Stephanskirchen – Ein Radschnellweg von Stephanskirchen über Rosenheim und Kolbermoor nach Bad Aibling, vielleicht sogar weiter bis nach Bruckmühl. Der hat erhebliches Potenzial, wie ein Fachbüro im Auftrag der SUR (Stadt- und Umlandbereich Rosenheim) feststellte. Nicht ganz so viele stramme Wadeln wären auf einem Expressradweg im Inntal von Schechen nach Brannenburg unterwegs, gab Geschäftsleiter Georg Plankl in der jüngsten Sitzung an die Gemeinderäte weiter.
Er informierte auch über eine „schöne Geschichte“, wie Bürgermeister Rainer Auer findet, nämlich über einen Fahrradtag – in Kooperation mit ADFC, Polizei, Radlhändlern und anderen – am und im Kolbermoorer Rathaus. Der Termin am 24. Mai, 15 Uhr, sei extra so gelegt, dass möglichst viele Gemeinderäte mit dem Fahrrad nach Kolbermoor kommen können. Denn die Sternradfahrt aus den neun SUR-Kommunen ist ausdrücklich gewünscht, so Plankl. Vielleicht können sich die dort vertretenen Damen und Herren Stadt- und Gemeinderäte auch gleich auf die Finanzierung einigen. Denn das ist laut Plankl noch ein Problem: Wer ist bei einem Radschnellweg überhaupt Baulastträger? Hubert Lechner (Parteifreie) sah noch ein Problem: „Ich frage mich, wie wir über den Inn kommen.“
Auer hielt fest, dass Rosenheim und Umgebung zu sehr aufs Auto fixiert seien – und so sehe es auch aus. Im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands und Europas sei hier Radlverkehr-Entwicklungsland.
Die Gemeinde will selber „Entwicklungshilfe“ übernehmen. Zumal die Gemeinde beim diese Woche erschienenen Fahrradklimatest des ADFC 2018 wieder etwas schlechter abschnitt als im Vorjahr. Der Bürgermeister meinte leicht frustriert, er habe „bei dem Thema in letzter Zeit eher selten Erfolgserlebnisse gehabt“, ein Verbündeter wäre schön. Es gebe für die verschiedensten Aufgabengebiete ehrenamtliche Beauftragte, warum nicht auch für den Fahrradverkehr?
Auf die Idee kamen Auer und die Gemeindeverwaltung durch Frank Wiens. Der pendelt täglich per Fahrrad von Stephanskirchen an seinen Arbeitsplatz in Rosenheim und kam immer wieder mit Ideen und Anregungen in die Gemeinde, wenn ihm etwas aufgefallen war. Auer hatte ihn in die Gemeinderatssitzung eingeladen – als erste Vorstellung eines Kandidaten für den Radl-Beauftragten, sozusagen.
Wobei Wiens betonte, er brauche keinen Posten, gebe seine Beobachtungen auch so gerne weiter. Glücklicherweise sei das Thema Fahrradverkehr in der Gemeinde durchaus präsent. Er halte es aber für sinnvoll, wenn es jemanden gebe, der Ansätze und Ideen bündelt, der Ansprechpartner ist.
Das sahen die Gemeinderäte quer über die Fraktionen durchaus ähnlich. Christine Annies (Die Grünen) wird nach eigener Aussage immer wieder auf Probleme angesprochen. Dr.Rolf Jürgen Löffler (CSU) fand einen Blick von außen gut, zweifelte aber an den Erfolgserlebnissen eines Fahrradverkehrsbeauftragten.
Der Gemeinderat beschloss einstimmig, einen Fahrradverkehrsbeauftragten einzusetzen. Interessenten für die Aufgabe können sich im Rathaus melden.syl