Kiefersfelden – Isabella ist 26 Jahre jung, in Kiefersfelden aufgewachsen und hat einen großen Traum: „Ich möchte ins Europa-Parlament nach Brüssel und Straßburg.“ Das ist eine klare Ansage, bei der so manchem gestandenen Politiker erst einmal die Spucke wegbleibt.
Die Zeiten seien nun wirklich längst vorbei, als der Slogan „Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa“ in aller Munde war. Darüber kann die junge Frau heute nur herzlich lachen. Sie selbst bezeichnet sich eher als „junge Wilde“ – soll heißen: keine Angst vor hohen Zielen und keine Angst vor dem Scheitern. „Ich bin ja noch jung“, sagt sie ganz locker. Doch hinter dem Spaß spürt man den Ernst. Die will wirklich!
Isabella Ritter ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Spanisch und arbeitet bei einem Speditions-Start-up in Kiefersfelden. Sie gehört zur „Generation Bibi Blocksberg“ und ist es gewöhnt, als Frau ihren eigenen Weg zu gehen. Und der soll sie geradewegs ins Europa-Parlament führen.
Darauf arbeitet die Nachwuchs-Politikerin schon seit geraumer Zeit und ziemlich zielstrebig hin. Mit 18 Jahren trat sie in die Junge Union ihrer Heimatgemeinde mit gerade einmal 6800 Einwohnern ein, mit 19 wurde sie Mitglied der Frauen Union und der CSU. Dann ging es Schlag auf Schlag: Europa-Union, Wahlkampf-Helferin für Land- und Bundestag und für Europa. „So ganz unbeleckt bin ich also nicht“, sagt sie keck. Sie wisse, worauf sie sich mit ihrer Kandidatur zum Europa-Parlament einlasse.
Erwacht ist ihre Liebe zu Europa und zur Politik bei einem Besuch von Professor Dr. Angelika Niebler in Rosenheim. Niebler ist eine der tonangebenden Frauen in Europa und bekleidet in der CSU hohe Ämter. „Sie ist mein Vorbild“, schwärmt die junge Frau.
Und dann kam eins zum anderen: 2017 nahm Niebler die Kiefersfeldenerin unter ihre Fittiche und betreute sie ein halbes Jahr als Mentorin. „Da lernte ich den Duft von Europa kennen“, schwärmt Ritter und ihre Augen glänzen. Sie begleitete die Politikerin auf Terminen, im Parlament, bei Aussprachen und erlebte hautnah den intensiven Polit-Alltag hinter den Kulissen. „Eine Welt für sich, aber faszinierend“, meint Ritter.
Und genau dieser „Virus“ habe sie komplett infiziert, ihr Entschluss – in jungen Jahren eher noch ein vager Traum – stand dann fest: Da will ich auch hin.
Denn, so sagt sie, Europa sei für sie und ihre Generation eben weit mehr als der Streit um den Brexit, die Schulden oder die Zuwanderung. „Europa ist für mich ein tolles Lebensgefühl: die Möglichkeit, uneingeschränkt zu reisen, mit einer einheitlichen Währung zu zahlen und in gewisser Weise überall zu Hause zu sein.“ Sie wäre nicht eine bereits geschulte Nachwuchspolitikerin, wenn sie nicht auch sofort einige Statements abrufen könnte: „Unser Europa muss stärker werden. Wir wollen ein Partner auf Augenhöhe in der Welt sein. Europa ist ein Garant für Frieden und Freiheit. Wir wollen Europa nicht den Miesmachern und Populisten überlassen.“
Man müsse Europa „richtig machen“, einfach „ausgewogen“, ergänzt sie. Denn Europa dürfe nicht zum Selbstbedienungsladen verkommen. „Die gegenseitige Hilfe muss in den Regionen ankommen, aber sie muss auch den Menschen klar gemacht werden. Wer weiß schon, dass die Gelder für Leader-Projekte von der EU kommen? Dafür will ich mich einsetzen“, sagt die junge Frau fast kämpferisch.
Auf der CSU-Europa-Liste hat es Ritter im Reißverschlussverfahren immerhin auf Platz zehn geschafft. Nur vier Frauen (Niebler, Hohlmeier, Mortler, Passow) sind vor ihr. „Der Platz scheint wenig aussichtsreich“, vermutet sie. Aber sie laufe sich warm, fürs nächste Mal!