Naturschutz erfordert sensibles Handeln

von Redaktion

Patrick Guderitz, Gebietsbetreuer der Eiszerfallslandschaft im Chiemgau, sieht sich als Schnittstelle zwischen Mensch und Natur

Eggstätt – Patrick Guderitz, seit Herbst vergangenen Jahres als Gebietsbetreuer für den Naturschutz der Eiszerfallslandschaft rund um die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen zuständig, stellte sich in der jüngsten Sitzung des Eggstätter Gemeinderates dem Gremium vor. Gebietsbetreuer gebe es seit knapp 20 Jahren, mittlerweile seien es rund 55 betreute Gebiete, so der gelernte Ökologe einleitend. Träger seien die Landkreise Rosenheim und Traunstein, der Bayerische Naturschutzfonds und der Bezirk Oberbayern. Er sei „Ansprechpartner vor Ort als Schnittstelle zwischen Natur und Mensch“ sowie „Erfasser und Überwacher seltener Tier- und Pflanzenarten,“ und sei für die Öffentlichkeitsarbeit und für die Vermittlung von Wissen und Wertschätzung zuständig. Dazu gehörten zum einen landwirtschaftliche Themen, aber auch die Besucherlenkung in sensiblen Naturräumen. Konkret bedeute Besucherlenkung beispielsweise am Langbürgner See: Erneuerung und Ergänzung der Beschilderung, Wo braucht es welche Informationen?, Planung und Konzeption der Durchführung sowie Präsenz vor Ort. Der gebürtige Schwarzwälder erklärte, dass er sich sehr auf seine Arbeit freue, sei doch die Eggstätt Hemhofer Seenplatte „ein Gebiet von herausragender Schönheit und außerordentlich hohem Wert für den Naturschutz.“ Hier lebten zahlreiche geschützte und seltene Tier- und Pflanzenarten. So seien die Zwerglibelle, die zierlicher Mossjungfer oder das zierliche Wollgras nur hier und vielleicht noch an, zwei anderen Orten in Bayern verbreitet. „Meine Hauptaufgabe wird es sein, mit den Leuten zu reden.“ Viele wüssten schlicht nicht, was im Gebiet erlaubt ist und was nicht und welche Auswirkungen ihr Verhalten mit sich brächte. Je mehr Menschen den hohen Wert dieses außergewöhnlichen Gebiets kennen, desto höher werde auch die Akzeptanz gegenüber Naturschutzmaßnahmen, zeigte sich Guderitz überzeugt. Zweiter Bürgermeister Christian Glas wünschte Guderitz viel Kraft für sein Amt. „Wir sind sicherlich ein guter Partner.“ Auch für Eggstätt seien „Natur und Mensch wertvoll.“ Der Wanderweg rund um den Hartsee sei hier ein Beispiel. Josef Höck begrüßte den Naturschutzgedanken, der hinter dem Amt des Gebietsbetreuers stehe, befand aber, dass es schade sei, wenn plötzlich die traditionellen Waldfeste am Hartsee aufgrund des Naturschutzes nicht mehr erlaubt seien. Thomas Nitzinger schloss sich dem an. Er als Biogärtner begrüße das Monitoring, bitte aber darum, „sensible und unsensible Bereiche und Gebiete richtig einzuschätzen.“ Auch Stefan Fronhöfer stieß ins gleiche Horn: „Wer schützt uns vor dem Naturschutz?“ Patrick Guderitz erklärte, dass es sicher nicht der richtige Weg sei, nur Verbote auszusprechen. Er wolle Verständnis wecken, denn Flora und Fauna brauchen Raum. Gerhard Eder befürwortete „lieber Ge- als Verbote“, die meisten Touristen kämen ja gerade wegen der Naturschönheiten.

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