Bad Feilnbach – Die Deutsche Bahn will herausfinden, wo der Bau einer neuen Strecke für den Brenner-Nordzulauf möglich ist. Dazu führt sie seit einiger Zeit Messungen und Probebohrungen durch – nun auch bei Bad Feilnbach südlich der Filzen. Dort läuft derzeit die zweite Probebohrung, nachdem die erste auf Feilnbacher Gemeindegebiet für die Bahn dem Vernehmen nach ernüchternd ausgefallen ist.
1100 Bohrkerne
zur Untersuchung
Die dortige erste Probebohrung hat kürzlich stattgefunden. Dabei soll der Bohrtrupp angeblich bereits auf den ersten Metern auf eine fünf Meter starke Moorschicht gestoßen sein, die zu Schwierigkeiten beim Bau einer Bahnlinie für den Nordzulauf führen würde.
Die Bahn betont in ihrem Informationsmaterial, dass die Standorte der Probebohrungen keinerlei Rückschlüsse auf den künftigen Verlauf der Neubaustrecke zulassen. Mit den Probebohrungen und weiteren Untersuchungen will die Bahn Informationen über Grund- und Bergwasserverhältnisse sowie über die Beschaffenheit des Untergrundes gewinnen (wir berichteten).
Insgesamt, so die Bahn, sollen an 44 Punkten im Planungsraum zwischen Rosenheim und Kiefersfelden für den Brenner-Nordzulauf Bohrungen und geophysikalische Untersuchungen durchgeführt werden. Die Bohrungen erreichen eine Tiefe von 40 bis 130 Metern. Dabei will die Bahn rund 1100 Bohrkerne gewinnen, die Aufschluss über die Beschaffenheit des Untergrundes geben sollen.
Jede Erkundungsstelle nehme eine Fläche von rund 100 Quadratmetern ein, so die Bahn. Sollten viele Bohrkerne vor Ort gelagert werden müssen, könne die Fläche in Einzelfällen größer sein. Die Dauer je Probebohrung gibt die Bahn mit einer bis zehn Wochen an. Bei Bedarf würden die Bohrstellen zu Grundwasser-Messstellen ausgebaut. Dann werden an der Bohrung Datenschreiber installiert, die die Bewegung des Grundwassers messen und festhalten.
Die Probebohrungen können auf öffentlichem und auf privatem Grund stattfinden. Die Bahn betont, alle Genehmigungen im Vorfeld einzuholen. DB-Projektleiter Christian Tradler: „Wir gehen zunächst auf die Gemeinden zu und stellen das Erkundungsprogramm vor. Wichtig ist uns dabei, Verständnis für die Maßnahmen zu wecken und einvernehmlich mit den Gemeinden vorzugehen.“ Die Gemeinden Stephanskirchen, Riedering und Rohrdorf stehen den Bohrungen wie berichtet ablehnend gegenüber.
Bürgerinitiative
gegen die Bahntrasse
Die Bahn betont, dass bei der Auswahl der Bohrstellen und Messpunkte für seismische Untersuchungen Rücksicht auf ökologisch sensible Zonen und „Bereiche mit spezifischen Nutzungsinteressen“ genommen werde. Allerdings schreibt die Bahn, solche Gebiete nur „so weit wie möglich“ zu schonen. In Bad Feilnbach gibt es eine Bürgerinitiative gegen den Brenner-Nordzulauf. Deren Sorge: Die neue Bahnstrecke könnte das Moor bedrohen. Auch ein Wunsch der Kommune, in der Nähe der Autobahn ein Gewerbegebiet auszuweisen, könnte durch die Bahnlinie gefährdet sein.