Oberaudorf – Zu einer dramatischen Rettungsaktion durch die Bergwacht Oberaudorf-Kiefersfelden kam es in den Tatzelwurm-Wasserfällen des Auerbachs im Gemeindegebiet Oberaudorf. Wie die Einsatzkräfte erst jetzt berichten, ging der Notruf einer Canyoning-Gruppe bei der Integrierten Leitstelle Rosenheim am vergangenen Donnerstag ein. Demnach war zur ersten Person, die sich in den Wasserfall abseilte, plötzlich kein Kontakt mehr möglich – vermutlich war diese blockiert in der Abseil-Strecke innerhalb des fallenden Wassers gefangen. Dem erfahrenen Oberaudorfer Bergwacht-Einsatzleiter war bei der Meldung schnell klar: Wenn ein Schluchtengeher im Wassersturz hängt, zählt jede Minute. Zur Bewältigung des Einsatzes alarmierte er sofort noch die Spezialeinsatzkräfte aus der Bergwacht Canyoning-Gruppe Hochland Ost nach.
Bereits wenige Minuten nach der Alarmierung rückten bereits die ersten Bergretter von Oberaudorf, darunter auch vier Canyoning-Retter, zur Einsatzstelle Richtung Tatzelwurm Waldparkplatz aus. Die ersten Einsatzkräfte konnten bereits nach 15 Minuten die Lage vor Ort erkunden und diese dem Einsatzleiter über Funk mitteilen.
Die drei Schluchtengeher, eine Gruppe Studenten aus München, Venezuela und Frankreich, waren vom Waldparkplatz aus in den wasserführenden Bachlauf des Auerbach eingestiegen um sich darin über die Tatzelwurm-Wasserfälle abzuseilen.
Aufgrund des Schmelzwassers führte der Gebirgsbach eine entsprechend hohe und reißende Wassermenge mit sich. Gleich zu Beginn der zweiten Abseilstrecke verlor die Gruppe den Kontakt zum Vorausgehenden. Sie vermuteten, dass er aufgrund des starken Wasserdrucks innerhalb des Falls blockiert sein könnte. Glücklicherweise gelang es den Schluchtengehern, per Mobiltelefon auf ihre Notsituation aufmerksam zu machen.
Nach Erkundung der Lage war für die zuerst eingetroffenen Bergretter die Situation nun klar. Alle drei Schluchtengeher waren mittlerweile außerhalb des Wasserfalls und unverletzt, konnten sich aber aus eigenen Kräften nicht mehr aus ihrer misslichen Lage befreien. Der Bergwacht-Einsatzleiter entschied sich in Absprache mit den Spezialeinsatzkräften der Bergwacht-Canyon-Rettung für den Aufbau des Dyneema-Seiles, um die drei Blockierten damit seitlich aus der wasserführenden Schlucht zu retten.
Ein Canyoning-Retter wurde dabei zu den hilflosen Personen abgelassen, um diese dann in das Seil des Retters zu übernehmen. Mithilfe eines Flaschenzuges wurden die drei Schluchtengeher, begleitet vom Bergwacht-Canyonretter durch die Einsatzmannschaft nach oben gezogen. Der aufgrund der Erstmeldung zur Sicherheit abgestellte Rettungswagen konnte, nachdem alle drei Schluchtengeher unverletzt gerettet waren, aus dem Einsatz entlassen werden.
Im Einsatz waren 15 Bergwacht-Einsatzkräfte, darunter zehn Bergwacht-Canyoning-Retter, die Polizeistreife der PI-Kiefersfelden sowie ein Rettungswagen.