, Ruhebereichen und Wintergarten mit Blick auf den Garten und Hochbeete, die im Sommer von den Gästen bewirtschaftet werden können. Für die Bewirtung sorgt der Kapellenverein Aindorf.
„Es besteht großer Bedarf und große Nachfrage. Mit der Tagespflege schließen wir eine Lücke in der Altenpflege in der Region“, sagt Svetlana Hauf. Sie habe viele Anfragen von Menschen erhalten, die ihre Angehörigen Zuhause versorgen und zeitweise entlastet werden wollen. Ein Erfahrungsaustausch mit anderen Angehörigen soll den Betroffenen helfen. So wird die Tagespflege zu einem Baustein in einem Betreuungskonzept für das Leben im Alter in vertrauter Umgebung.