Rettung aus luftiger Höhe

von Redaktion

Liftberge-Übung aus Hocheck-Sesselbahn – Konzept praxisnah getestet

Oberaudorf – Nichts geht mehr. Der Vierer-Sessellift am Hocheck steht. „Stillstand der Hocheck-Bergbahnen! “Mit dieser Durchsage werden die 40 in den Sesseln sitzenden Passagiere informiert. Doch kein Grund zur Panik. Es ist nur eine Übung – und alle Passagiere machen freiwillig mit. Sie sind sozusagen Statisten. „Das Bergekonzept soll getestet werden“, erklärt Kajetan Anker, der Bergeleiter von der Bergwacht Oberaudorf, der Heimatzeitung.

Zunächst ermittelt der Maschinist den Grund des Bahnstillstandes und wird dann entscheiden, was zu tun ist: Rettung alarmieren oder – falls der Schaden schnell behoben werden kann – eine Durchsage an die Fahrgäste, die im Sessellift sitzen, dass es in Kürze weitergeht.

Der Betriebsleiter sucht also den Grund des Bahnstillstandes an Antriebsstation, Umlenkstation oder auf der Strecke und kann ihn nicht ermitteln. Deshalb entscheidet er, das Bergungskonzept in Kraft zu setzen, da auch der Hilfs- oder Notantrieb nicht aktiviert werden kann, um die Bahn leer zu fahren.

Zum Konzept gehört der Einsatz von Bergungsmannschaften. Sofort wird die Bergwacht Oberaudorf alarmiert, um das Abseilen der Gäste durchzuführen.

Mehrmals im Jahr führt der Bergeleiter zusammen mit den Bergungsmannschaften ein solches Training durch. Dabei geht es aber nicht nur um das Training des Abseilens und um den Kontakt Retter-Passagier, sondern auch um das Austesten des Materials.

Die Bergemannschaft besteht aus mindestens zwei Personen, einem Retter am Seil und einer Sicherungsperson am Boden.

Nach Zuweisung des Rettungsabschnittes geht die Übung los: 25 Bergretter starten mit ihrer Spezialausrüstung und klettern abschnittsweise auf die Masten. Von dort klinkt sich jeder Bergwachtler ein und rutscht mit seiner Ausrüstung am Seil entlang bis zum Sessellift. Dort sitzen die Passagiere – in diesem Fall Gäste oder Angehörige der Bergretter, die sich allesamt freiwillig für eine Rettung aus luftiger Höhe gemeldet haben. „Es ist schon gewöhnungsbedürftig. Ich habe gerne sicheren Boden unter den Füßen“, meint Christa Lotter. Die Seniorin ist begeisterte Berggeherin, aber „Abseilen ist schon etwas ganz anderes. Die Panik, die einen in einem echten Notfall ergreifen kann, kann ich mir jetzt gut vorstellen“, sagt die Oberaudorferin. Beruhigend waren die aufmunternden Worte „ihres“ Retters. „Das ist wirklich wichtig. So bekommt man wieder das Gefühl, dass alles gutgehen wird.“

Alle 40 Passagiere aus Sessellift abgeseilt

Bald sind alle 40 Passagiere aus ihren Sesseln abgeseilt und haben sicheren Boden unter den Füßen. „Wir sind für den Notfall gerüstet“, so das Fazit von Bergeleiter Kajetan Anker über die gut verlaufene Übung am Hocheck. Solche mehrfach im Jahr durchgespielten Notfalleinsätze seien sowohl für die „Retter am Seil“ sowie die „Sicherungsperson am Boden“ sehr wichtig, sagt er. „So wird praxisnah unser Konzept zur Rettung im Ernstfall eingeübt.“

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