Amerang/Höslwang – Die wenigen Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern sind jene Zeitspanne, während der die Fastentücher, ob modern oder barock, aus den Sakristeidepots geholt und für kurze Zeit auf den Altären ausgestellt werden. Dass man dabei immer wieder auf unbekannte Kunstwerke stoßen kann, ist kein Wunder, denn längst sind nicht alle Fastentücher erforscht und zugeordnet.
So hängen beispielsweise seit langer Zeit eine „Geißelung“ und „Dornenkrönung Jesu“ in der kleinen „Seelenkapelle“ von Evenhausen, die im Jahre 1700 errichtet wurde und heute als Leichenhaus dient.
Aus den Kirchenrechnungen von 1775 weiß man, dass ein ungenannter Maler sechs Gulden erhielt „umb 3 fasten Bilder vor die Altär“. Die beiden Szenen aus der Passion Jesu dürften zwei dieser Fastentücher (126 mal 84,5 Zentimeter) sein, während das größere für den Hauptaltar wohl verschollen ist.
Die ungewöhnlich gute Darstellung der Räumlichkeit hat schon immer die Neugierde geweckt, bis nun in der Pfarrkirche Höslwang zwei identische, nur etwas kleinere Bilder auf den Seitenaltären stehen.
Hier sind wir durch die Rechnungseinträge bestens über Entstehungszeit und Meister informiert.
Cajetan Forster (um 1744 bis 1804), ein Malergeselle aus Meran, hatte 1768 die Witwe seines Meisters Seltenhorn aus Burghausen geheiratet und dessen Werkstatt fortgeführt.
Die Burghausener Meister Johann Georg Lindt und Johann Martin Seltenhorn waren federführend bei der Ausstattung der Höslwanger Kirche im Stile des Rokokos.
Cajetan Forster setzte die Arbeiten fort und schuf 1775 die Fastenbilder für diese Kirche.
Zufallsfund: Hoffen auf weitere Werke
Sie stimmen in so vielen Details mit den Evenhausener Bildern überein (Wadenschnürung der Schergen, Aufhängung der Lampe, Gitterfenster), dass sie nur von derselben Künstlerhand stammen können.
Und wenn Forster die „Geißelung“ und „Dornenkrönung Jesu“ zweimal geschaffen hat, könnte es durchaus sein, dass er diese Motive noch öfters gemalt und verkauft hat.
Vielleicht führt ein Zufallsfund auf weitere so bewegende Arbeiten des Künstlers, die leider immer nur kurzzeitig zu sehen sind – so wie in Höslwang und Evenhausen.