Kiefersfelden – Für einen Sturm der Empörung sorgen die Pläne der österreichischen ASFINAG, die Lärmschutzwand entlang der Autobahn A8 Richtung Kiefersfelden nur zwei Meter hoch zu bauen. Zum Vergleich: Richtung Tirol sind Schallschutzwände in Höhe von über fünf Meter geplant. Bürgermeister Hajo Gruber: „Das akzeptieren wir so nicht!“
Die Geschichte hätte nicht besser geschrieben werden können: Auf der österreichischen Inntal Autobahn A 12, der direkten Verlängerung der Bundesautobahn A 93 auf deutscher Seite, sind die Lärm-/Schallschutzarbeiten von Kufstein in Richtung Norden bis Ebbs jüngst durch die zuständige ASFINAG festgelegt worden. Die Maßnahmen, hauptsächlich in Form von Schallschutzwänden, werden in dem Bereich nördlich von Kufstein bis nach Ebbs („Untere Schranne“) bis in eine Höhe von voraussichtlich 5,5 Metern reichen, während in Richtung der vom Lärm betroffenen Gemeinde Kiefersfelden nur zwei Meter Maximalhöhe angedacht sind.
Das möchte die bayerische Kommune aber so auf keinen Fall hinnehmen und so plant sie für die Bürger, die in dem Gebiet (Unterkiefer) wohnen, eine Erhöhung der Schutzwand um mindestens einen auf dann drei Meter durch die auf Tiroler Seite maßgebende Bundesgesellschaft ASFINAG vornehmen lassen, „zum Schutz gegen die Geisel des Inntal, den Lärm von der Autobahn“, wie dies der Kieferer Bürgermeister Hajo Gruber trefflich formulierte. Und jetzt kommt das Besondere – das betreffende Gebiet ist auf österreichischer Seite, aber die deutsche Gemeinde muss die Kosten tragen, weil die Österreicher nicht bereit sind, über die gesetzlich festgelegte Mindesthöhe von zwei Metern hinauszugehen, da die Grenzwerte erfüllt seien und diese Maßnahme ja ausschließlich nur den deutschen Nachbarn zugutekommen würde. Für den Bürgermeister eine Argumentation, der er so jedoch nicht folgen will, „denn jeder Meter bringt uns Lärmschutz, letztlich auch für die Tiroler Nachbarn“.
Über Planung und erste Debatten hatte der Rathauschef seine Ratskollegen bereits in der jüngsten Gemeinderatssitzung informiert.
Deren teilweise Überraschung und auch Verwunderung war geradezu beispielhaft für das Projekt, über das der Kieferer Bürgermeister auch schon im Vorfeld mit Vertretern der ASFINAG ein informatives Gespräch geführt hatte. Danach konnte er auch mit Zahlen aufwarten. Die Erhöhung des etwa 400 Meter langen Teilstücks der Autobahn um einen Meter würde sich auf rund 140000 Euro belaufen, die durch die Gemeinde zu schultern wären, eine Beteiligung der Österreicher wurde von diesen kategorisch ausgeschlossen.
Mit der Erhöhung erhoffen sich die Kieferer eine deutliche Verminderung des „Grundgeräusches“, das von der Inntalautobahn in die „Unterkiefer“ kommt.
Und wenn der Wind ungünstig steht, werden die Geräusche noch deutlich hörbarer in das Gebiet transportiert.
Die Gemeinde wird auf jeden Fall die von der zuständigen österreichischen Seite geplante Lärmschutzwand „so nicht akzeptieren“, ist sich der Bürgermeister sicher.
Auch wenn es viel Geld kosten dürfte, „das Wohl unserer Bürger steht an erster Stelle“. Zwar liegen bereits erste Lärmschutzberechnungen für das betroffene Areal vor, die aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Letztlich sieht der Rathauschef auch die deutsche/bayerische Politik in Zugzwang.
In absehbarer Zeit wird sich die Gemeinde an die auf deutscher Seite zuständige Autobahndirektion München wenden und die Kostenübernahme für die notwendige Lärmschutzmaßnahme beantragen. Zeitgleich will man auch sowohl die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig als auch den CSU-Landtagsabgeordneten Otto Lederer über den aktuellen Sachstand informieren und um deren Fürsprache bitten.
Bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 26. Juni soll dann zudem noch ein Vertreter der ASFINAG das geplante Vorhaben den Ratsmitgliedern vorstellen und auch zu den aktuell kursierenden Zahlen Stellung nehmen.