Klinik-Neubau: Blicke hinter die Kulissen

von Redaktion

Neurologie und Orthopäde sind nun nicht mehr durch eine Straße und mehrere 100 Meter getrennt: In der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen sind die beiden Fachzentren seit Kurzem unter einem Dach vereint – und wurden jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bad Aibling – Die Wellen, die das „Wunder von Bad Aibling“ um eine nach 27 Jahren in der Neurologischen Klinik aus dem Wachkoma erwachte Patientin (wir berichteten) jüngst in der Öffentlichkeit schlug, erreichten die Klinik genau in der Umzugsphase von Harthausen in den Neu- beziehungsweise Erweiterungsbau an der Kolbermoorer Straße.

„Durch die weltweite mediale Aufmerksamkeit waren unser Chefarzt Dr. Friedemann Müller und sein Team noch zusätzlich beschäftigt“, erklärte Dieter Schön, Vorsitzender des Verwaltungsrates und Inhaber der größten familiengeführten Klinikgruppe Deutschlands, vor einer großen Schar geladener Gäste im Foyer der Klinik.

Doch habe man den Umzug, der gerade auch im Bereich der Intensivmedizin enorm aufwendig und mit viel Sensibilität vonstatten ging, dank des enormen Engagements der Mitarbeiter sowie der Helfer des BRK sehr gut bewältigt.

Schön ging auf die Historie der Klinik Harthausen seit 1929 und der Klinik Bad Aibling seit 1994 ein. Er betonte: „Das Zusammenlegen von Neurologie und Orthopädie an einem Standort, in einem modernen, nachhaltigen Gebäude mit medizinischer Spitzentechnologie und mitarbeiterfreundlichen Arbeitsplätzen ist die sinnvollste Investition für unser Unternehmen und die Region.“

Bürgermeister Felix Schwaller erklärte, die Schön Kliniken hätten mit ihren Erweiterungsplänen in der Stadt Bad Aibling stets offene Türen eingerannt und seien an diesem Gesundheitstandort hoch willkommen. Sie werteten das Image der Stadt auf – „erst recht, wenn ein Wunder wirkt. Aber auch von der Führung her passt alles hervorragend.“

Zugleich bat er die Verantwortlichen mit Blick auf das Harthauser Areal, das nach Abriss des Klinikgebäudes neu bebaut werden soll, auch bezahlbaren Wohnraum für die Mitarbeiter zu schaffen.

„Das Warten hat sich gelohnt“, befand Peter Lechner, Leiter des Referats Krankenhausfinanzierung und Krankenhausförderung im bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Der Freistaat habe die Pläne von Anfang an positiv begleitet – in ideeller und monetärer Hinsicht. „So kamen knapp 20 Millionen Euro an Fördergeldern zusammen.“ Lechner bescheinigte dem Aiblinger Projekt Modellcharakter und überbrachte die Glückwünsche der Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Bei einer von geschäftsführender Direktorin Dr. Kerstin Eisenbeiss moderierten Expertenrunde verdeutlichte Dr. Volker Huge, Chefarzt Intensivmedizin, mit dem Chefarzt für Neurologie, Professor Klaus Jahn, die Vorteile der neuen Klinik für Notfallpatienten: Vom Eintreffen des Rettungswagens bis zur Versorgung des Patienten vergehen nur noch wenige Minuten. So lägen im Neubau alle für die Erstversorgung von Schlaganfallpatienten notwendigen Strukturen nur wenige Meter auseinander: Aufnahmeraum, Computertomografie, Überwachungsplätze und OP, verdeutlichte Prof. Jahn.

Die Zimmer der von 30 auf 45 Betten erweiterten neurologischen Intensivstation bringen weitere Fortschritte, so Dr. Huge: Die intensivmedizinisch notwendige Apparatur inklusive Schläuchen und Monitoren verschwinden aus der Sicht des Patienten, denn sie befinden sich hinter ihm. „Wenn der Patient erwacht, sieht er ein schönes Zimmer mit Blick in die Natur, während wir hochprofessionell arbeiten können.“

Die orthopädischen Chefärzte Prof. Vladimir Martinek und Dr. Sebastian Altenberger stellten aus ihrer Sicht die Vorteile des Erweiterungsbaus dar: „Praxisräume, Medizinisches Versorgungszentrum und Operationssäle erleichtern es, den Patienten auf allen Stationen seiner Therapie zu begleiten.“

Wenn konservative Maßnahmen bei Hüft- und Kniegelenken keine Linderung mehr brächten, zögen Ärzte Kollegen des Endoprothetik-Zentrums hinzu. Dr. Altenberger ergänzte: „Zwischen neurologischen und orthopädischen Erkrankungen gerade an den Füßen gibt es viele Wechselbeziehungen.“

Beim Rundgang durch den Klinikneubau mit einem Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro erhielten die Gäste Einblicke in vier hochmoderne OP-Säle, vier akutmedizinische Stationen sowie die Intensivstation. Beeindruckt zeigten sich die Besucher neben der medizinisch-technischen Ausstattung auch von der Architektur der neuen neurologisch-orthopädischen Fachklinik.

„Sie integriert ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept und zeichnet sich durch eine besondere Heilungsförderung aus“, erklärte Klinikleiterin Daniela Cleven.

„Freundliche Farbgestaltung und helles Holz wirken stressmindernd und heilungsfördernd. Tageslicht und freier Ausblick in die Natur kommen Patienten und Mitarbeitern gleichermaßen zugute“, betonte Cleven.

Landrat Berthaler: Gast und Patient

Er kennt beide Seiten der Medaille: Als Landrat wohnte Wolfgang Berthaler (links) der Eröffnungsfeier bei – es war sozusagen der erste offizielle Amtsauftritt seit seinem schweren Sturz im Juli 2018. Derzeit ist er Patient in der Schön Klinik und arbeitet in der Reha an seiner Rückkehr in den „normalen Alltag“. Er bezeichnete den Neubau „auch aus Patientensicht als sehr gelungen“ und lobte vor allem das Klinikpersonal für dessen hervorragende Arbeit.

Breites Spektrum unter einem Dach

Das Spektrum der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen reicht von der Diagnostik über Intensivmedizin sowie konservative und operative Akutmedizin bis hin zur Rehabilitation. Mit dem Anfang Mai in Betrieb genommenen Neubau verfügt die Fachklinik über 441 Betten und behandelt mit ihren 1200 Mitarbeitern rund 10700 stationäre und ambulante Patienten pro Jahr.

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