Flintsbach/Prien – Eine Frau ist ab sofort verantwortlich für die 50000 Bürger der zwölf Gemeinden im Dienstgebiet der Polizeiinspektion Prien. Polizeihauptkommissarin Karin Walter (46) hat zum 1. Mai die Nachfolge von Dieter Bezold angetreten. Der 60-Jährige baut nach 43 Dienstjahren nun zum Teil jahrealte Überstundenberge und Urlaub ab und wird im September offiziell in Pension gehen. Walter übernimmt sein Amt so lange kommissarisch.
Karin Walter lebt mit Mann (ebenfalls Polizist) und zwei Kindern (zwölf und 18 Jahre) in Flintsbach. Nach dem Abitur am Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium in Rosenheim schlug die gebürtige Münchenerin 1991 die Polizeilaufbahn ein. Über Stationen in Bad Aibling und im Präsidium in Rosenheim, wo sie unter anderem zehn Jahre im Kripo-Dezernat Rauschgift und organisierte Kriminalität tätig war, kam sie nach Brannenburg. Vier Jahre war sie dort stellvertretende Inspektionsleiterin, bevor sie nun nach Prien wechselte.
Nun leitet Karin Walter erstmals eine Polizeiinspektion. Erst einmal nur übergangsweise bis September. Dann entscheidet das Innenministerium, wer endgültig auf Dieter Bezold folgt. „Ich habe mich auf den Posten beworben“, verrät die Interims-Chefin. Den Wechsel aus dem Inntal an den Chiemsee könne sie sich „absolut vorstellen“.
Der scheidende Inspektionschef Dieter Bezold, der aus der Chiemseeregion stammt, war lange verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Polizeipräsidium Oberbayern-Süd in Rosenheim, bevor er vor einigen Jahren auf eigenen Wunsch in seine Heimatregion und -inspektion kam – „an die Basis“, wie er es selbst im kleinen Kreis der Bürgermeister aus den Gemeinden in seinem Inspektionsbereich umschrieb.
Wichtig sei es ihm unter anderem gewesen, den Kontakt zwischen Polizei und Bürgern zu verbessern, eventuelle Vorbehalte und Hemmnisse abzubauen. „Dann traut sich der Bürger auch, mit der Polizei zu reden“, so der 60-Jährige. Dass es ihm gelungen ist, „der Polizei in der Öffentlichkeit wieder ein Gesicht zu geben“, bestätigte Priens Bürgermeister Jürgen Seifert im Namen aller Gemeindeoberhäupter. „Ich höre von vielen, dass sie sich sicher fühlen, weil sie die Polizei wieder sehen.“
Wo Bezold aufhört, will Karin Walter nahtlos weitermachen. „Mir ist die Zusammenarbeit mit den anderen Sicherheitsstellen wichtig“, sagt sie – also mit den Feuerwehren und Rettungsdiensten. Und alles im Zeichen der Sicherheit für die Bürger. Ein paar Tage ist Karin Walter nun in der Priener Dienststelle. Jetzt geht es der Flintsbacherin nach eigener Aussage erst einmal darum, die neuen Kollegen kennenzulernen. Der erste Eindruck? „Sehr gut. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen.“ Es sei zwar immer schwer, von der Heimatdienststelle wegzugehen. „Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung“, sagt die Hauptkommissarin.
Bei seinem letzten Sicherheitsgespräch mit den Bürgermeistern hatte der scheidende Inspektionsleiter auch durchaus kritische Worte zur Personalsituation der PI Prien gefunden. Auf dem Papier hat die Inspektion eine „Sollstärke“ von 49 Beamten. Tatsächlich stehen 44 im Dienst, dazu drei Angestellte und ein Arbeiter. Bisher wurde die PI Prien erst einmal für sechs Monate vertretungsweise von einer Frau geleitet, als der damalige Inspektionschef Rudolf Kick zur Ausbildung von Polizisten in Afghanistan war. Macht es heute noch einen Unterschied, ob eine Frau oder ein Mann an der Spitze einer PI steht? Karin Walter sagt: „Nein ich glaube nicht. Da wird nicht mehr groß unterschieden.“
Für die Zukunft der Inspektion wünscht sich Bezold, dass sie personell zumindest so besetzt bleibt wie jetzt – nicht ohne Hintergedanken: Die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Baby-Boomer-Zeit Anfang der 1960er-Jahre kommen ins Rentenalter. In den nächsten fünf Jahren gehen 14 Priener Beamte in Ruhestand. Schon der bisher letzte Pensionär, der langjährige Verkehrsexperte Anton Schauer, war Ende 2018 nicht durch eine neue Kraft ersetzt worden.
Dabei werden die Belastungen nicht weniger. 2018 musste die Mannschaft der PI Prien fast 4400 Einsätze abarbeiten. Die Inspektion hat im Vergleich mit anderen Polizeidienststellen mindestens drei Besonderheiten: Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau bindet Bezold zufolge einen Beamten komplett für Ermittlungsarbeit und andere immer wieder durch Gefangenentransporte. Insassen müssen nicht nur zu Gerichtsverhandlungen, manchmal sogar zu Botschaften nach Berlin gefahren werden. 120 Gefangenentransporte haben Priener PI-Beamte jeweils zu zweit 2018 selbst betreut, viele andere Transporte begleiteten benachbarte Inspektionen.
„Spezialität“ Wasserschutzpolizei
„Spezialitäten“ der Inspektion in der Marktgemeinde sind die Wasserschutzpolizei mit vier Beamten, zuständig für den Chiemsee mit 6000 zugelassenen Booten und andere Gewässer der Region sowie zwei extra ausgebildete Alpin-Beamte für Einsätze in den Bergen. Das alles obliegt nun der Leitung von Karin Walter – zumindest einmal bis September.