Kiefersfelden – Die Streuobstfreunde Bippenwald nutzten die vergangenen sonnigen Tage für die ersten Maßnahmen zur Hochstammerziehung ihrer jungen Obstbäume. Wie berichtet, hat die Gemeinde die Patenschaft übernommen. Dabei nutzten sie die profunden Kenntnisse der Gartenfachberater des Landkreises Rosenheim, Harald Lorenz und Roman Pröll. Beide waren der Einladung von Stephan Helmstreit, Vorsitzender des Vereins Heim und Garten, gefolgt.
Die jungen Obstbäume, die vor drei Jahren gepflanzt und im vergangenen Jahr erstmals geschnitten worden waren (Erziehungsschnitt) sollten jetzt langsam in Richtung Hochstamm „erzogen“ werden. Dabei sollen die jungen Apfel- und Birnbäume eine lichtdurchflutete Krone entwickeln, die sogenannte „Oeschbergkrone“, eine anerkannt naturnahe und effiziente Obstbaumerziehung.
Wichtig ist, dass der Schnitt in der Winterpause und noch vor dem ersten Blattaustrieb erfolgt, denn nur so wird der gewünschte starke Neutrieb erreicht. Weiter ist darauf zu achten, dass bei den drei Leitästen eine sogenannte „Saftwaage“ erreicht wird, was bedeutet, dass die Äste möglichst in gleicher Höhe enden, mit der letzten Knospe nach außen gerichtet, also weg vom Hauptstamm zeigend.
Die Verzweigung des Hochstammbaumes sollte erst ab einer Höhe von etwa 1,7 Metern beginnen und vor dem ersten Schnitt ist die Inaugenscheinnahme des Baumes unumgänglich. Eine scharfe Schnittschere ist wichtig, um glatte, saubere Schnittstellen zu erreichen und damit einem möglichen Pilzbefall vorzubeugen.
Weiter werden danach alle neuen Triebe, die oben auf den Leitästen sitzen und zur Mitte hin wachsen, entfernt, da sie mit der Stammverlängerung konkurrieren und dem Baum Kraft für die Fruchtentwicklung entziehen. Danach wird auch die Stammmitte so eingekürzt, dass im Gesamten ein „Dachwinkel“ von etwa 120 Grad entsteht. „Abschließend ist auf eine ausreichende Durchlichtung der Baumkrone zu achten, damit möglichst alle Triebe von der Sonne ausreichend und in etwa gleichmäßig beschienen werden können.“
Nach rund einer Viertelstunde war die erste beeindruckende praktische Demonstration der Hochstammerziehung eines jungen Obstbaumes beendet und der Gartenfachberater gab dann die Schere nicht nur sinnbildlich weiter an die jeweiligen Paten der Bäume, die dann unter seiner Anleitung ihre Bäumchen schneiden durften.
Haltepfosten
sehr wichtig
Auch zu den „äußeren Einflüssen“ gab es reichlich Information. So sollten die Haltepfosten, an denen die jungen Bäume befestigt sind, etwa 2,5 Meter hoch sein und einen festen Halt im Boden haben, damit der Baum dann später sicher steht und die Wurzeln in der Erde nicht mehr bewegt werden. Auch muss der Baum von Wildverbiss und Wurzelfraß möglichst effektiv geschützt werden. Dabei helfen ein kräftiger „Fegeschutz“ aus Kunststoff gegen Katzen, Hunde und Rotwild sowie und ein Schutzgitter gegen Wühlmäuse. „Dieser Schutz ist für das Wohlergehen der Bäume unbedingt notwendig“, betonten die Fachleute.