Stephanskirchen – 9:9 hieß es am Ende. Damit war der Kauf von drei weiteren Wohnungen am Tulpenweg in Schloßberg vom Tisch.
Diese drei Wohnungen hatte sich die Gemeinde reserviert, wollte sie für gut 1,1 Millionen Euro kaufen, um sie an Stephanskirchener mit einem niedrigeren Einkommen zu vermieten (wir berichteten). Vom Freistaat hätte es 30 Prozent Zuschuss gegeben. Über das Geld freut sich nun eine andere Kommune, denn der Gemeinderat lehnte den Kauf in der jüngsten Sitzung mit Stimmengleichheit ab. Neun Mitglieder des Gemeinderates fanden die gut 5680 Euro pro Quadratmeter zu teuer, die nötige Miete pro Quadratmeter zu hoch, wollten lieber andernorts selber bauen oder trauten dem Bauträger nicht.
Im März war die Entscheidung vertagt worden, einigen Ratsmitgliedern fehlten konkrete Zahlen. Die lieferten Kämmerer Philipp Brück und Liegenschaftsfachfrau Beate Göbel nun in der Aprilsitzung. Bei den Berechnungen der beiden Fachleute kristallisierte sich eine Kaltmiete von knapp zehn Euro pro Quadratmeter heraus, dazu eine Rendite von rund einem Prozent. Ohne Wertsteigerung.
Margit Sievi (SPD) hielt fest, dass es ihr lieber sei, die Gemeinde schaffe „bezahlbaren Wohnraum für unsere Bürger, als dass sich hier reiche Münchner einkaufen.“ Ihre Fraktionssprecherin Steffi Panhans fasste es knapp zusammen: „Die Nachfrage ist da, die Zielgruppe ist da, die Förderung kommt und die Mehrheit in den Eigentümergemeinschaften haben wir auch – passt!“
Herbert Bauer (Parteifreie) hingegen sorgt sich, dass die Gemeinde, die am Tulpenweg ohnehin schon 17 Wohnungen zu einem Sonderpreis kaufen wird, für diese Zwei-Zimmer-Wohnungen geeignete Mieter findet, die eine Kaltmiete zwischen neun und zehn Euro – beziehungsweise eine Warmmiete von etwa zwölf Euro – zahlen können und wollen. Beate Göbel teilt diese Bedenken nicht. Über 100 Stephanskirchener haben sich bisher bei der Liegenschaftsverwalterin für die Wohnungen am Tulpenweg beworben, „mit einer großen Bandbreite an Berufen und Einkommen“.
Robert Zehetmaier (Bayernpartei) findet die berechneten Mieten weder günstig noch sozial und will nicht bei einem Bauträger, den er nicht einschätzen kann, ins Blaue hinein kaufen.
Dr.Rolf Jürgen Löffler (CSU) hat sich anscheinend seine Meinung über den Bauträger schon gebildet: „Hier soll Geld verschleudert werden.“ Seine rhetorische Frage, ob der Bauträger die 30 Prozent Zuschuss, die die Gemeinde bekommen könnte, bei den 5680 Euro pro Quadratmeter schon eingepreist hat, blieb unbeantwortet. Zu seiner Frage, wie die Kosten im regionalen Vergleich liegen, erbrachte eine kurze Internet-Recherche das Ergebnis, dass dies der Fall ist, vergleicht man Schloßberg mit Rosenheim, den Chiemseegemeinden oder Wasserburg – allerdings mit der Altstadt, Neubauwohnungen gibt es in Wasserburg derzeit keine.
Bürgermeister Rainer Auer (Parteifreie) ist sicher: „Die Wohnungen werden entstehen und sie werden verkauft und sie werden vermietet. Wir haben die Möglichkeit, Wohnungen bezuschusst zu kaufen – und es rechnet sich für die Gemeinde auch noch. Wenn man die Investition dann ablehnt, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.“
Neun Gemeinderatsmitglieder, weit überwiegend Parteifreie, SPD und Grüne, stimmten für den Wohnungskauf. Neun Gemeinderatsmitglieder, weit überwiegend von der CSU und der Bayernpartei, lehnten den Wohnungskauf ab. Ein Unentschieden gibt es in der Kommunalpolitik nicht. Bei Patt ist der Antrag abgelehnt. Und Rainer Auer versteht die Welt nicht mehr.