Eine Vision für Pfaffenhofen

von Redaktion

Dorfern euerung Startschuss mit vielen Ideen für einen lebenswerten Ort

Schechen – So könnte das Pfaffenhofen der Zukunft aussehen: Bäume und Sträucher machen das Zentrum zu einem grünen Herz, Blumen und Blüten in privaten Gärten und öffentlichen Freiflächen ziehen Bienen an. Die Fahrzeuge auf der Ortsdurchfahrt, der ehemaligen B15, fahren langsam und vorsichtig. Autos teilen sich die Straße friedlich mit Radfahrern und Fußgängern. Um diese Vision von Pfaffenhofen umzusetzen, haben die Bürger nun mit einer Dorfentwicklung begonnen, bei der es insbesondere um die Umgestaltung des Straßenraums und der Ortsmitte gehen soll. Denn die aktuelle Situation ist weit entfernt von der Vision: die Ortsdurchfahrt gleicht einer Asphaltwüste.

Der Startschuss für die Dorferneuerung fiel im Pfarrheim Pfaffenhofen bei einer Infoveranstaltung mit Bürgermeister Hans Holzmeier, dem Landschaftsarchitekten Stefan Goller und Rolf Meindl, dem zuständigen Leiter für Dorfentwicklung im Amt für ländliche Entwicklung.

„Es bietet sich

ganz Neues“

Holzmeier gab zunächst einen kurzen Rückblick. Seit 2018 ist der Ort dank der Umfahrung über die Westtangente vom Durchgangsverkehr nahezu befreit und es bieten sich ganz neue Möglichkeiten im Zentrum von Pfaffenhofen. Im Schechener Rathaus hat man sich also zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten informiert und ist dabei auf das Dorferneuerungsprogramm gestoßen. „Ich war zuerst skeptisch“, sagte der Bürgermeister. Denn auch in Hochstätt läuft derzeit eine Dorferneuerung, die sehr zeitaufwendig ist. Was er dann aber erfuhr: Es gibt auch eine „einfache Dorferneuerung“, die weniger komplex ist. Bei dieser Variante tritt die Gemeinde als Bauherr auf, es muss also keine Teilnehmergesellschaft aus Bürgern gebildet werden. Eine wichtige Voraussetzung für die Förderung aber bleibt: Eine intensive Bürgerbeteiligung ist unbedingt notwendig.

Kein Problem in Pfaffenhofen, wie sich zeigte: Eine Gruppe interessierter Bürger hat Anfang des Jahres das Fortbildungswochenende in Thierhaupten absolviert. Mit dabei war auch Landschaftsarchitekt Goller, der das Seminar moderierte. Er skizzierte, wie man dabei vorgegangen ist: Zunächst wurden Stärken und Schwächen von Pfaffenhofen ermittelt, danach Handlungsfelder und Ziele erarbeitet. „Betroffene sollen zu Beteiligten werden“, erklärte er die Idee der Dorferneuerung.

So bildeten sich drei Arbeitskreise (AKs), die sich weiter intensiv mit dem Fördergebiet der Ortsdurchfahrt beschäftigen werden. Als Haupt-Handlungsfeld wurde „Umgestaltung Straßenraum und Ortsdurchfahrt“ deklariert, das von den Themen „Ökologie im Dorf“ und „Geschichte im Dorf“ ergänzt wird.

