Ich schenk` Dir eine Stunde Zeit

von Redaktion

Quartierskonzept Rohrdorf Neues Projekt soll einsamen Menschen helfen

„Wer zu mir kommen kann? Einfach jeder mit wirklich jedem Anliegen.“ Seit einem Jahr gibt es das Bürgerbüro in der Unteren Dorfstraße in Rohrdorf und Christine Laponder, die es führt, sieht sich voll und ganz im Dienst der Gemeindeeinwohner. Dabei möchte sie aber nicht nur Ansprechpartnerin für alle Fragen, Anliegen und Probleme sein, sie versucht auch selbst immer wieder Projekte anzustoßen, die das Leben in Rohrdorf noch lebenswerter machen.

Das jüngste Vorhaben heißt „Ich schenk` Dir eine Stunde Zeit“ und ist Teil des Quartierskonzeptes der Gemeinde, einem Projekt, das vom Bayerischen Sozialministerium mitgefördert wird. Eines der Ziele solcher Quartierskonzepte ist, auch älteren Menschen eine rundum aktive Teilnahme am Leben der Gemeinden zu ermöglichen. In Rohrdorf zum Beispiel sind von den 6000 Einwohnern rund 20 Prozent, also gut 1200 Menschen, über 65 Jahre alt.

Nicht alle davon führen das Leben einer aktiven und beschwingten Seniorengeneration mit viel Unternehmungsgeist und ebenso vielen sozialen Kontakten. Auch in noch eher ländlich strukturierten Gemeinden wie Rohrdorf, die an sich noch weit von städtischer Anonymität entfernt sind, wächst die Menge derjeniger, die mit zunehmendem Alter immer weniger Ansprechpartner haben. Die Zahl der Menschen, die man kennt, wird weniger und neue Kontakte knüpft man mit zunehmendem Alter immer schwerer, vor allem dann, wenn der eigene Bewegungsradius allmählich abnimmt, ein Prozess, der am Ende tatsächlich in der Vereinsamung münden kann.

Abhilfe, so die Idee von Christine Laponder, könnte da ein Besuchsdienst schaffen. „Wenn junggebliebene ältere Rohrdorfer sich mit anderen, die nicht mehr ganz so fit und aktiv sind, zu einem Ratsch oder kleineren Unternehmungen treffen“, so meint sie, „könnte das ein Gewinn für beide Seiten sein“. Solche Besuchsdienste sind nicht neu, die katholische Kirche hat derlei Konzepte in ihren Gemeinden schon seit Langem und deshalb möchte das Bürgerbüro bei Aufbau und Durchführung des eigenen Vorhabens auch eng mit der Gemeindecaritas in Rosenheim zusammenarbeiten. Hedwig Petzet, die dort solche Projekte begleitet und betreut, weiß aber auch, dass viele von dem kirchlichen Hintergrund abgeschreckt werden. „Nicht wenige, die an sich froh wären, wenn ab und zu jemand auf einen Ratsch bei ihnen vorbeikäme“, so ihre Erfahrung, „haben Vorbehalte, wenn das jemand ist, den, wie sie glauben, der Pfarrer schickt“. Vielleicht auch deswegen, weil in dieser Vorstellung der Besuch vor allem eine Mitleidsveranstaltung wäre, ohne wirkliches Interesse an der eigenen Person.

Genau das soll der Rohrdorfer Besuchsdienst nach dem Willen von Christine Laponder und Hedwig Petzet aber nicht sein. Ihr Ziel wäre eher das einer Art Kontaktbörse. Zwar einer, bei der ein Teil aktiver ist und auf den anderen zugeht, aber doch mit offenem Horizont und durchaus auf der Basis persönlicher Sympathie: „Wir erhoffen uns“, so die beiden, „ja geradezu, dass sich das Ganze sehr individuell entwickelt, vom kleinen Ratsch, kleinen Spaziergängen bis zu gemeinsamen Kurzausflügen“.

Mithelfen kann dabei möglicherweise, dass beim Rohrdorfer Projekt Kirche und Bürgerbüro gemeinsam die Träger sind. „Vielleicht gelingt es dadurch, auch Leute anzusprechen, die sonst nicht zu erreichen wären, das würde das Unterfangen bunter und vielfältiger machen“.

Start für das Projekt, das in der Art der Zusammenarbeit zwischen Caritas und Gemeinde bislang einzig im Landkreis ist, ist am Montag, 13. Mai. Dann findet ab 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses eine erste Veranstaltung statt, in der das Vorhaben auch noch einmal näher vorgestellt wird. Zwei weitere Nachmittage am 20. Mai und 3. Juni werden sich anschließen.

Alle, die sich vorstellen können, am Projekt mitzumachen, sind herzlich eingeladen.

Vorabinformationen dazu gibt’s im Bürgerbüro bei Christine Laponder.

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