Aschau – Sieben Meter breit, sechs Meter tief und zehn Meter hoch – das Heilige Grab in der Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ nimmt den gesamten Altarraum der Pfarrkirche ein. Und dem Besucher der Kirche schier den Atem.
Dr.Hans Rohrmann, im erzbischöflichen Ordinariat zuständig für die kirchliche Kunstpflege, ist fasziniert: Im Aschauer Exemplar sind alle Typen von Heiligen Gräbern zu finden. Die Darstellung der Passion genauso wie die lithurgische Theaterkulisse oder das jesuitische „spectaculum sacrum“, das heilige Spektakel zur Glaubensfestigung.
1618 entstand die ursprüngliche Version des Heiligen Grabes von Aschau. 1799 legte Sebastian Rechenauer aus Oberaudorf letztmals Hand an, schuf die jetzt aufgebaute barocke Fassung. „Zu einer Zeit, als wegen der Säkularisierung heilige Gräber eigentlich schon wieder verboten waren“, so Rohrmann.
Als die Aschauer aufs Ordinariat zukamen, ob und in welcher Höhe dieses sich an den Restaurierungskosten beteiligt, sei für ihn klar gewesen, so Rohrmann, dass das nur sinnvoll wäre, wenn die (Pfarr-)Gemeinde selbst sehr aktiv wird und das Heilige Grab auch als das nutzt, als das es gedacht war – als Kulisse. Auferstehungsspiele gab es in Aschau schon seit 2005 wieder, als Kulisse dienten Teile des Heiligen Grabes.
Das Auferstehungsspiel wurde von Julia und Werner Hofmann modernisiert und an den Spielort Kirche angepasst, ist nun Teil II der Spiele, „Die Auferstehung Jesu“.
Auch für den ersten Teil – „Vom Leben Jesu“ – zeichnen Hofmanns verantwortlich. Und die Spieler kommen, wie Wolfgang Bude, der stellvertretende Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, betont, alle aus Aschau und direkter Umgebung. Der Zustand der Malerei am Heiligen Grab sei weitgehend in Ordnung gewesen, so Rohrmann, aber die „Tuchmaschine“, also die Konstruktion des Grabes, war sehr komplex und diffizil, deren Rekonstruktion sei schwierig gewesen. Zumal, wie Bude sagte, niemand mehr lebte, der in den 1950er-Jahren bei der bisher letztmaligen Aufstellung dabei war und hätte helfen können.
360000 Euro waren nötig, das Heilige Grab mittels umfassender Arbeiten in den Zustand zu versetzen, dass es bespielt werden kann. 240000 Euro waren es für die Restaurierung, 120000 Euro für Flyer, Werbematerial, die zierlichen Brüstungen, die Stürze von der mittleren Spielebene hinunter verhindern, für die LED-Beleuchtung. 25000 Euro trug die Gemeinde Aschau bei, half zudem mit 100000 Euro Vorfinanzierung aus – die werden aus den Eintrittsgeldern refinanziert und zurückgezahlt. Die Pfarrei selber nahm Geld in die Hand und Zuschüsse von öffentlicher Hand gab es auch.
Die Anlage aus dem späten Barock, die perfekt mit der ebenfalls barocken Pfarrkirche harmoniert, zeigt, wie Pfarrer Paul Janßen erklärt, im untersten Stockwerk unter anderem eine Darstellung der Unterwelt, in der Mitte die Ölbergszene und das Grab Christi in einem Tempel, an den seitlich Arkadenhallen anschließen.
Zwei der drei Stockwerke sind begehbar. Tafelfiguren von Grabwächtern, Engeln und Propheten begleiten das Heilige Grab. Die Malereien auf den Kulissen greifen, so Janßen, zeitlos gültige Themen wie den Tod und den Umgang damit, Angst, Brüche im Leben oder Licht und Schatten auf.
Die Aschauer Kirchenstiftung ist Eigentümerin des Heiligen Grabes. Und damit auch für dessen Auf- und Abbau verantwortlich. Den stemmte Rudi Angermaier vom Bauhof mit acht Leuten in zwei Tagen.
„Da halfen Leute, die eigentlich frei hatten“, ist der Pfarrer immer noch begeistert. Er ist bei seiner Amtsübernahme 2017 „auf den fahrenden Zug aufgesprungen“ und findet es hinreißend, wie sich die Aschauer einbringen, seit Monaten proben, ihre Zeit opfern. „Wir machen das nicht für uns“, sagt Bude, „wir machen das für die Menschen.“