„Irgendwann gehst einfach in die Knie“

von Redaktion

„Stoabach Buam“ aus dem Inntal beenden Karriere nach 26 Jahren – zumindest ein bisschen

Flintsbach/Brannenburg/Nußdorf/Bad Aibling/Ruhpolding – Der Kern der Truppe, das waren Michael, Peter und Markus. Die drei aus dem Inntal hatten sich schon mit 16 der Musik verschrieben. Sie spielten steirische Harmonika, Trompete, Schlagzeug, Gitarre. Und singen konnten sie auch – boarisch natürlich.

1993 gründeten sie ihre Band „Stoabach Buam“, sechs Mann spielten mit. Jetzt, nach 26 Jahren, gaben sie ihr Abschlusskonzert in der Wendelsteinhalle in Brannenburg. „Da werst wehmütig“, sagt Michael Mayer, einer der Bandmitglieder, die heute zwischen 48 und 50 Jahre alt sind.

Ihre ersten Auftritte noch als Jugendliche waren eher bescheiden, später wurden sie größer, die Jungmusiker machten sich einen Namen. Weitum waren sie schließlich so bekannt, dass sogar die St. Andrews Universität aus Schottland anrief. „Wir sollten im Festzelt zum dortigen Oktoberfest spielen. Das findet aber immer im März statt“, amüsiert sich Michael Mayer, neben Peter Zaggl der „Kopf“ der Band. „Das war super. Eine Bombenstimmung“, so Mayer.

Ende 2017 begann

es zu kriseln

Doch Ende 2017, so erinnert sich der Flintsbacher, hätte sein Freund und Frontmann Peter Zaggl aus Brannenburg „erste Ermüdungserscheinungen“ gezeigt. „Es wurde ihm einfach alles zu viel“, glaubt Mayer. Trachtenvorstand, Familie, KAB, Gästepension und dann noch die Auftritte. „Da gehst du irgendwann in die Knie.“ Bis zu 75 verschiedene Termine pro Jahr, dazu viele musikalische Sonderwünsche bei diversen Hochzeiten, Proben, Auftritte bei Waldfesten, in Bierzelten, täglich spielen auf dem Rosenheimer Herbstfest, außerdem Auftritte in Tunesien, der Türkei und als „absolutes Highlight“ dann seit 15 Jahren jeden März die Schottland-Reise. „Acht Stunden spielen, davon etwa zwei nur Boarisches.“ Das sei irre, einfach toll, aber es schlauche auch mit den Jahren. Der Musiker ist inzwischen 50, sein Freund Peter 48 Jahre alt. Und alle Bandmitglieder sind berufstätig. Doch mit den Auftritten allein sei es ja nicht getan gewesen. Mayer: „Wir sind inzwischen ein Unternehmen mit Steuerberater und richtig vollem Terminkalender.“

Glücklicherweise wohnt Peter in Brannenburg und Michael in Flintsbach, also „im magischen Dreieck“. „Da bin ich schnell mal rüber oder er zu mir, um Termine abzusprechen, Liedfolgen festzulegen oder neues Equipment zu bestellen.“ Am Samstag waren alle Bandmitglieder fix eingeplant, die Familie hatte nicht wirklich etwas von ihnen, nennt er einen weiteren Grund, warum alle Bandmitglieder irgendwann einen Schlussstrich gezogen haben. Aber er will keinesfalls falsch verstanden werden: „Es war eine bärige Zeit, einfach toll. Wir alle sechs Musiker wollen sie nicht missen.“ Und vielleicht gehe es ja irgendwann weiter. Beim letzten Auftritt der „Stoabach Buam“ am 24. März in der Wendelsteinhalle mit tosendem Applaus, mit begeistertem Publikum, mit befreundeten Bands und dem allerletzten Vorhang: „Das war happig. Da werst wehmütig.“ 26 gemeinsame Jahre – einfach vorbei. Natürlich hätten alle Bandmitglieder rumgehorcht und überall angeklopft, ob nicht ein Musiker Zeit und Lust hätte, bei ihnen einzusteigen. „Koa Chance“, so Mayer kurz und knapp. Viele junge, talentierte Musiker wollten sich zeitlich nicht festlegen lassen, und außerdem müsse „die Chemie und das musikalische Können passen“. Das Engagement müsse „vom Bluat rauskommen“.

Aber vielleicht geht es ja doch irgendwie weiter. So ein ganz klitzekleines Fünkchen Hoffnung glimmt offensichtlich noch in seinem Herzen. Denn jetzt stehen erst mal ein paar Hochzeiten an, fürs Herbstfest seien die „Stoabach Buam“ fest gebucht und Schottland, ja Schottland „war halt immer super“. Mayer ist jetzt 15-mal mit dem Tourbus nach St. Andrews gefahren: über Amsterdam, mit der Fähre über Nacht nach Newcastle und dann wieder mit dem Auto nach St. Andrews. „Unterwegs habe ich die Bandkollegen vom Flughafen abgeholt, am Freitagabend sind wir am Ziel angekommen, haben etwas gegessen und am Samstagfrüh ging’s los.“ Soundcheck, dann ab 12 Uhr Blasmusik, Schunkler und – als Höhepunkt – ein Prosit der Gemütlichkeit. „Alle Schotten tragen im Bierzelt übrigens nicht Kilt, sondern Dirndl und Lederhose, echt!“

Wenn die Schotten Lederhosen tragen

Beim ersten Fest seien schon 350 Studenten aus aller Herren Länder dabei gewesen. „Eine echt super Bierzeltstimmung herrschte dort.“ Und so sei es dann jedes Mal gewesen. „Die brauchst du nicht animieren, die stehen sofort auf den Bänken. Stimmung pur, kann ich nur sagen.“ Acht Stunden ist dann Oberkrainer- und Partymusik angesagt. „Einfach griabig“, sagt Michael Mayer, blickt versonnen und flüstert: „Vielleicht geht’s ja doch irgendwie weiter.“

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