Das zum Leben erweckte Kleinod

von Redaktion

Interview Wolfgang Bude vom Geschichtsverein Aschau zum Heiligen Grab

Aschau – Das Heilige Grab von Aschau wird heuer wieder zu neuem Leben erweckt. Diese Tradition geht mit Unterbrechungen bis ins Jahr 1618 zurück. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen im Vorfeld der gut sechswöchigen Festspiele mit Organisator Wolfgang Bude, dem Zweiten Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins, über das Heilige Grab.

Der Heimat- und Geschichtsverein tritt als Veranstalter der Festwochen des Heiligen Grabs auf und hat sich für dessen Restaurierung eingesetzt. Ein Herzensanliegen des Vereins oder Ihr persönlicher Wunsch?

Beides zusammen! Mitte der 1950er-Jahre stand das Heilige Grab letztmals in der Aschauer Pfarrkirche. Die Änderung der Karwochen-Liturgie und später das Zweite Vatikanische Konzil machten dieser Art der Darstellung von Tod und Auferstehung Christi ein Ende. Pfarrer Hans Holzner war damals in den 1980er-Jahren der Erste, der versuchte, den auf dem Kirchenboden gelagerten Kulissenaufbau aus der Versenkung zu holen. Anfang des neuen Jahrtausends entschloss sich der Verein, ein sogenanntes „Auferstehungsspiel“ zu schaffen und bei dieser Gelegenheit wesentliche Kulissenteile des Heiligen Grabes an die Öffentlichkeit zu bringen.

Wann war das?

Das gelang schließlich 2005. Mit acht ausverkauften Vorstellungen in der Hohenaschauer Festhalle entwickelte sich das Aschauer Auferstehungsspiel mit rund 150 Mitwirkenden zu einem großen Erfolg. Die Authentizität des Projektes strahlte in die Region. Und dennoch sollte es nochmals fünf Jahre dauern, ehe das Projekt Restaurierung angegangen werden konnte.

Die Heiligen Gräber werden in der Karwoche zur Anbetung aufgebaut. In Aschau wird das Projekt auf zwei Monate ausgeweitet. Warum?

Wie schon erwähnt, mussten Kirchenverwaltung, Gemeinde und Verein dem Erzbischöflichen Ordinariat in München ein schlüssiges Konzept vorlegen, um den notwendigen finanziellen Aufwand einer gründlichen Restaurierung zu rechtfertigen. Dafür gründeten wir 2014 einen Arbeitskreis und legten ein umfassendes Konzept vor. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, das traditionelle Geschehen mit aktuellen Inhalten zu versehen und dadurch Glaubensschwerpunkte näherzubringen.

Gab es auch kritische Stimmen, dass das Projekt zu aufwendig ist?

Mir persönlich ist keine kritische Äußerung bekannt. Bei dem Heiligen Grab handelt es sich ja neben seiner religiösen Nutzung auch um ein sehr selten gewordenes und dadurch vielleicht überregional bedeutsames Kulturobjekt, das für die Nachwelt erhalten werden sollte. Und nachdem die Nachhaltigkeit dieses Kleinodes gesichert ist, erscheint die Anfangsfinanzierung, die sich sicher im Laufe der Jahre amortisieren wird, voll gerechtfertigt. Dazu kommt der nicht hoch genug einzuschätzende Nutzen für die Ortsgemeinschaft. Autoren, Komponisten, Schauspieler, Aufbau-Team: Alle Akteure stammen aus Aschau oder der näheren Umgebung. Jeder opfert seine Freizeit. Kann man das in Geldwert bemessen? Ich finde, es gibt nicht viel Positiveres, als seine Zeit für die Gemeinschaft zu opfern.

In welcher Höhe bewegen sich die Kosten?

Die Restaurierungskosten allein beliefen sich auf eine knappe Viertelmillion Euro, wovon das Ordinariat den Löwenanteil übernommen hat. Dazu kamen das Engagement der Pfarrei, die finanzielle Unterstützung der Gemeinde Aschau sowie die Bereitschaft des Vereins, einen Beitrag zu leisten.

Wie wird es nach diesem Jahr weitergehen?

Ursprünglich hatten wir an eine Stiftung oder einen eigenen Förderverein gedacht. Nach Abwägung entschloss sich der Arbeitskreis jedoch, das gesamte weitere Vorgehen durch wechselseitige Verträge abzusichern und so eine langfristige Sicherung einzubauen. Die Kirchenstiftung ist Eigentümer des Heiligen Grabes und für dessen Auf- und Abbau verantwortlich. Mit ihr schloss der Verein einen Vertrag über die Überlassung des Kulissenbaues, um die Auferstehungsspiele und Konzertvorhaben in der Kirche durchführen zu können. Mit der Gemeinde Aschau besteht ein Vertrag über eine finanzielle Förderung und eventuell notwendige Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Projekt. Mit diesen Absicherungen sieht sich der Verein in der Lage, die Veranstaltungen von Fall zu Fall zu organisieren und durchzuführen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Sie und der Vereinsvorsitzende Dr. Ulrich Feldmann engagieren sich im Ruhestand seit Jahren für das Heilige Grab. Was planen Sie als Nächstes?

An den Ruhestand dachte ich schon nach Abschluss der Bayerischen Landesausstellung 2008 „Adel in Bayern“. Es ist wirklich nicht so, dass ich mich persönlich um die Organisation dieses Projektes gerissen habe – eher das Gegenteil. Andererseits macht es mir immer noch viel Freude, mitzugestalten. Ohne die guten persönlichen Beziehungen zu den Verantwortlichen und den vielen Ehrenamtlichen in und um Aschau wäre dies allerdings unmöglich. Im Übrigen werden Uli Feldmann und ich die Vorstandschaft im Januar 2020 beenden. Die Verantwortung muss auf die jüngere Generation übergehen. Wir wollten jedoch nicht mitten in einem Projekt „die Pferde wechseln“. Wenn ich allerdings 20 Jahre jünger wäre – das dürfen Sie mir glauben – dann gäbe es neben den „Aschauer Auferstehungsspielen“ in einem zeitlichen Abstand den „Pankraz von Freyberg“ und ein Freilichtspiel über den „Müllner Peter von Sachrang“.

Interview: Elisabeth Kirchner

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