Alte Schätzchen und heiße Kartoffeln

von Redaktion

13. Aschauer Bulldogtreffen mit Lanz-Sonderschau zieht mehrere Tausend Besucher an und sorgt für Nostalgie-Gefühle

Aschau – Für die einen sind sie nur noch Alteisen und für die anderen sind sie der Sinn des Schrauber- und Tüftlerlebens: 350 alte Traktoren, Bulldogs und Zugmaschinen kamen zum 13. Bulldogtreffen der Aschauer Bulldogfreunde am Freibad in Aschau. Man habe in diesem Jahr eine Lanz-Sonderschau initiiert und dazu ein Dutzend alter Lanz-Bulldogs aus den 1920ern erwartet, so Sebastian Bichler von den Aschauer Bulldogfreunden, „unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.“

Ein paar Tausend Interessenten kamen bei schönstem Sommerwetter zum Gelände am Aschauer Freibad und machten sich selbst ein Bild davon, was auf den Landmaschinenmessen der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Neuheit präsentiert wurde.

Dabei: Die ältesten

unter den Traktoren

Was war nicht alles aufgefahren: PS-starke Traktoren, die einmal der Stolz ihrer Besitzer in Niederbayern waren, kleine wendige Traktoren, die speziell für die süddeutschen Bedürfnisse und die kleineren Feldgrößen im Oberland entwickelt worden waren, legendäre Bulldog-Marken, wie Lanz, Deutz, Kramer, Hanomag, Fendt, Schlüter, Porsche oder Eicher, die längst vergangene Technik-Geschichte sind und nur noch den Sammlern ihr Dasein verdanken.

Die Bulldogvereine aus der Region waren vollzählig mit ihren Prachtstücken in Aschau erschienen, die weitesten kamen bis aus dem Allgäu. Weit über 300 Bulldogfahrer meldeten sich und ihre Gefährte bei der Organisationsleitung an. Und welche Schätzchen unter ihnen dabei waren: Die Aschauer präsentierten mit dem Lanz HL Rohölschlepper mit seinen zwölf Pferdestärken aus dem Jahr 1921 einen der ältesten Traktoren überhaupt. Schwere Traktoren auf Vollgummireifen und schwarzem Eisen waren vertreten, zwei Dreschmaschinen liefen, daneben die drei Kettenkräder von Paul Kink, die nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Holzbringung im Forsteinsatz auf den Bergen waren; alte Motorräder mit und ohne Beiwagen aus den 1940er- und 1950er-Jahren standen neben den Bulldogs.

Dann war da noch die Sammlung alter Maschinen von Sebastian Bichler: Eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1908, seine restaurierte Dampfzugmaschine Typ D Baujahr 1912, ein Rumely-Dampfbulldog aus den USA von 1911 und ein Kaelble-Steinbrecher aus dem Jahr 1933 – lauter Maschinen, die nach langen Jahren des Stillstands irgendwo beim Alteisen zu neuem Leben erwacht sind.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn so eine alte mechanische Maschine nach 80 oder 100 Jahren läuft, als hätte sie keinen Tag stillgestanden. Man merkt es schon, dass Sebastian Bichler ein bisserl stolz ist auf die originalgetreue Restaurierung dieser Maschinen. „Viele Teile mussten wir selber neu fertigen, originale Ersatzteile für eine Dampfzugmaschine Typ D, Baujahr 1912, oder einen Kaelble-Steinbrecher Modell 1933 gibt es beim Hersteller und im Handel schon lange nicht mehr“. Die Bulldogs der Nachkriegszeit hätten halt noch Charakter gehabt, so Sebastian Bichler. „Sie waren vielleicht nicht so funktionell wie die heutigen Maschinen, aber mit denen konnte man noch reden“.

Das taten die Bulldogfreunde in Aschau untereinander auch: Längst verlorene Kenntnisse über das Anlassen von unwilligen Motoren, das Einstellen der Zündung und den Betrieb mit allen möglichen Betriebsstoffen – außer Diesel – wurden wieder ans Tageslicht gebracht.

Mancher Landwirt, der als Besucher zum Bulldogtreffen kam, fand den Gefährten seiner Jugend wieder, eifrig wurde an allen Fahrzeugen und Maschinen fachgesimpelt: „Schau Bua, der kloane grüne Kramer da, das war unser allererster Bulldog, den hat mein Vater 1955 gekauft!“

Passend zu diesem Gefühl gab´s auch beim Imbiss an diesem Nachmittag Nostalgie pur: frische Kartoffeln mit Salz und Butter, ganz heiß aus dem Dämpfer, wieder etwas Neues beim Aschauer Bulldogtreffen. In einem Original Kartoffeldämpfer aus den 1920er-Jahren wurden die Erdäpfel gekocht und dann – wie in alten Zeiten– kostenlos an die Besucher verteilt.

„Eine Delikatesse schon damals vor dem Krieg“, erinnert sich einer der älteren Besucher, „für ein Fünferl haben wir Salz bei der Kramerin gekauft und die Kartoffeln hat es so dazu gegeben.“ Bei den Bulldogs in Aschau war das freilich nicht der Fall: Wer nicht nur zum Schauen gekommen war, tauschte und handelte; an allen Ecken versuchten die Sammler neue Schätzchen zu erwerben, Ersatzteile für ihre eisernen Rösser zu erhalten oder einfach noch ein paar Raritäten zu bekommen.Heinrich Rehberg

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