Nachwuchs im Kirchturm

von Redaktion

Turmfalken-Pärchen brütet in Eggstätt – Nest per Webcam immer einsehbar

Eggstätt – Wohnraum in der Region ist begehrt. Auch bei Turmfalken. Wer eine geeignete Brutstätte anbietet, hat gute Chancen, dass sich auch ein Turmfalken-Pärchen dort niederlässt und brütet – so, wie jetzt in Eggstätt geschehen. Nachdem die Gemeinde gemeinsam mit der Kirche und einer Falknerin dort vor zwei Jahren einen Brutplatz im Kirchturm eingerichtet haben, ist nun das erste Mal Nachwuchs unterwegs.

Rund um die Uhr können Interessierte im Internet schauen, was sich im Nest tut. Denn die Gemeinde hat den Brutplatz mit einer Webcam ausgestattet, die 24 Stunden live sendet. „Der Turmfalke ist mittlerweile so etwas wie eine kleine Berühmtheit in Eggstätt geworden“, sagt Julia Stössel von der Gemeinde. „Groß und Klein fiebert mit dem Paar und seiner Familiengründung.“

Turmfalke soll

Tauben vertreiben

Drei Eier kommen derzeit zum Vorschein, wenn sich das Turmfalken-Weibchen ab und zu vom Gelege erhebt und am Ausgang des Nistkastens Platz nimmt. „Wir dürfen wahrscheinlich Anfang Juni die ersten Jungvögel erwarten“, sagt Falknerin Katharina Weinberger aus Eggstätt, die das Projekt fachlich betreut. Vier bis acht Eier lege ein Turmfalken-Weibchen. Zu den drei Eiern aktuell dürften also noch ein paar dazu kommen. Aus einer Brut gehen dann im Schnitt vier bis fünf Jungvögel hervor.

Die Idee, Turmfalken im Kirchturm anzusiedeln, sei im Kirchenvorstand und der Gemeinde gleichermaßen entstanden. Schnell holte man die Falknerin dazu. „Wir haben das umgesetzt und den Nistkasten angebracht“, sagt Katharina Weinberger – mit Unterstützung durch den Hausmeister der Kirche und den gemeindlichen Bauhof. Dabei darf man sich das Nest eines Turmfalken nicht als sonderlich kuscheligen Ort vorstellen. Der Vogel des Jahres 2007 brütet normalerweise in Felsnischen und baut kein eigenes Nest. Die Eier des Eggstätter TurmfalkenPärchens liegen auf den Steinen Nistkasten.

Den Vögeln diesen Platz anzubieten, war nicht ganz uneigennützig. Es gab nach Aussage der Gemeinde ein Problem mit Tauben und deren Hinterlassenschaften, die die Kirche verschmutzten. Da Turmfalken in der unmittelbaren Nähe ihres Nestes keine Nachbarn dulden, erhoffte man sich, dass die Greifvögel die Tauben vertreiben. Das sei gelungen, sagt die Falknerin. Die Tauben haben sich eine neue Bleibe gesucht.

Das erste Mal hätte der Falke die potenzielle Brutstätte im Eggstätter Kirchturm schon im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen, sich aber dann wieder verzogen. Baulärm in der Nachbarschaft habe den Felsbrüter, der auch mal ein verlassenes Krähennest in Beschlag nimmt, wieder vertrieben, sagt die Falknerin. Doch offenbar hatte das Männchen den Ort in guter Erinnerung, ist zurückgekehrt und hat auch erfolgreich eine Partnerin angelockt.

Einen Brutplatz für Turmfalken kann jeder einrichten, der über ein etwas höheres Gebäude verfügt. „Der Kasten sollte möglichst hoch außen oder innen an der Süd- oder Ostseite von Kirchtürmen, Hallen, Lagerhäusern, Scheunen oder ähnlich hohen Gebäuden angebracht werden“, schreibt der Naturschutzbund (Nabu), der auf seiner Internetpräsenz auch eine Bauanleitung für einen Brutkasten anbietet. „Bauern haben früher gerne Nistplätze für Turmfalken angeboten, weil sie Mäuse jagen“, sagt Falknerin Weinberger.

Wenn die Jungtiere in Eggstätt im Juni schlüpfen, kann man sie gleich über die Webcam beobachten. Wer die kleinen Falken mit eigenen Augen sehen möchte, muss sich dann noch einmal rund einen Monat gedulden. Nach 30 Tagen verlassen die Tiere das Nest, sagt Weinberger. Dann werden sie sich erstmals auf den Vorbau des Nistkastens wagen, zusammen mit ihren Eltern auf die Jagd gehen und lernen, sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Die Expertin weiß: „Die Jungtiere werden noch rund einen Monat lang von ihren Eltern gefüttert.“

Dann wird es Zeit für die Jungtiere. Zeit, sich eine eigene Bleibe zu suchen. Denn jeder Vogel habe sein eigenes Revier, sagt Weinberger. „Meistens irgendwo im Umkreis von etwa 100 Kilometern.“ Beim entsprechenden Nahrungsangebot seien die Vögel aber durchaus gesellig und lebten nahe beieinander.

Die Webcam

Hier geht es zur Webcam, mit der das Eggstätter Turmfalken-Pärchen und bald auch dessen Nachwuchs live ins Internet gestreamt werden: www.terra-hd.de/eggstaett.

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