Aschau – Die Argumentation der Bürgerinitiative (BI) noch einmal zusammengefasst hören und sich über die Auswirkungen des Bürgerbegehrens vom Oktober 2018 auf die aktuelle Gemeindepolitik zu informieren, dazu kamen rund 100 Aschauer ins Chalet.
Kratzer hatte akribisch alle bisherigen Planungen und alle Schritte zu ihrer Verwirklichung aufgelistet, angefangen von der ersten Planung des Architekturbüros Wolf 2016 bis zum letzten bekannten Entwurf vom Dezember 2018. „Seit Beginn der Sporthallenplanung im Mai 2016 wurden fünf Planentwürfe von zwei verschiedenen Architekten gefertigt. Dafür sind – laut Haushalt – bis zum 31. Dezember 2018 Planungskosten in Höhe von 316335,40 Euro bezahlt worden“.
Kratzer untersuchte die Planungsentwürfe genau und hielt fest, dass das „Projekt Sporthalle“ an der Missachtung einer sinnvollen Reihenfolge kranke: „Das Wichtigste bei diesen finanziell größten Bauvorhaben in der Geschichte von Aschau wäre gewesen, dass man von Anfang an Baurecht geschaffen hätte. Bisher gibt es noch nicht einmal einen rechtskräftigen Bebauungsplan für die Sporthalle“. Diese Genehmigung sei das A und O des Abrisses des bestehenden Gebäudes und des Baus einer neuen Halle.
Ganz besonders kreidete Kratzer dem Bürgermeister und seinem Stellvertreter Max Pfaffinger das Fällen des Baumbestandes zum letztmöglichen Termin am vorgesehenen Bauplatz an (wir berichteten).
Kratzer beklagte die fehlende Information der Bürgerinitiative und von Teilen des Gemeinderates durch den Bürgermeister: Nach dem 14.Oktober habe sich Bürgermeister Peter Solnar zu keinem Zeitpunkt mit den Vertretern der BI an einen Tisch gesetzt, um deren Vorschläge zumindest anzuhören und vielleicht auf einen Konsens zu kommen. Die BI habe umfangreiche Unterlagen ausgearbeitet, wurde jedoch niemals gehört, so Kratzer.
Planunterlagen der letzten Hallenvariante vom Dezember 2018 seien wohl „unter Verschluss“. Weder in der Bauabteilung der Gemeinde, noch bei der Originalniederschrift über die öffentliche Gemeinderatssitzung seien diese Pläne einsehbar.
Die ursprünglich als Jugendraum, als Umkleidekabinen und als Vereinsheim bezeichneten Räume, die nach dem Bürgerentscheid entfallen sollten, wurden umbenannt in „Räumlichkeiten für sportliche Zwecke“. Die Integration eines Jugendraumes und des Vereinsheims für den WSV Aschau in den Sporthallenbau lehnte Kratzer ab. Hier sollten die bestehenden Gebäude im Bereich der Halle genutzt und gegebenenfalls ausgebaut werden.
„Wir fordern nach wie vor, entsprechend dem Bürgerentscheid, den Bau einer rein funktionalen 2,5-fach-Sporthalle, mit einem Grundriss von 46 Metern mal 38 Metern. Nach der Kostenberechnung aus dem Jahre 2017 ergeben sich dabei Baukosten in Höhe von knapp 5,1 Millionen Euro. Jede andere Entscheidung verstößt gegen den Bürgerentscheid“. Abschließend wies Kratzer darauf hin, dass die Bindungswirkung des Bürgerentscheides im Oktober beendet sei, dann „wird der Bürgermeister wohl machen, was er will“.
Durch die Vielzahl der Informationen und Zahlen in anderthalb Stunden Vortrag waren die Zuhörer erschlagen, so kamen in der angekündigten Aussprache auch nur wenige Fragen und Meinungen aufs Tapet. Gemeinderat Ludwig Moosmüller (ABL) fragte an, ob er „als einer der bösen Gemeinderäte“ überhaupt sprechen dürfe. Viele der Argumente Kratzers seien mittlerweile durch ergänzende Gemeinderatsbeschlüsse geändert und „geheilt“, führte er an, jetzt gelte es vor allem, zum Bauen zu kommen. „Wir sind nicht gegen den Bürgerentscheid, aber der Zerfall von Aschau in zwei Lager gefällt mir nicht, ich verstehe nicht, wieso man sich hier nicht endlich einmal zusammensetzen und verständigen kann. Es wurde genug gestritten, hören wir auf mit dieser Art von Umgang miteinander. Ich will wieder einen sauberen und fairen Umgang aller“. Der SPD-Ortsvorsitzende Lutz Königs stieß in das gleiche Horn: „Wir haben hier und heute eine Schilderung der Vergangenheit erhalten, aber wir müssen endlich den Neubeginn wagen und unbedingt eine weitere Spaltung der Gemeinde verhindern“. Peter Fischer, ständiger Besucher der Gemeinderatssitzungen, wollte wissen, wo denn die Baupläne der BI gewesen seien, er habe sie nie und nirgends gesehen.