Bad Endorf – Von Aufregung ist bei den Proben zum aktuellen Heiligenstück Hedwig von Andechs der Theatergesellschaft Bad Endorf nichts zu spüren. In Jeans und warmem Pulli, andere im Anorak und Stiefel trudeln die Schaupieler gegen 19.30 Uhr so langsam im Theater ein. „Wir haben heute Halbzeit bei den Proben“, sagt Paula Aiblinger. Die 62-Jährige, seit über 40 Jahren mit dem Endorfer Theater eng verbunden, führt erstmals Regie. Auch das Stück stammt aus ihrer Feder. Nun muss sie es auf der Bühne umsetzen.
„Es passt schon ganz gut“, findet sie und wirkt ganz zufrieden. Immer wieder geht sie von der Bühne nach hinten in den weiten Theaterraum und prüft die Wirkung. Hinsetzen oder doch lieber stehen beim Dialog, Wein einschenken oder erst später? Welche Geste erzielt ganz natürlich den gewünschten Effekt? So feilt Aiblinger an Szenen und versucht, die einzelnen Charaktere des Stücks noch schärfer zu fassen. „Nein, setz dich lieber neben Hedwig und sprich sie direkt an“, sagt sie zu einem der Buben, die mitspielen. „Ja, so. Das wirkt einfach besser.“
„Unsere Paula macht das sehr gut. Wir haben alle volles Vertrauen in sie.“ Hohes Lob bekommt die neue Spielleiterin von Annemarie Ramoser, einem „alten Hasen“, was das Endorfer Theater und die Spielleitung betrifft. Und tatsächlich: Eine Szene nach der anderen wird reibungslos durchgeprobt, fast alle Schauspieler können ihren Text inzwischen einwandfrei, Textbücher sind kaum mehr notwendig. Aiblinger ist souverän, führt die Truppe mit leiser Hand – wirkungsvoll und ohne Hektik.
40 Theaterspieler und 20 Kinder sind diesmal dabei, „eine ganze Menge“, findet Ramoser. „Nett sind die Kleinen, wir haben schon Fünfjährige auf der Bühne“, freut sie sich. Sogar ein kleiner Knirps mit vier Jahren habe mitmachen wollen. „Aber nur, wenn die Mama auch auf der Bühne steht“, hätte er gesagt. Das habe diesmal für den Kleinen nicht geklappt, aber „gerne später“, lacht Annemarie Ramoser.
Auch hinter den Kulissen tut sich jetzt viel: Die „Gwandmäuse“, wie sie im Endorfer Theater liebevoll genannt werden, sind bei der Arbeit. „Umnähen, enger machen, kürzen, anpassen: Die Kostüme bekommen ihren letzten Schliff“, sagt Juliane Hofstetter. Die 65-Jährige ist quasi die Chefin der Gwandmäuse. „Sehr schön, sehr prächtig“, seien sie in diesem Jahr, findet sie. Schließlich spiele das Stück ja in den vornehmen Kreisen des mittelalterlichen Hochadels. Geradezu Wow-Charakter habe in ihren Augen das Brautkleid der Hedwig. Und erst der Gürtel!
Gwandmäuse
unter sich
Zu viert kümmern sie sich um den Fundus des Bad Endorfer Theaters. Seit vielen Jahren pflegen Bettina Baumann (41), Irmgard Murner (84), Gabi Wagner (63) und Juliane Hofstetter (65) die Kleidung, bügeln oder ergänzen sie. Gerade zupft Gabi Wagner am Kopfputz von Ina Siferlinger – sie spielt die Vertraute der Hedwig – und bindet das Tuch neu. „Jetzt passt es“, meint sie zufrieden. Auch hier ist alles im Zeitplan.
Nach Ostern geht es dann richtig los. Noch zwölf Proben, zweimal pro Woche jeweils ungefähr drei Stunden: Dann muss alles passen. „Bisher haben wir die Szenen einzeln und auch querbeet gespielt, nach Ostern werden wir auch wie bei den Aufführungen alle 16 Szenen an einem Stück durchspielen.“ Paula Aiblinger hat den Zeitplan fest im Griff – aber auch die Umsetzung. „Es macht mir großen Spaß, mein Stück auf der Bühne zu entwickeln“, meint die 62-Jährige. Hier ein bisschen bremsen, dort eine Szene etwas ruhiger angehen. „Die Theaterspieler wollen schon Rückmeldung von mir haben. Wir sind im Dialog.“ Richtig gut fühle sich der Respekt der ganzen Truppe an, meint die Regisseurin. Gespannt sind deshalb alle auf die Premiere am Pfingstmontag, 10. Juni.
Karten unter www.theater-endorf.de.