Lothar Thaler, der Sprecher des AKs „Straßenraum“, erklärte, dass er und seine Mitstreiter insbesondere etwas am tristen Straßenbild ändern wollen. Sie stört auch, dass die Ortseingänge nicht wahrnehmbar sind – viele Autofahrer daher auch wenig rücksichtsvoll fahren. Außerdem sei die Fahrbahn mit rund 6,30 Metern aktuell viel zu breit, da könne man was für Fußgänger „abknapsen“. Auf den Zwischenruf aus dem Publikum, Pfaffenhofen sei doch eh nur ein Straßendorf, meinte er: „Genau darum sind wir hier: um zu schauen, wie wir das ändern können.“

Herbert Veicht, der Sprecher vom AK „Ökologie“, berichtete von dem Wunsch „grüner Tore“ am Ortseingang und der Idee, die Asphaltwüste mit pflanzenreichen Übergängen aufzulockern. Lucas Rothenstein vom AK „Geschichte“ stellte Ideen vor, wie man mit einer Aufarbeitung der vielen Bodendenkmäler, der Römer-Geschichte sowie der historischen Straßen- oder Hausnamen die Geschichte des Ortes erlebbar machen könnte. Was die Vertreter der AKs immer wieder betonten: „Gedacht werden darf alles.“ Jede Idee sei erwünscht, jeder Mitstreiter willkommen. Während man sich bei einigen Punkten schon sehr einig war, müssen andere Aspekte in der konkreten Umsetzung aber noch ausführlich diskutiert werden. Für Thaler ist es den Aufwand auf alle Fälle wert: „Wir haben sieben Jahre gekämpft, um die B15 raus aus Pfaffenhofen zu bekommen. Jetzt können wir dem Ganzen mit der Dorferneuerung die Krone aufsetzen und ein richtig schönes Dorf bekommen!“ Mit diesem Ziel vor Augen soll es weiter flott vorangehen. Der offizielle Bescheid liegt dem Bürgermeister schon vor. Drei Planer haben sich der Gemeinde bereits vorgestellt und der Auftrag soll in der nächsten Gemeinderatssitzung vergeben werden. „Es ist beeindruckend, was Sie schon geschafft haben“, meinte Rolf Meindl vom Amt für ländliche Entwicklung. Auch wenn es sich um eine „einfache Dorferneuerung“ handele, sei es durchaus komplex, einen Kilometer Straße umzugestalten.

Holzmeier versicherte, dass keine Beiträge von den Bürgern erhoben werden und sicherte die weitere Unterstützung durch die Gemeinde zu. „Wir sollten alles dafür tun, dass unser Dorf lebenswert bleibt!“

Finanzspritze auch für private Maßnahmen und Kleinstunternehmen

Toscana-Haus und Stein-Wüste in einem oberbayerischen Dorf? Das muss nicht sein, findet Rolf Meindl, der im Amt für ländliche Entwicklung für Dorferneuerung zuständig ist. Wer mithilft, dem Dorf einen stimmigen Charakter zu verleihen, der bekommt eine finanzielle Unterstützung – auch für Privatmaßnahmen. „Es müssen nicht lauter Highlights sein, aber sie müssen in die Umgebung passen“, so Meindl.

Unterstützt werden private Maßnahmen an ländlicher Bausubstanz: dorfgerechte (den Planungen der Dorferneuerung entsprechende) Um-, An- und Ausbaumaßnahmen sowie dorfgerechte Erhaltung, Umnutzung und Gestaltung.

Die Förderung liegt je nach Fördersatz bei 15 bis 60 Prozent.

Ausgenommen sind unter anderem Gebäude, die jünger als 25 Jahre sind, reine Unterhaltsmaßnahmen oder die Verwendung von nicht ortstypischen Baustoffen.

Unterstützt werden außerdem private Maßnahmen in Vorbereichen und Hofräumen mit 20 bis 30 Prozent Zuschuss. Ausgenommen sind dabei unter anderem Wohngärten im nicht einsehbaren Bereich, Terrassen oder Ausstattungselemente.

Vor dem Maßnahmenbeginn ist ein Antrag beim Sachgebiet F3 des Amtes für ländliche Entwicklung zu stellen.

Gefördert werden auch Kleinstunternehmen der Grundversorgung, wie Bäckereien, Metzgereien, Dorfläden oder Dorfwirtschaften, Handwerker, Fachgeschäfte. Auch hierzu gibt es Infos beim Amt für ländliche Entwicklung.khe

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