„Den Schuh muss ich mir anziehen“

von Redaktion

Fällung der Linden am BayWa-Gelände zur Vogelbrutzeit sorgt für Gesprächsstoff

Griesstätt – „Den Schuh mit der Vogelbrutzeit, den muss ich mir anziehen. Das wusste ich nicht“, sagt Robert Aßmus, Bürgermeister von Griesstätt, auch Nachfrage der Wasserburger Zeitung. Hintergrund ist die Fällung der Linden an der Einfahrt zum BayWa-Technikzentrums, die im Gemeinderat diskutiert wurde.

Für die Zukunft habe sich bei ihm eingebrannt, dass die Schutzzeit für brütende Vögel von 1. März bis 30. September dauere – und in dieser Zeit dürfe nichts gefällt werden. „Das war Neuland. Auch ich lerne dazu“, so Aßmus. Dass ihm die Sache nun „derart um die Ohren gehauen wird“, damit müsse er leben, wie er sagt.

Eugen Mayer von der BayWa nimmt auch Stellung. Den Diskussionsverlauf im Gemeinderat kritisierte er, vor allem sei die Fällung keineswegs eine „Nacht- und Nebelaktion“ gewesen, sondern mit der Gemeinde abgestimmt, wie er im Gespräch mit der Redaktion bekräftigt. Um 6 Uhr morgens sei das Verkehrsaufkommen noch gering – da konnten die Baumarbeiten sicher erledigt werden.

Abgestimmt mit der Gemeinde? „Wir haben vor einem halben Jahr mal darüber geratscht, Herr Mayer und ich“, so Aßmus.

Er habe der BayWa signalisiert, dass die Bäume auf Privatgrund stehen, die Gemeinde sich daher nicht einmische, jedoch die Maßnahme samt Ersatzbepflanzung im Gemeindeblatt angekündigt werde. Da das Blattl dieses Mal später erschien, habe das nicht funktioniert.

„Die Gemeinde hat die Vogelbrutzeit selbst übersehen“, so Mayer. Er wolle nun Gras über die Sache wachsen lassen. Dennoch ärgere er sich über die Auswüchse dieser Kontroverse in Griesstätt. „Es geht nur noch um Arten- und Naturschutz, aber keiner redet von Verkehrssicherheit. Die Linden haben an der Ausfahrt des Betriebsgeländes gestört – ein Sicherheitsrisiko für Lastwagen- und Traktorfahrer.

Für dieses Argument hat Bürgermeister Aßmus vollstes Verständnis – war er doch selbst 35 Jahre lang Lkw-Fahrer. „Im Führerhaus sitzt du erhöht, da ist die Sicht durch die Baumkronen bei der Ausfahrt eingeschränkt und es kam schon öfter zu brenzligen Situationen. Ein Autofahrer sitzt weiter unten und hat bessere Sicht – trotz Baum“, sagt das Gemeindeoberhaupt. „Bevor was passiert, ist es mir lieber, dass die Bäume weg sind. Wäre was passiert, hätte man uns wieder vorgeworfen, nichts unternommen zu haben“, so Aßmus. Ja, der Zeitpunkt sei unglücklich gewesen. „Ich entschuldige mich wegen des Vogelschutzes.“

Leider habe er nicht gewusst, dass diese Linden im Zuge der Dorferneuerung in den 90er-Jahren durch den Gartenbauverein gesetzt wurden. Auch der Bauhofleiter sei nicht im Bilde gewesen.

Bei der geplanten Ersatzbepflanzung, den Zierbirnen, handle es sich um schlanke, nicht ausladende Bäume. Zierbirnen stehen auch vor dem Rathaus.

Der örtliche Baumexperte Harald Lorenz habe dazu geraten, die neuen Bäume erst zur kühleren Jahreszeit zu pflanzen, da wieder ein heißer und trockener Sommer bevorstehe – was jungen Bäumen nicht gut bekomme. Lorenz war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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