Fenster für das Überleben des Kiebitzes

von Redaktion

Bayernweites Projekt unterstützt den Vogel während der Brutzeit

Pittenhart – „Kiewit – Kiewit“: Tragen die Bemühungen von Gerd Grundner Früchte, wird der Ruf des mittlerweile in heimischen Gefilden rar gewordenen Kiebitzes bald wieder rund um Fachendorf zu hören sein. Der Betriebsleiter des Katharinenhofs hat auf einem nahegelegenen Acker ein rund 3000 Quadratmeter großes Fenster für den taubengroßen Steppenvogel aus der Familie der Regenpfeifer zur Verfügung gestellt.

Im Beisein von Markus Fröschl, dem Vorsitzenden des Landschaftspflegeverbands (LPV) Traunstein, Luise Antwerpen von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Traunstein und Bürgermeister Sepp Reithmeier markierte Projektbetreuerin Bettina Gschlößl das angebotene Brutgebiet nun, um zu verhindern, dass Nester des Bodenbrüters durch landwirtschaftliche Arbeiten auf der Fläche zerstört werden. „Die Markierung soll für die Maschinenführer gut sichtbar aber für Räuber unauffällig sein und bei der Bewirtschaftung umfahren werden“, sagt Gschlößl, die seit März das Projekt in Traunstein betreut und die Landwirte bei Fragen rund um den Gelegeschutz und die Lebensraumverbesserungen für den Kiebitz berät. Gschlößl will ein ehrenamtliches Betreuer-Netzwerk für Kiebitze schaffen. Bereits im vergangenen Jahr war der Landwirt Gerd Grundner auf das Projekt des Landkreises aufmerksam geworden. Über den freigehaltenen Landschaftskorridor habe sich dann zwar kein Kiebitz, dafür aber eine Feldlerchenfamilie gefreut. „Auch gut“, findet Grundner, der Mitglied im Verband Naturland ist und seinen Weidebetrieb mit 180 Kühen, 160 Hektar Nutzfläche, 60 Hektar Wald und Biogasanlage biologisch bewirtschaftet. Handlungsbedarf sei in jedem Fall gegeben, sagt Bettina Gschlößl. Aufgrund des dramatischen Rückganges der Kiebitze in den heimischen Feldfluren, wurde das landkreisübergreifende Bayern-Netz-Natur-Projekt über die bestehenden Gebiete hinaus in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim und Altötting ins Leben gerufen. Ziel ist es, stabile Kiebitzbestände aufzubauen und damit einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.

Der Schwerpunkt liegt im Aufbau eines Netzwerkes aus ehrenamtlichen Kiebitz-Betreuern. Außerdem sollen natürliche Umgebungen geschaffen werden und erhalten bleiben, in denen der Kiebitz gerne brütet. Ursprüngliche Lebensräume, wie feuchte, spät gemähte Wiesen seien heute meistens entwässert und zu Äckern umgebrochen. Der Bodenbrüter müsse deshalb auf Ackerflächen ausweichen. Der lückenhafte, kurze Bewuchs der Sommerkultur biete eine gute Rundumsicht und einigermaßen gute Bedingungen für den Nachwuchs. Allerdings fielen die unauffälligen Gelege mit meist vier braunen Eiern häufig der frühen Bewirtschaftung dieser Flächen zum Opfer. Die lokale Vogelpopulation soll in sogenannten Kiebitzfenstern geschützt werden, erklärt Luise Antwerpen. In diesen Gebieten werden Gelege gesucht, kartiert, geschützt – und die Landwirte werden beraten. Die Beteiligung der Kommunen und der Landwirte zur Schaffung neuer Lebensräume für den Steppenvogel mit den waghalsigen Flugmanövern sei in den vorangegangenen Jahren weitgehend positiv und kooperativ gewesen, so Gschlößl.

Allerdings sei es künftig wichtig, Ertragseinbußen der Landwirte auszugleichen, die durch den Gelegeschutz entstehen. Und das kostet. Für eine bessere Zusammenarbeit und als Entschädigung des Mehraufwandes wäre aus der Sicht der Verantwortlichen eine Nesterprämie vorteilhaft. Gerd Grundner bezifferte seine Einbußen bei der Sommergerste im vergangenen Jahr auf etwa 16 Doppelzentner. Dafür sei er mit 500 Euro entschädigt worden. Für ihn habe das gepasst.

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