Wie Besuchsdienst von denen erlebt wird, die ihn durchführen, haben wir Inge Lechner gefragt, die seit vielen Jahren in der Pfarrei Christkönig in Rosenheim ältere Mitmenschen besucht. Sie weiß: Wer gibt, dem wird gegeben.
Frau Lechner, wie sind Sie zum Besuchsdienst gekommen?
Ganz einfach. Ich war früher Pfarrsekretärin und hab oft erlebt, dass ältere Leute ins Pfarrbüro gekommen sind, die im Grunde gar kein wirkliches Anliegen hatten. Die suchten offenbar in erster Linie jemand, mit dem sie wieder mal ein bisschen ratschen konnten. Seit damals ist mir klar: Da ist ein Bedürfnis vorhanden.
Geht es ums Ratschen, oder sind Sie in erster Linie Kummerkasten?
Natürlich braucht jeder Mensch ab und zu jemand, bei dem er sein Herz ausschütten kann, sonst geht er ein. Aber die Vorstellung, dass ältere Menschen nur jammern wollen, ist falsch. Die wollen sich vor allem mit jemand anderem unterhalten, ganz normal über Gott und die Welt reden.
Besuchsdienst heißt also nicht, dazusitzen und sich immer gleiche Geschichten anzuhören?
Absolut nicht. Es geht ums miteinander Reden und damit hängt‘s ja auch von mir ab, in welcher Richtung die Gespräche laufen und ob sie interessant sind, oder nicht.
Sie machen Ihren Dienst also nicht nur aus Mitleid?
Nein, bestimmt nicht. Natürlich baut es einen selber auf, wenn man weiß, man hat jemand anderem ein bisschen Abwechslung in den Tag gebracht. Wer aber nur deswegen hingeht, ohne ein wirkliches Interesse an anderen Leut‘ zu haben, der ist fehl am Platz. Das merkt dein Gegenüber schnell, ob Du Dich wirklich mit ihm unterhalten willst, oder eigentlich in Gedanken ganz woanders bist. Wenn man sich aber ganz auf das Gespräch mit dem Gegenüber einlässt, hat man auch selber was davon. jt