„Meine Haare für krebskranke Kinder“

von Redaktion

Emily Wagenstetter (9) aus Thansau spendet Locken – Kooperation mit „Haarfee“ e.V.

Rohrdorf/Samerberg – Sie ist sehr jung, ausgesprochen sportlich und weiß genau, was sie will. „Ich möchte meine langen Haare für krebskranke Kinder spenden, die wegen ihrer Erkrankung keine Haare mehr haben.“ Emily Wagenstetter ist neun Jahre alt und hat lange, rote Haare. Zusammen mit ihrem um eine Minute älteren Zwillingsbruder besucht sie die vierte Klasse der Grundschule in Thansau.

Zum Interview ins OVB-Medienhaus kommt sie mit der Mama, aber eigentlich „braucht’s des gar nicht“, meint Emily. Selbstbewusst erklärt sie: „Die Haare werden für den guten Zweck abgeschnitten.“ Obwohl sie auch ein bisschen um sie trauert. Sie liebt ihre Haare nämlich.

Auf diese Idee der Haarspende ist Emily durch einen TV-Bericht gekommen, den sie vor etwa zwei Jahren gesehen hat. Dort wurde geschildert, dass Kinder und Jugendliche auf freiwilliger Basis und ohne Entgelt ihre langen Haare abschneiden lassen können. Die Non-Profit-Organisation „Haarfee“ aus Wien fertigt daraus dann Echthaar-Perücken für Kinder, die krankheitsbedingt keine Haare mehr haben.

Spender treffen Empfänger

Das Besondere, weshalb Emily dieser Beitrag in Erinnerung geblieben ist, war, dass die Spender-Kinder die erkrankten Kinder und Jugendlichen getroffen haben, die ihre Haare inzwischen als Perücke auf dem Kopf tragen. „Das möchte ich auch“, sagt die Neunjährige. Denn ein bisschen neugierig ist sie schon, was aus ihren langen, festen, wunderschönen roten Haaren wird.

Außer ihren Haaren liebt Emily alle Formen des Radl-fahrens: Mountainbiken, Rennradfahren und Bahnradfahren. „Ich möchte einmal Olympiasiegerin werden“, sagt sie ganz lässig im Interview. Ihr Vorbild, dem sie nacheifern will, ist Peter Sagan. Und weil sie deshalb bereits jetzt im Radsportverein (RSV) Rosenheim viel trainiert, stören allmählich ihre langen Haare. Unter den Helm passen sie immer schlechter, beim Duschen dauert es ewig, bis sie wieder trocken sind, und morgens geht es auch nicht so schnell, wie sie es gerne hätte.

Doch seit dem Fernsehbericht weiß sie, dass die gespendeten Haare „ziemlich lang“ sein müssen. „Seither, also seit 2016/17, züchtet sie ihre Haare“, wirft Mutter Josefine schmunzelnd ein. Die blonde Frau findet die Idee ihrer Tochter „beeindruckend“, doch als Mama legt sie wert darauf, dass die Haare auch gepflegt werden. Also morgens kämmen, wenig Haargummis benützen, um Spliss vorzubeugen, reinigen mit einer Wasch- und Pflegelotion und immer wieder geduldig warten. „Inzwischen weiß ich, dass meine Haare etwa 40 Zentimeter lang sein müssen“, hat Emily durch die Organisation „Haarfee“ erfahren. „Aber ich weiß nicht, ab wo ich messen soll“, sagt sie. An der Stirn, oder eher im Nackenbereich?

Hier konnte nun die OVB-Heimatzeitung helfen. Sie machte die rothaarige Neunjährige mit Verena Stuffer, der Friseurmeisterin von „Verenas Haarstüberl“ am Samerberg, bekannt. Die 26-Jährige hat sich der Non-Profit-Organisation angeschlossen und schneidet die Haare ab und schickt sie auf eigene Kosten nach Wien. Gleichzeitig verpasst sie den Spendern einen neuen Schnitt. „Nur abschneiden, das geht ja nicht. Die Spender sollen hinterher auch wieder gut aussehen. Denn 40 Zentimeter lange Haare kürzen, das verändert die Trägerin enorm“, macht sie deutlich.

Sie hatte in der Vergangenheit immer wieder Menschen, die ihre Haare für einen guten Zweck abgeben wollten, doch „ein so junges Mädel hatte ich noch nie“. „Das finde ich schon toll.“ Die meisten seien zwischen 15 und 20 Jahre jung, sagt Stuffer. Vielfach stünden Mütter dahinter, umso erstaunlicher sei es, dass hier eine Neunjährige so engagiert an die Sache herangeht. „Wichtig ist immer, dass die Haare gesund, nicht gefärbt und ohne Dauerwelle sind“, erklärt die Friseurin, die auch Betriebswirtin ist. Außerdem sollten sie nicht durchgestuft sein, sonst „wird’s mit der Länge schwierig“.

Also kam kürzlich der „Tag der Wahrheit“: Emily fuhr zusammen mit Mama Josefine – in deren Familie finden sich übrigens viele Rothaarige – nach Törwang zum Haarstüberl. Friseurmeisterin Verena Stuffer war entzückt über die gepflegten, seidig-glänzenden Haare und legte das Lineal im Nackenbereich an: 38 Zentimeter! Oje, um zwei Zentimeter zu kurz. Nun war guter Rat teuer: abschneiden oder nicht? Die Friseurin telefonierte sogleich mit der Organisation Haarfee – und hörte die bittere Wahrheit: Mindestens 40 Zentimeter, alles andere macht keinen Sinn.

Haare noch um zwei Zentimeter zu kurz

Doch Emily war nur für einen kurzen Moment enttäuscht, bevor sie spontan erklärte: „Dann lasse ich sie eben noch ein bisschen wachsen.“ Spätestens in zwei Monaten wird es dann soweit sein. „Im Sommer kommen sie runter. Das passt dann.“

Und der Papa bekommt dann auch seinen Willen: „Meine Emily soll hinterher noch wie ein Mädel aussehen.“

Ehrensache, dass die Heimatzeitung auch beim zweiten Versuch, die Haare abzuschneiden, wieder dabei sein wird.

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