Aschau – „Überirdisch“, „lebendig“, „das hat geknallt und dann hat das bengalische Feuer geleuchtet…“ Ganz genau erinnert sich der 81-jährige Hans Rucker aus Aschau ans Heilige Grab, das 1951 zum letzten Mal in der Aschauer Pfarrkirche aufgebaut wurde. „Mei, ich war ja damals Ministrant“, und als solcher quasi in der ersten Reihe mit dabei, wenn in der Karwoche beim Teatrum Sacrum, wie das Heilige Grab auch genannt wird, die Passion nachgespielt wurde.
Eigentlich gibt es die Aschauer Chronik der Kirchengeschichte, Band XIV, des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) in der dem Heiligen Grab ein ganzes Kapitel gewidmet ist das en detail chronologisch sachlich viele Einzelheiten auflistet. Aber die Anekdoten, die Geschichten drumrum, die fehlen in dem Band. Aber dafür hat man ja den Rucker Hans. Und der ehemalige Gartenbaumeister, Mitbegründer und ehemalige Vorsitzende des HGV kann sich noch an vieles erinnern.
Dass das Heilige Grab, das mit seinen Ausmaßen sieben auf zehn auf sechs Meter und seinen 150 bunten Glaslampen eines der bedeutendsten bayernweit ist, konnte man aufgrund des Zulaufs von nah und fern bei den Gottesdiensten erfahren. „Da mussten die Leute schon zwei Stunden vorher kommen.“ Die Liturgie damals war anders, so feierte man schon am Karsamstag die Auferstehung. „Wir Ministranten wetteiferten, wer den meisten Häusern das geweihte Osterlicht bringen durfte, denn da gab’s immer was zum Essen zugesteckt“, schwärmt der Rucker Hans.
Und nachmittags ab 16 Uhr wurde dann die Auferstehungszeremonie gefeiert. Der Pfarrer sang dreimal „Christ ist erstanden“, dann habe es einen Knall gegeben, und die sichtbar im Grab liegende Christusfigur sei auf eine Platte heruntergefallen und das bengalische Feuer habe angefangen zu leuchten.
Zwei Wächter, die bis zu diesem Zeitpunkt das Grab bewachten, mussten dann hinter einer Klapptür verschwinden. Und weil einmal ein Aschauer – an den Namen kann oder will sich der Rucker Hans aber nicht mehr erinnern – diese Rolle nicht mehr habe spielen dürfen, habe er seinem Nachfolger die Tür zugeschraubt, so dass der nicht vom Grab wegkam. Die beiden hätten dann auch noch vor der Kirche gerauft, bis der damalige Pfarrer Nikolaus Barth Einhalt gebot.
Das Loch im Socken des Katecheten
Und an einen Karfreitag kann sich der ehemalige Ministrant auch noch ganz genau erinnern. Bei der Kreuzesverehrung war es damals noch Ritus, sich die Schuhe auszuziehen. „Und da hat mein Mitministrant, der Ramoser Rudl, gesehen, dass der Katechet ein großes Loch im Socken hatte“, woraufhin der Rudl laut loslachen musste, was wiederum der Pfarrer wohl nicht so lustig fand.
Nicht alle im Ort ergötzten sich an dem Spektakel, vielen war es zu profan, man dürfe mit dem Leib Christi so nicht umgehen. Mit der sich wandelnden Liturgie und dem Zweiten Vatikanischen Konzil versank das Heilige Grab in einen Dornröschenschlaf auf dem Kirchendachboden. In den 80er-Jahren gab es unter dem damaligen Pfarrer Holzner zusammen mit dem HGV den Versuch, das Heilige Grab wiederaufzubauen, aber das Ansinnen wurde vom Ordinariat abgewiesen.
Schade, bedauert Rucker, denn damals hätten die noch gelebt, die das Heilige Grab auch 30 Jahre zuvor noch aufgebaut hätten. Für das Auferstehungsspiel 2005 habe man zwar einige Kulissen vom Dachboden heruntergeholt, aber auch da war es eine Kostenfrage. Umso mehr freue es ihn nun, dass das Heilige Grab restauriert und wieder aufgebaut werde, hat er doch schon im Quellenband XIV geschrieben: Sicher glaubten schon zu Barockzeiten die Aschauer, „dem Herrgott zu Ehren ein großartiges Szenarium geschaffen zu haben“.
Und es wird auch heuer wieder faszinieren. Die Karten für die Auferstehungsspiele hat Rucker für seine Frau und sich schon längst besorgt.