4,5 Millionen für die Schulkinder

von Redaktion

Gemeinde Stephanskirchen Otfried-Preußler-Schule platzt aus allen Nähten

Stephanskirchen – Die Otfried-Preußler-Schule (OPS) ist zu klein: Es fehlen vier Klassenzimmer für eine dann dreizügige Grundschule, die dazugehörigen Nebenräume inklusive Sanitäranlagen, die Mittagsbetreuung platzt aus allen Nähten und in der Mensa ist akuter Platzmangel. Sowohl im Bau- als auch im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde war die OPS in den letzten Tagen deshalb Thema.

Im Bauausschuss ging es um ein Planungskonzept, das Architekt Richard Kröff im Auftrag des Gemeinderates nach einer Besichtigungstour erstellte. Mit einer wesentlichen Vorgabe: kein weiteres Gebäude. Kröff sollte, so weit als möglich, den Bestand nutzen beziehungsweise diesen erweitern.

Alter Ostflügel weg, neuer Ostflügel her

Der Architekt wurde im Ostflügel des Grundschultraktes fündig: Der wird im Erdgeschoss so gut wie nicht genutzt, dient als Rumpelkammer und hat völlig veraltete Sanitäranlagen. In Abstimmung mit Gemeinde und Schulleitung erarbeitete Kröff eine Machbarkeitsstudie für einen zweigeschossigen Ersatzbau, in dem die Klassenzimmer und die nötigen Nebenräume untergebracht werden.

Die Mittagsbetreuung kann im Gebäude um 66 Quadratmeter erweitert werden. Für die Mensa entwarf Kröff einen Anbau, der die Fläche fürs Essen verdoppeln würde.

Eine erste Kostenschätzung des Architekturbüros, überprüft vom Bauamt, kam auf Gesamtkosten von knapp 4,5 Millionen Euro – ohne Container, die zeitweilig als Klassenzimmer gebraucht würden. 4,5 Millionen Euro Gesamtkosten bedeuten aber ein Architektenhonorar, das über dem Grenzwert für die direkte Auftragsvergabe liegt.

Was heißt: Die Gemeinde Stephanskirchen muss, ob sie will oder nicht, ein Vergabeverfahren für die Architektenleistung durchführen. Erst nachdem dessen Ergebnis feststeht, kann der erfolgreich daraus hervorgegangene Architekt – der nicht zwingend Richard Kröff heißen muss – weiterplanen.

Um das Vergabeverfahren soll sich die Kanzlei Roithmaier kümmern. Mit der arbeite die Gemeinde gut zusammen, so Bürgermeister Rainer Auer. Drei bis fünf Monate wird das Verfahren dauern. An einen Baubeginn ist bestenfalls im nächsten Frühjahr zu denken.

Gemeinderäte wünschen Ortstermin

Herbert Bauer (Parteifreie Bürger) hätte sich einen Ortstermin gewünscht, bei dem Kröff erklärte, was er warum und wie plant, „dann kann man sich Aussehen, Notwendigkeit und das alles besser vorstellen.“ Das sahen die anderen Ausschussmitglieder genauso. Und da sie sich von den 4,5 Millionen Euro offensichtlich etwas erschlagen fühlten, fasste der Bauausschuss keinen Beschluss, es gibt erst einmal einen Ortstermin.

Dabei können sich die Räte dann von der Notwendigkeit zum Ausbau der Mittagsbetreuung überzeugen. Bis zu 70 Kinder werden gleichzeitig in der OPS betreut und der Bedarf wird steigen. Der Haupt- und Finanzausschuss legte jetzt neben 15.30 Uhr und ab 16 Uhr eine weitere Abholzeit fest, nämlich 14 Uhr. „Gute Idee“ fand Janna Miller (Die Grünen), denn das gebe halbtags arbeitenden Eltern Spielraum und trotzdem sei viel gemeinsame Zeit am Nachmittag. Und die „Kurzzeit“, für die Bedarf bei den Mitarbeiterinnen angemeldet wurde, schafft Luft, wirkt der Überbelegung entgegen. Denn das Wetter lässt es nun mal nicht immer zu, dass das Freizeitangebot vorwiegend an der frischen Luft stattfindet.

Auch um die Finanzen der Mittagsbetreuung an beiden Grundschulen der Gemeinde ging es. Aktuell geht‘s „em ummi“. Da Kämmerer Philipp Brück die Gefahr eines Defizits sah, berechnete er – im Auftrag des Gemeinderates – neue Gebühren. Die wären unwesentlich höher, um maximal sechs Euro die Woche. Allein: Da spielten die Damen im Haupt- und Finanzausschuss nicht mit: Steffi Panhans (SPD), Janna Miller und Petra Schnell (CSU) waren sich einig, dass sie keine Gebührenerhöhung wollen. „Wir sind in so vielen Dingen so großzügig und der Gemeinde geht es so gut, dass wir ruhig ein Jahr warten können und dann sehen, wie es steht“, findet Petra Schnell. Es werden wohl anderthalb Jahre werden, denn Steffi Panhans hatte den Geistesblitz, für die Kalkulation doch nicht auf den Haushaltsansatz des Trägers zu schauen, sondern auf den Jahresabschluss, „dann haben wir konkrete Zahlen und die Glaskugelleserei hat ein Ende.“

Die Einführung der Abholzeit um 14 Uhr beschloss der Ausschuss einstimmig, die Verschiebung der Gebührenerhöhung ging mit 5:3 Stimmen durch.

Mittagessen kostet künftig 4,50 Euro

Auch die Mensa war nicht nur baulich Thema. Sie fährt jährlich ein Defizit von etwa 20000 Euro ein. Das ist aufgrund einer eigens eingestellten Kraft, die die Hauptspeise um wahlweise Suppe/Salat/Nachtisch ergänzt, auch nicht zu verhindern. Kostendeckend wäre die Mensa nur, wenn bei gleichbleibender Zahl der Esser die Kosten pro Mahlzeit auf 5,50 Euro angehoben würden. Das wollen weder der Träger, noch die Schule, noch die Verwaltung, noch die Gemeinderäte. Brück schlug 4,50 Euro und eine Deckelung von 25000 Euro beim Defizitausgleich vor. Einstimmig angenommen.

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