Rentner rosten? Gottfried (80) nicht!

von Redaktion

Was macht man, wenn einem mit 80 Jahren zu Hause die Decke auf den Kopf fällt? Man geht weiter zur Arbeit, wie die 60 Jahre vorher auch, oder?

Aschau – Mal ehrlich, die meisten sehen ihrem Ruhestand freudig entgegen. Endlich mal Zeit für sich selbst, keine fremdbestimmten Termine, seinen Hobbys fröhnen. Bei Gottfried Hofmann ist das anders. Der Senior ist jetzt 80 Jahre alt. Seit er 20 ist, geht er zur Arbeit. Und er liebt es.

Es war das Jahr 1959, als Gottfried Hofmann mit seiner Arbeit für die Freiherrn von Cramer-Klett in der Schlossbrauerei von Hohenaschau anfing. Für einen Elektriker und geschickten Handwerker wie ihn gab es in diesem großen Betrieb immer etwas zu tun, Maschinen und Leitungen brauchten ständig eine Aufsicht.

Bis zur Übernahme der Brauerei und der Mitarbeiter durch Löwenbräu im Jahr 1989 („Löwe frisst Gams“) hatte sich Gottfried Hofmann bis zum Chef der Füllerei hochgearbeitet und erzählte beim Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen plastisch, was man da alles für Aufgaben hatte, von der Flaschensortierung über die Reinigung bis hin zur Wiederbefüllung.

Chef war froh, ihn wieder zu haben

1993 war es mit der Brauerei dann endgültig vorbei und die Mitarbeiter mussten sich neue Arbeitsplätze suchen. Hofmann aber blieb seinem bisherigen Arbeitgeber treu.

„Ich habe den Gottfried gleich wieder eingekauft“, sagt Rasso Baron von Cramer-Klett, „in den langen Jahren vorher habe ich ihn als tüchtigen und verlässlichen Mitarbeiter schätzen gelernt und war froh ihn wieder zu bekommen“.

Und wieder fand der Elektriker genug zu tun in den vielen cramer-kettschen Besitzungen, dazu mussten mit viel handwerklichem Geschick die zahlreichen Almhütten und Kaser auf Vordermann gebracht werden.

Als das Rentenalter kam, wurde es zur Kenntnis genommen, aber weiter nicht beachtet: Es wartete ja noch so viel Arbeit auf den Bergen und im Tal. „Nichts tun – geht nicht“. So schob sich der Zeitpunkt des Aufhörens immer weiter nach hinten, zwar arbeitete er nicht mehr die volle Zeit, aber immer wenn Not am Mann und am Handwerker war, dann war er da.

Als „Hausmeister“ fühlt er sich auch mit 80 Jahren noch immer verantwortlich dafür, dass alles funktioniert. „Ich habe mein Leben lang einen bärigen Arbeitsplatz und einen guten Chef gehabt“, resümierte Gottfried Hofmann, „fürs Nichtstun habe ich keine Zeit“.

Noch mehr Senioren unter Mitarbeitern

Rasso Baron von Cramer-Klett holte sich neben Gottfried Hofmann noch zwei weitere seiner Dienstjubilare in die „Cramer-Klettsche Centralkanzley“ ein, um mit ihnen ein paar Stunden in den alten Zeiten zu schwelgen.

So etwa Elfi Lasinger-Schulz. „Sie war die Seele der Verwaltung und die lebendige Registratur, es gibt bis heute Vorgänge und Probleme, zu deren Lösung wir sie dringend brauchen“, so Baron von Cramer-Klett zum Wirken seiner ehemaligen Verwaltungsleiterin. Sie fing 1968 beim Cramer-Klett an.

Firmen-Gedächtnis vor Computer-Zeitalter

Auch Elfi Lasinger-Schulz kann noch nicht ganz loslassen von ihrem Arbeitsplatz: Ein paar Stunden kommt sie jede Woche in die „Centralkanzley“ und ist hier hauptsächlich als „das Gedächtnis der Verwaltung“ tätig:. „In der Regel weiß sie sofort, wo sie nachschauen muss, spätestens bei ihrem nächsten Arbeitsbesuch habe ich den Vorgang vollständig auf dem Tisch“, so Baron Cramer-Klett.

Die jüngste der drei Jubilare ist Tine Stauder, die Hauswirtschafterin im großen Haus der Familie Cramer-Klett. „Seit über 30 Jahren gehört Tine zur Familie, sie kam 1987 direkt von der Hauswirtschaftsschule zu uns – und blieb. Eine Hauswirtschafterin kann alles im Haus, tut alles im Haus, ist verantwortlich für alles im Haus und kann vor allem eines: schweigen“.

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