Festgewand für die Madonna

von Redaktion

Feierliche Messe in Basilika

Tuntenhausen – Was zieh ich heute an? Diese Frage stellt sich fast jede Frau vor wichtigen Anlässen. Nicht aber die Muttergottes am Hochaltar der Wallfahrtskirche von Tuntenhausen. Den Brauch, Heiligenfiguren anzukleiden, soll es bereits in der Gotik gegeben haben. Auch in Tuntenhausen wird dieser Brauch gepflegt.

Heilige thront in

vier Metern Höhe

Zur einmaligen Eröffnung der Basilika am Palmsonntag war die Einkleidung wieder angesagt. Nach der zwischenzeitlichen krankheitsbedingten Beurlaubung des Wallfahrtspfarrers Amit Sinha Roy übernahmen nun Pfarradministrator Bruno Bibinger und Sakristanin Erika Zimmert diese Aufgabe. Gar nicht so einfach: Denn die Heiligenfigur thront in rund vier Metern Höhe. Diesmal allerdings war es etwas einfacher, als in all den Jahren zuvor: Das Baugerüst steht noch im Gotteshaus und so genügten zwei enge Leitern, um auf eine Zwischenebene am Hochaltar zu gelangen.

Dort konnte man auf Augenhöhe arbeiten und sich gut bewegen. „Mit einer großen Leiter ist das Unterfangen wesentlich schwieriger“, sagte Horst Zimmert, der all die Jahre immer fleißig mithalf. „14 Gewänder stehen uns für die Einkleidung zur Verfügung“, erzählte Bibinger, unterschiedliche Kleider in Abhängigkeit vom liturgischen Kalender.

Für die Fastenzeit wird der gut 1,40 Meter hohen Heiligenfigur ein weißes Kleid angezogen, für das große Fest der Einweihung nach Sanierung am Jahresende gibt es dann das vorhandene Prunkgewand. Aber auch ohne Kleid ist die Figur der Muttergottes wunderschön anzuschauen, die damaligen Baumeister schufen ein wahres Prunkwerk, von dem Zimmert immer wieder angetan ist.

Doch nicht nur die Muttergottes wurde neu eingekleidet, auch das Jesuskind. „Selbst Windeln ziehen wir ihm an“, so Erika Zimmert, wie eben bei jedem Kleinkind. Bibinger erzählte auch, woher die Kleider stammen: „Sie stammen aus großzügigen Spenden der Bevölkerung.“

Viele Gläubige wollten nicht nur Kerzen spenden, in der Basilika sind Hunderte davon vorhanden, sondern etwas gänzlich anderes; ein Kleid eben. 300 Euro etwa kostet ein Meter des Brokatkleides.

Kleider in

Sakristei aufbewahrt

„Letztmals trug die Muttergottes vor drei Jahren ein Kleid“, ergänzte Zimmert, denn da begann die Renovierung. Aufbewahrt werden die Kleider in der Sakristei, zuletzt allerdings im Pfarrhof, da auch die Sakristei stark renovierungsbedürftig war. „Jedes Kleid hat sogar einen eigenen Bügel“, so Zimmert. Nach einer guten Stunde war die „Einkleidung“ beendet –zumindest für diesmal. Dafür erstrahlte das Gnadenbild der Muttergottes am Palmsonntag wieder in ihrem früheren, edlen Glanz. Nachdem die Madonna angekleidet war, trafen sich die Frauen Tuntenhausens, um die Kirche auf Hochglanz zu polieren. Schließlich sollte die Wallfahrtskirche am Palmsonntag zur Wiedereröffnung glänzen. Nicht nur Gewölbe, Heiligenfiguren, sondern auch Boden und Bänke. Mit Putzutensilien bewaffnet ging es dann in das Gotteshaus. Dort wurde geputzt, gewischt und gesaugt, bis die Kirche wieder gänzlich vom Arbeitsstaub der letzten Monate befreit war.

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