Nach den Sternen greifen

von Redaktion

Erster Deutscher im All: Dr. Sigmund Jähn zu Gast im Gymnasium Raubling

Raubling – 125-mal umkreiste er als erster Deutscher die Erde. Als Höhepunkt der Frühjahrsbuchwochen im Gymnasium Raubling war a der Kosmonaut Dr. Sigmund Jähn zu Gast.

Unter dem diesjährigen Projektmotto ‚nach den Sternen greifen‘ stellte die Kinderbuchautorin Maja Nielsen ihr aktuelles Buch ‚Kosmonauten‘ vor, das sie zusammen mit Jähn schrieb.

Den feierlichen Rahmen gaben dem Abend die Zwillinge Andreas und Katharina aus der 5a mit virtuosem Geigen- und Klavierspiel und Stücken von Dancla und Hindemith. Die Begrüßung des ersten Deutschen im All durch Schulleiter Dr. Armin Stadler wurde gefolgt durch ein Grußwort des Raublinger Bürgermeisters Olaf Kalsberger, der es sich nicht nehmen ließ, um einen Eintrag ins goldene Buch der Gemeinde Raubling zu bitten.

Im Schleudersitz

aus Jagdflieger

Humorvoll schilderte Jähn in Anlehnung an die Bilder seinen Werdegang. Geboren 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz, absolvierte er nach der Schule eine Lehre als Buchdrucker und begann 1955 eine Offizierskarriere bei den DDR Luftstreitkräften.

Als Pilot beim NVA-Jagdgeschwader hatte er ein wichtiges Erlebnis, das bewies, dass er in kritischen Situationen die Nerven bewahren konnte: Beim Absturz eines Jagdflugzeugs hat er sich kurz vor der Explosion herauskatapultiert, was ihm das Leben rettete. Beim Kosmonautencasting fiel die Wahl auf ihn, da sein Körper mit der Schwerelosigkeit besonders gut zurecht kam – was er zum Beispiel beim Test in der Zentrifuge mit Belastungen bis zu achtfacher G-Kraft unter Beweis stellte. Nach zweijähriger Ausbildung im ‚Sternenstädtchen‘ – auch heute noch Ausbildungszentrum für Kosmonauten – am 26. August 1978, wurde Sigmund Jähn an Bord der Sojus 31-Rakete ins All geschossen.

Nach einer Woche auf der Raumstation Soljut 6 mit unzähligen wissenschaftlichen Experimenten folgte bei der Rückkehr zur Erde eine unsanfte Landung, da der Fallschirm an der Kapsel von starken Windböen erfasst wurde und einige hundert Meter über die Erde schleifte.

Nach einer Karriere bei der NVA und der Promotion zur Fernerkundung der Erde war der Kosmonaut nach der Wende in beratender Tätigkeit bei der ESA tätig.

Alexander Gerst der, wie sein Mentor Sigmund Jähn, das Sandmännchen als Maskottchen mit im Weltall dabei hatte, legte großen Wert auf die Anwesenheit Jähns in Baikonur bei beiden Starts in den Weltraum. Nachdenklich macht den Zuhörer, dass kaum jemand, der ‚im Westen‘ aufgewachsen ist, vorher von ihm gehört hat.

Jähns Leistung wurde in der damaligen BRD „totgeschwiegen“ – während er in der sogenannten DDR als Volksheld verehrt wurde. Befragt zu den prägenden Erlebnissen betonte Jähn, dass er Sonnenaufgänge besonders beeindruckend fand, ebenso Polarlichter: „Wie grünes Feuer, das brennt. Das sind Momente, in denen man denkt, die Welt ist nicht mehr richtig in Ordnung, aber die macht das schon seit Millionen von Jahren.“

Das Schlusswort Jähns galt der Erde: „Die wichtigste Aufgabe der Menschen ist, diese für die zukünftigen Generationen zu behüten und zu bewahren.“

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