Vermächtnis eines Menschenfreundes

von Redaktion

Viele der Gäste wären am liebsten gleich selber eingezogen: In Schechen wurde die Seniorenwohnanlage der Modest- Mitterhuber-Stiftung feierlich eingeweiht.

Schechen – Was im Herzen der Gemeinde in der Marienberger Straße entstanden ist, kann sich wirklich sehen lassen: Holzfassaden und große Fensterfronten schaffen eine helle und warme Atmosphäre. Die Außenbereiche grün und voller Blumen. Bänke und Freiräume laden zum Verweilen ein. Die Bewohner haben sich bereits gemütlich eingerichtet, mit Sonnenschirmen auf den Balkonen und hübschen Dekorationen an ihren Wohnungseingängen. Für sie, aber auch für ganz Schechen war die Einweihung der Anlage ein Freudentag. Bürgermeister Hans Holzmeier konnte dazu zahlreiche Ehrengäste begrüßen: Neben der Regierungspräsidentin Maria Els waren auch Vertreter der Regierung von Oberbayern, der Architekturbüros und Handwerksfirmen gekommen, interessierte Schechener sowieso.

Wohnprojekt passt perfekt in die Zeit

„Was lange währt, wird endlich gut“, richtete sich Bürgermeister Holzmeier zu Beginn des offiziellen Teils mit einem Sprichwort an die Gäste. Im Fall des Seniorenwohnens sei es sogar sehr gut geworden. Wohnungsnot, Mietkosten und der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben im Alter seien die Themen der heutigen Zeit. „Genau diesen Forderungen werden wir mit unserem Wohnprojekt gerecht“, so der Bürgermeister.

Insgesamt sind 16 Wohnungen entstanden, elf Zweizimmer- und fünf Dreizimmereinheiten jeweils mit Loggien oder Terrassen. Die gesamte Anlage ist barrierefrei und behindertengerecht gestaltet. Ein Gemeinschaftshaus mit Saal und Begegnungsraum und einem Seniorenbüro ergänzen das Konzept. Dazu kommen Parkplätze, Kellerabteile, ein Fahrradraum und ein Waschraum. Ein Blockheizkraftwerk im Keller wird mit Erdgas betrieben und versorgt die Anlage, aber auch einige Wohnhäuser der Gemeinde sowie das neue Seniorenheim am Bahnhof mit Wärme. Das Besondere an dem Konzept: Es ist kein klassisches „Betreutes Wohnen“. Zusatzbeiträge für Betreuung oder ein Hausnotruf sind also nicht zwingend. Rat und die Vermittlung von Hilfe gibt es aber über das ehrenamtlich betriebene Seniorenbüro. Das Interesse an den Wohnungen ist groß, wie Bürgermeister Holzmeier berichtete. Alle Wohnungen sind vergeben, es gibt eine Warteliste. 15 Einzelpersonen, ein Ehepaar, eine Rollstuhlfahrerin und ein anerkannter Asylbewerber im Rentenalter sind bereits eingezogen.

Warteliste für

die Wohnungen

„Bei der Wohnungsvergabe schauen wir auf einen guten Mix von Mietern mit höheren und niedrigeren Renten“, so der Bürgermeister. Bewerber aus der Gemeinde oder deren Eltern haben Vorrang.

Möglich wurde das Projekt durch ein großes Geschenk: Der bereits verstorbene Schechener Bürger Modest Mitterhuber, ein „Menschenfreund“, wie er von Angehörigen beschrieben wird, vermachte der Gemeinde das 4000 Quadratmeter große Grundstück. Über eine Stiftung wurde der Kommune Erbbaurecht eingeräumt. Nach einem Architektenwettbewerb, den das Büro Deppisch aus Freising gewonnen hatte, war Ende März 2017 Spatenstich. Mit rund 4,4 Millionen Euro ist es das größte Hochbauprojekt, das Schechen je realisiert hat. 1,3 Millionen Euro Zuschuss und einen zinslosen Kredit über 1,5 Millionen Euro gab es vom Freistaat, weitere 33000 Euro von der Sparkassenstiftung Zukunft des Landkreises für den Innenausbau sowie 36000 Euro vom Zentrum Bayern Familie und Soziales für eine Demenzgruppe.

„Hier ist etwas Großes gelungen“, lobte auch Regierungspräsidentin Els das Projekt. Sie betonte, dass Wohnen kein Luxusgut sein dürfe. Bezahlbarer Wohnraum sei vielmehr elementar. In Zeiten des demografischen Wandels sei es wichtig, Wohnformen für das Alter anzubieten, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichten. Durch die Gemeinschaftsräume werde auch der Dorfgeist in die Anlage geholt.

Architekt Michael Deppisch thematisierte die ressourcenschonende Bauweise. 500 Kubikmeter Fichtenholz wurden verbaut – diese Menge wachse in zwei bis drei Minuten in den Wäldern nach und speichere über 500 Tonnen CO2. Er überreichte einen symbolischen Holzschlüssel für das Projekt, dem er das Motto „Alt werden und gemeinsam jung bleiben“ gegeben hat. Der Künstler Emmanuel Heringer, der das Werk am Eingang der Anlage geschaffen hat, erklärte dessen Bedeutung. Das Objekt „Blickwinkel“ bündele die Blickachsen und leite sie nach außen – ein Symbol für das Kommen und Gehen in der Anlage.

Altern in Würde

ist hier möglich

Pfarrer Herbert Holzner segnete den Bau, seine Bewohner und alle, die sich dort treffen. „Der freundliche Geist der Nächstenliebe soll hier spürbar sein“, wünschte er. Vikarin Anna Ammon betonte die Wichtigkeit, das Alter als eigenen Lebensabschnitt zu berücksichtigen. „Auch am Ende des Lebens braucht es menschlich gestaltete Rahmenbedingungen“, sagte sie. Einrichtungen wie diese seien wichtig für ein Altern in Würde. Bei einem Rundgang über das Gelände konnten die Gäste anschließend die Anlage bestaunen. Dabei enthüllte Bürgermeister Holzmeier noch eine kleine Überraschung: Der Fußweg zwischen Seniorenwohnen und Gemeindezentrum trägt nun den Namen „Modest-Mitterhuber-Weg“. Beim anschließenden Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen erlebten die Seniorenwohnanlagen ihren ersten Tag voller Geselligkeit mitten im Gemeindegeschehen.

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