„Oje, nächstes Jahr sind Miss-Wahlen“

von Redaktion

Dr. Kontrabass alias Hannes Herzog teilt beim Starkbierfest in Vogtareuth aus

Vogtareuth – „Treffend, pfeffrig, aber nicht beleidigend.“ So die Meinung von Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter zur Fastenpredigt von Dr. Kontrabass in der vollbesetzten Turnhalle. Nahezu alle Vogtareuther Promis wurden derbleckt, böse abgewatscht aber nicht. Dazu spielte die Blaskapelle Vogtareuth und die Unterinntaler Trachtler hatten alle Hände voll mit der Bewirtung der rund 180 Gäste zu tun.

Dann, es ging schon gegen 21 Uhr, kam der leitende Nervenarzt am Bayerischen Landesamt für Friede, Freude und – nein, nicht Eierkuchen – Roulette auf die Bühne und hielt Sprechstunde ab. Warum Roulette, das erklärte Dr. Kontrabass flugs seinen Patienten: In Vogtareuth sei momentan alles Friede, Freude… Und wenn überhaupt etwas passiert, das hat dann schlicht mit Zufall und Glück, also mit Roulette, zu tun.

Schwieriger als im vergangenen Jahr

„Diesmal haben wir uns deutlich schwerer als in den vergangenen Jahren getan. Es läuft ja rund in der Gemeinde“, erklärten die beiden Verfasser der Fastenpredigt, Hannes Herzog alias Dr. Kontrabass, und Autor Florian Eichberger. Er habe sich sogar über den Fasching in Klausur begeben, um aus „null Vorfällen“ eine Fastenpredigt zu basteln, wie er der Heimatzeitung erklärte. Das ist ihm und Dr. Kontrabass bravourös gelungen. Die Gäste amüsierten sich bestens.

Gleich zu Beginn erklärte der Mediziner, dass er natürlich „die Missstände a bisserl geißeln“ müsse. Aber das sei in diesem Jahr schwierig. Er vertröstete auf das Wahljahr 2020: „Dann sind wieder Misswahlen, dann wird’s spannend.“

Rollator mit Blaulicht für die Feuerwehr

Wohin man in der Gemeinde blickt, „schaut’s gut aus“: Brunnenbohrungen, Prinzessinnenhaus, Feuerwehr. Aber halt: „Die haben zwar einen frischen Kommandanten und eine junge Vorstandschaft – bis auf einen. Aber da wird gerade geprüft, ob ein Rollator mit Blaulicht zuschussfähig ist.“

Gut schaut’s auch beim Bauhof aus. „Aber zum letzten Mal: Der Traktor der Gemeinde ist ein Kommunalmodell. Das ist lateinisch und bedeutet ,allgemein, gemeinschaftlich’. Der springt also mit einem allein gar nicht an!“

Gut schaut’s auch beim Straßenbau aus: „Die Löcher waren wirklich extrem tief. Man hätte meinen können, die stechen direkt durch bis zum Brennerbasistunnel. Wenn die Bauarbeiter oben beim Café Hiesig aus der Grube gekommen sind, haben sie mit ,Glück auf’ gegrüßt.“

Überhaupt das neue Café. Das Schönste dort sei der Bergblick, meinte Dr. Kontrabass. „Wenn man auf den Gipfel hinaufsteigt, sieht man dahinter tatsächlich die Alpen.“

Gut schaut’s auch mit der neuen Turnhalle aus: „Die ist fast schon fertig. Der Boden muss noch tiefer gelegt werden, Basketballkörbe hinein und schon kann’s losgehen. Derweil ist halt noch der Netto drin.“

Bevor dann ein Gemeinderat nach dem anderen derbleckt wurde, erinnerte der Nervenarzt noch an ältere Männer mit langen Bärten. Sie kommen schon seit Jahren ins Rathaus und geben die Hoffnung einfach nicht auf. Sie warten auf ihre Baugenehmigungen. Doch sie wissen nichts von der Schweigeminute vor jeder Ratssitzung für die gefallenen und vermissten Bauanträge. Sie hoffen weiter, geben vollen Einsatz. Dr. Kontrabass hebt warnend den Zeigefinger: „Glücksspiel kann süchtig machen.“

Glückspilz Rudi,

der Preisverteiler

Der größte Glückspilz in der Gemeinde ist Rudi, mittlerweile hauptberuflicher Preisverteiler. Schwer gezeichnet scheinen einige Räte zu sein: „Ziemlich viele Nieten“, wie Dr. Kontrabass meint. „Der Jak, das wissen viele nicht, ist ein Trans-Kommunaler. Das ist ein vernünftiger Mensch, gefangen im Körper eines Gemeinderates.“ Da scheint auch der leitende Nervenarzt Dr. Kontrabass mit seinem Latein am Ende zu sein. Zum Schluss viel Applaus für eine gelungene Fastenpredigt!

Die besten Sprüche

Die Feuerwehr: „...sonst sind es hauptsächlich Unfälle: Bei so einem Unfall sind bis zu 14 Feuerwehrleute dabei – zwölf Aktive und zwei Beteiligte.“

Die Pfarrkirche: „Im Pfarrhaus gibt’s Sportwetten auf das Rennen am Sonntag – ob da zwei oder drei in der Kirche beisammen sind, ist Glückssache. Einen Namen dafür ham’s auch schon: bet and win.“

Cafe Hiesig: „Auf der Karte steht Kaffee aus der Region. Das ist feinste Bohne aus dem subtropischen Hölkinger Hochland, ganz nah bei der Benninger Alpakaplantage.“

Geschenkeladerl: „Das hätt am liebsten sieben Tage in der Woche aufgmacht, aber der Gesetzgeber sagt eindeutig Nein. Der Kunde hat ein Recht auf einen freien Tag.“

Drei freie Wünsche für die Dorferneuerung: Der Dutzfranz schlägt einen Drachen (erster Wunsch) vor. Du Narr, schreit Bürger-Schuster, lieber eine Prinzessin (zweiter Wunsch). Darauf der Rudi Leitmannstetter: Der beste Wunsch ist uns verborgen, wir selber können’s nicht. Darauf folgt prompt die Zwangsversteigerung (dritter Wunsch).

Gemeinderäte Sepp Oberberger, Andreas Bonholzer, Christian Bürger, Johann Bürger-Schuster, Gabi Stemberger-Hanke, Elisabeth Stadlhuber: „Sogar der Oberberger ist altersmilde geworden, und der Bonholzer ist schon so unparteiisch, der feuert beim Fußball nur mehr den Schiedsrichter an. Gut gehalten hat sich der Bürger Christian. Das hält ewig, das Gselchte aus dem Rauchfang. Der Bürger-Schuster hat früher die Ellbogen aufgestemmt, heute stützt er sich auf, damit ihm der Kopf nicht vor Verzweiflung auf den Tisch fällt. Die Stemberger denkt, ob sie den Herd ausgemacht hat, und die Stadlhuberin wird nicht grau – sie hat einen guten Frisör.“

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