Kiefersfelden – Mit einem spektakulären Hubschraubereinsatz wurden dieser Tage die beiden tragenden Stahlbrückenteile für den Querungssteeg über den Gießenbach passgenau eingefügt. Ein nicht ganz alltäglicher Auftrag für Pilot Thomas Ritzer von „Heli-Tirol“, der mit seinem Flughelfer Robert König sich im Ortsteil Breitenau auf den Einsatz, die beiden Brückenteile auf dem Luftweg zur Gießenbachklamm zu bringen, akribisch vorbereitete. Die Besonderheit in der Aktion lag darin, dass die beiden nahezu zwei Tonnen wiegenden Konstruktionen zentimetergenau in das bereits am Klammüberweg gefertigte Stahlbetonfundament eingepasst werden mussten. Und das in sehr unwegsamem Gelände, wobei die Sicht durch meterhohe Bäume nicht nur für den Helikopter-Piloten teilweise eingeschränkt war. An einem 50 Meter langen Stahlseil wurden zunächst die Stahlträger mit dem Hubschrauber nacheinander zur Baustelle gebracht und dort warteten bereits die Facharbeiter der Firma Koll auf die schwere Fracht. Im Verbund mit dem Geschick des Piloten und letztlich doch geringem händischen Kraftaufwand wurden dann die monumentalen Teile in die Fundamente abgelassen. Sicher wurden sie sodann durch die bereits wartenden Brückenbauer miteinander verbunden und nach etwa einer Stunde war die aufsehenerregende Aktion ohne große Probleme erfolgreich beendet.
Vor Ort und im Einsatz war auch Firmenbesitzer Josef Kroll (Markt Schellenberg), dessen Firma sich auf den Bau von Brücken in unwegsamem Gelände spezialisiert hat. Er war sichtlich mit dem reibungslosen Ablauf zufrieden. „Wir haben seit heute Morgen, 7 Uhr, die Baustelle vorbereitet und dann auf den Hubschrauber gewartet“. Mit seinen vier Fachkräften war dann das Einpassen der beiden schweren Stahlkonstruktionen in die Fundamente schnell und fachmännisch erledigt. Jetzt werden diese mit den restlichen Brückenteilen zusammengebaut und sicher verbunden, sodass schon bald wieder der Rundwanderweg über die Gießenbachklamm in Richtung Schopperalm freigegeben werden dürfte.
Kiefersfeldens Bauamtsleiter Sepp Oberauer war ebenfalls an der Baustelle und zeigte sich „sehr zufrieden“. Insgesamt ein Dreivierteljahr hatte die Planung in Anspruch genommen, nachdem Ende August letzten Jahres die Brücke wegen „massiver konstruktiver Schäden“ sofort gesperrt werden musste. Einen Monat später entschied sich der Kieferer Gemeinderat für die Erneuerung der Brücke, eine Sanierung schied aus wirtschaftlichen Gründen aus. War zunächst eine überdachte Holzbrücke über den Gießenbach favorisiert worden, setzte sich dann aber doch die Variante mit der „Stahlfachwerkbrücke“ durch, die vor allem den bekannten klimatischen Bedingungen Rechnung, wie bedenklich hohe Luftfeuchtigkeit und wenig Tageslicht und Sonne, trägt. In diesem „witterungsbedingten Gemisch“ würde höchstwahrscheinlich die ursprünglich geplante Holzkonstruktion schnell verwittern und damit auch wieder zu einer potenziellen Gefahrenstelle werden. „Mit der filigranen Stahlkonstruktion sind wir jetzt aber auf der sicheren Seite“, so abschließend der Bauamtsleiter, obwohl sie mit geschätzten 80000 Euro nur für die reine Baukonstruktion nicht ganz billig war.
Für den Heli-Piloten Thomas Ritzer und seine Helfer war aber noch nicht Feierabend an diesem sonnigen Morgen. Vor Ort mussten noch mehrere schwere Baumstämme und teils gigantisches Wurzelwerk aus dem unwegsamen Gelände entfernt werden. Die letzten Stürme und der vergangene Winter mit dem massiven Schneefall hatten in der Gegend für enormen Holzbruch gesorgt, der jetzt mithilfe des Hubschraubereinsatzes zumindest teilweise beseitigt werden konnte.