Aschau – In der jüngsten Gemeinderatssitzung stand die Turnhalle gar nicht auf der Tagesordnung. Und war doch großes Thema. Denn im Haushalt der Gemeinde sind für dieses Vorhaben 2019 ausschließlich Planungskosten in Höhe von 120000 Euro vorgesehen. Was bei einigen Gemeinderäten, vor allem bei der CSU, für Unmut sorgte (wir berichteten).
Für Unmut sorgt die Sporthalle – beziehungsweise jede Äußerung oder Aktion in diesem Zusammenhang – seit der erste Entwurf des Planungsbüros vorgelegt wurde. Mal auf der einen Seite, mal auf der anderen.
Bürgermeister Peter Solnar (Freie Wählergemeinschaft) verweist in einer Presseerklärung darauf, dass nach dem Bürgerentscheid im Oktober 2018 umgeplant und dabei die Nutzfläche des Gebäudes – von der tatsächlichen Sporthalle abgesehen – um 50 Prozent reduziert wurde. Nun werde auf das komplette Obergeschoss mit drei Mehrzweckräumen, Sauna (inklusive Loggia 250 Quadratmeter), Jugendraum (100 Quadratmeter) verzichtet, die Heizung sei ins Gebäude integriert und das ganze Gebäude drei Meter kürzer.
Im Februar heißt es in einem mehrheitlich gefassten Beschluss des Gemeinderates, dass aufgrund des Bürgerentscheids und einer Stellungnahme des Landratsamtes ein Jugendtreff nicht zu berücksichtigen sei. Stattdessen solle dieser Raum für sportliche Zwecke wie zum Beispiel Fitness genutzt werden. „Ebenso sollen, um Missverständnisse zu vermeiden, auch die weiteren Räume ausdrücklich für sportliche Zwecke festgelegt werden“, heißt es weiter in dem Beschluss.
Franz Kratzer, Mitinitiator des Bürgerbegehrens, verweist in seinem offenen Brief, den er als Reaktion auf Solnars öffentliche Erklärung versandte, darauf dass 55 Prozent der Aschauer sich für eine „rein funktionale“ Sporthalle ohne zusätzliche Räume ausgesprochen hätten, nicht für eine generelle Verkleinerung der Nutzfläche. Es sei eine „höchst fragwürdige Täuschung und Trickserei“, wenn Solnar die vier Umkleiden, die zwei Büroräume und das Vereinsheim im Erdgeschoss nur in „Räumlichkeiten für sportliche Zwecke“ umbenenne und meine, das entspräche dem Bürgerentscheid.
Ein Raumprogramm für eine rein funktionale Sporthalle gibt es nicht. Da sind sich Landratsamt, Architektenkammer und der Bayerische Landessportverband (BLSV) einig. Dafür gibt es eine DIN-Norm, wie die Pressestelle der Architektenkammer mitteilt. Laut dieser sei ein Raum, der sowohl für sportliche Zwecke, als auch für Besprechungen oder als Kinderspielraum genutzt werde, möglich und zur Belebung des Hallengebäudes durchaus sinnvoll.
Christian Henßel vom BLSV erklärte auf Anfrage der Heimatzeitung, dass sich das Raumprogramm einer Sportstätte immer am konkreten sportlichen Bedarf der jeweiligen Schule, des jeweiligen Vereins orientiere – wie beispielsweise an den ausgeübten Sportarten oder an der Intensität der Nutzung. „So gesehen gibt es kein ‚allgemein gültiges‘ Raumprogramm für Sportstätten“.
Solnar erwähnt in seiner Presseerklärung, dass die Gemeinde beim Landratsamt angefragt habe, ob der Bau der Sporthalle mit einer „Einzelbaugenehmigung“, also ohne aufwendiges Bebauungs- und Flächennutzungsplanverfahren möglich sei. Das sei es, laut Solnar – und ein halbes Jahr später sei die Zusage zurückgezogen worden. Nun sei die Bauleitplanung doch notwendig. Michael Fischer, Sprecher des Landratsamts erklärt gegenüber der Heimatzeitung, dass eine Einzelbaugenehmigung im Außenbereich, und um einen solchen handelt es sich am Standort der Sporthalle, nach Paragraf 35, Absatz2, Bauordnung problemlos möglich sei, wenn es sich um einen etwa gleich großen Ersatzbau handele. „Bei einer Verdopplung der Größe des Neubaus im Vergleich zum Bestand ist das so aber nicht mehr zu lösen, dann ist eine Bauleitplanung nötig“.
Und dann waren da ja noch die Bäume. „Die Fällungen sind behördlich abgesprochen“, schreibt der Bürgermeister erneut. „Sind sie nicht“, sagt das Landratsamt erneut. Richtig sei, dass es im Dezember ein Treffen im Landratsamt gab, in dem es auch um die Zukunft der vorhandenen Bäume gegangen sei. „Das Bauleitplanverfahren ist bis heute nicht abgeschlossen, daher kann es kein Einverständnis geben“, sagte Fischer Anfang März und bestätigte die Aussage jetzt auf Anfrage.
Als weiteren Grund für die Baumfällaktion am 28.Februar nennt Solnar die vorgeschriebene Untersuchung der vorgesehenen Baufläche auf Bodendenkmäler. Das gehe nur, wenn die Fläche frei gemacht sei. Wären die Bäume nicht vor der Schutzzeit vom 1.März bis zum 30.September gefällt worden, hätte die Gemeinde wieder viel Zeit und Geld verloren.
Dr.Jochen Haberstroh, Referatsleiter Bodendenkmäler beim Landesamt für Denkmalpflege, erklärte auf Anfrage, dass grundsätzlich gelte, dass archäologische Maßnahmen nur dort erforderlich werden, wo ein Bauvorhaben realisiert werden soll. „Insofern kann die Archäologie weder Ursache noch Auslöser für Baumfällungen sein.“
Frei ist die zu untersuchende Fläche derzeit ohnehin nicht, denn die alte Sporthalle steht bekanntlich noch. Und im aktuellen Haushalt der Gemeinde sind für den Abriss der Halle keine Mittel vorgesehen (wir berichteten).
Fast schon selbstverständlich: Auch um die Kosten des Projektes wird gestritten. Einen Betrag von 7,5 Millionen Euro hatte das Planungsbüro für seinen Entwurf angesetzt. Das sind die aktuellsten Zahlen der Gemeinde, die sich auch im Finanzplan 2020 finden. Die Bürgerinitiative ist der Auffassung, dass 5,5 Millionen reichen, denn Sauna (700000 Euro), Jugendtreff (300000 Euro) und WSV-Vereinsheim plus vier Umkleiden, Schiedsrichterraum und zwei Mini-Büros (780000 Euro) machten fast 1,8 Millionen Euro Einsparung aus, da sie laut Bürgerentscheid entfielen.
Was wirtschaftlicher ist? Auch darüber wird gestritten.