„Für jeden Geschmack ist etwas dabei“

von Redaktion

Interview Bernadette Osterhammer probt mit Chor für Aufführungen

Aschau – Seit mehr als einem Jahr schon laufen die Vorbereitungen für die Aufführungen zum Heiligen Grab in Aschau. Und jetzt, kurz vor der Premiere, häufen sich die Proben. Darüber sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit Bernadette Osterhammer, Musikerin, Chorleiterin und Dirigentin.

Diese große Kulisse bleibt in der Aschauer Pfarrkirche für knapp zwei Monate stehen.
Es finden drei Konzerte und zwei verschiedene Auferstehungsspiele statt. Ist der gewaltige Aufwand gerechtfertigt?

Ein Aufwand, ja, aber von Anfang an bestand der Wunsch, dass alle Veranstaltungen rund um das Heilige Grab gewissermaßen eine Symbiose eingehen und nicht einfach nur nebeneinander existieren sollten. Sonst würde das Heilige Grab tatsächlich zu einer reinen Kulisse mutieren. Die Musik leistet einen wesentlichen Beitrag, weiß man doch von jeher um die glaubensvertiefende und identitätsstiftende Verbindung zwischen Musik und Religion.

Bereits im Jahr 2005 wurde mit Teilen des Heiligen Grabes in der Aschauer Festhalle ein Auferstehungsspiel aufgeführt. Wo sind die Unterschiede von heute zu damals?

Neu ist heuer das Spiel „Vom Leben Jesu“, der erste Teil des Auferstehungsspiels. Dafür wurde natürlich auch die Musik von Jörg Müller und Andi Reichhelm neu komponiert und arrangiert. Die Besetzung dafür ist mit drei Musikern kammermusikalisch intim gehalten, und die Gesangspartien werden ausschließlich von zwei Solisten, Rupert Schäffer und Isabelle Kaiser, getragen. Die Musik für das Spiel „Die Auferstehung Jesu“, der zweite Teil, entspricht weitestgehend der Fassung von 2005, wenn auch hier das vormals große Instrumentalensemble auf sechs Musiker reduziert wurde. Die vokalen Partien werden neben vereinzelten Solopassagen von einem eigens dafür ins Leben gerufenen Projektchor mit über 40 Sängerinnen und Sängern, von denen viele 2005 schon dabei waren, gestaltet.

Sie haben sich bewusst für ein rein instrumentales Konzert am 24. März – das Trompetenkonzert in Es-Dur und „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn – entschieden. Haben diese Werke für Sie eine besondere Bedeutung?

Haydn ist natürlich einer der ganz bedeutenden Komponisten sakraler Musik. Vor drei Jahren haben wir in Frasdorf mit der Singgemeinschaft und dem Ensemble Concertante die Oratorienfassung der Sieben letzten Worte aufgeführt. Bei der intensiven Auseinandersetzung merkt man aber sehr deutlich, dass die vokalen Partien nicht immer vollends mit dem Orchestersatz, der die ursprüngliche Fassung bildet, harmonisieren, da sie von Haydn erst nachträglich hinzugefügt wurden. So entstand der Wunsch, das Werk einmal in seiner ursprünglichen Fassung als reine Instrumentalmusik aufzuführen und wo passt diese Musik besser als vor dem Heiligen Grab? Das Konzert für Trompete und Orchester bildet dazu eine schöne Ergänzung, weil es doch in seiner Spritzigkeit und Liedhaftigkeit einmal mehr Haydns lebensbejahende Mentalität zeigt.

Sie als Frasdorferin und dortige Chorleiterin kennen viele Sänger, Ihr Bruder ist der Trompeten-Solist. Hat das bei der Probenarbeit geholfen?

Es ist natürlich ein großer Vorteil. Es bereitet mir große Freude, mit Menschen aus meinem Umfeld zusammenzuarbeiten und das Potenzial dieser Gegend zu heben. Beim Ensemble Concertante möchte ich ganz bewusst die musikalischen Kräfte der Region bündeln, denn es ist fantastisch, wie viele gute Musiker hier leben, die sich nach meinem Gefühl gerne für die gemeinsamen Proben und Konzerte zusammenfinden. Es freut mich auch sehr, dass endlich einmal eine Zusammenarbeit mit meinem Bruder Markus möglich ist, der durch seinen Orchesterdienst in Coburg meist verhindert ist.

Gibt es einen Tipp für Besucher, was sie nicht verpassen sollten?

Diese Frage ist wirklich schwierig zu beantworten. Aus musikalischer Sicht ist das Angebot enorm breit gefächert und bietet für jeden Besucher vielleicht sogar mehrere Anziehungspunkte. Die Gestaltung der vielen Gottesdienste reicht von A-cappella-Musik bis hin zur großen Orchestermesse. Klassikliebhaber kommen in den thematisch abgestimmten Konzerten mit der Musik des Barock und der Klassik auf ihre Kosten und Volksmusikfreunde im Passionssingen mit alpenländischer Musik. In den beiden Schauspielen, die natürlich inhaltlich und theologisch schon eine zentrale Stellung in diesem groß angelegten Projekt einnehmen, dürfen sich die Besucher auf Musik mit jiddischen und zeitgenössischen Elementen freuen.

Interview: Elisabeth Kirchner

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