Gemeinde will Schloßwirt kaufen

von Redaktion

Traditionsgasthaus prägend für den historischen Ortskern in Brannenburg

Brannenburg – Die Zukunft des traditionsreichen Gasthauses Schloßwirt treibt die Einwohner der Gemeinde Brannenburg seit geraumer Zeit um. Nun scheint sein Fortbestand gesichert: Die Gemeinde beabsichtigt, das Objekt am Kirchplatz zu kaufen und mithilfe einer Brauerei einen Pächter zu finden, der die Gaststätte und das Hotel weiter betreibt.

Der Gemeinderat ermächtigte im Rahmen des Nachtragshaushaltsplans den Ersten Bürgermeister Matthias Jokisch (CSU), einen Kredit über 1,8 Millionen Euro für den Kauf der Immobilie aufzunehmen. Zudem werden 46000 Euro dafür aus den Rücklagen entnommen. Etwa die Hälfte des Kaufpreises soll später über den Verkauf einer noch festzulegenden Immobilie aus kommunalen Bestand refinanziert werden.

Schuldenstand der Gemeinde erhöht sich

Als Folgekosten des Kredits sind nach Angaben vonGemeindekämmerer Roland Berndl in diesem Jahr 50500 Euro und ab 2020 dann 86800 Euro zu leisten. Der Schuldenstand der Gemeinde steigt von 3601805 Euro auf 5363805 Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung erhöht sich von 587 Euro auf 874 Euro. Die erwarteten Einnahmen aus der Verpachtung beziffert Berndl für dieses Jahr auf etwa 24000 Euro.

Mit dem bevorstehenden Kauf durch die Gemeinde wären dann auch anderweitige Nutzungspläne für die Immobilie endgültig vom Tisch. So wollte eine im Gesundheitssektor tätige Unternehmensgruppe das Objekt kaufen. Laut Jokisch befindet sich die Gemeindeverwaltung in „aussichtsreichen Gesprächen“ mit zwei Brauereien aus der Region, um die künftige Verpachtung und damit den Weiterbetrieb des Gasthauses und Hotels zu sichern. „Wir sind zuversichtlich, dass wir hier in Kürze zu einem Ergebnis kommen“, so das Gemeindeoberhaupt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Die Eigentümerfamilie betrieb das Gasthaus und das Hotel bis Ende Mai selbst, seit Anfang Juni ist beides geschlossen. „Der neue Pächter kann ohne große Vorbereitungszeit die Türen wieder öffnen“, sagt Jokisch.

„Herd anschalten

und loskochen“

Das Gebäude sei in einem sehr guten Zustand, der Brandschutz auf dem neuesten Stand, man könne im Prinzip „den Herd anschalten und loskochen“.

Der Schloßwirt bildet mit Kirche, Vereinsheim, Dorfkramer und Bäckerei ein prägendes Ensemble im alten Ortskern unterhalb des Schlosses Brannenburg. Bereits 1447 wurde er als „Tavern“ in historischen Aufzeichnungen erwähnt. Im 19. Jahrhundert nutzten zahlreiche Künstler, darunter Wilhelm Busch, die Wirtschaft für ihren Sommeraufenthalt in Brannenburg. Der Gasthof mit 16 Fremdenzimmern war als letztes Hotel in Brannenburg auch ein Pfeiler für den Tourismus in Brannenburg. Vor diesem Hintergrundbeantwortet der Bürgermeister auch die Frage, ob es zu den Kernaufgaben einer Gemeinde gehört, ein Gasthaus im Ort zu kaufen. „In diesem Fall geht es um ein ganz besonderes Objekt, das für die Gemeinde eine hohe Bedeutung hat. Wir sind im Gemeinderat der einhelligen Meinung, dass wir den Schloßwirt als Gasthaus und Hotel erhalten wollen“, so Jokisch. Auch aus der Bevölkerung habe er nur positive Rückmeldungen dazu bekommen. Der weitere Zeitplan sieht vor, noch im Juni den Kauf notariell zu beurkunden und bei einer Sondersitzung durch den Gemeinderat endgültig absegnen zu lassen. Laut Jokisch soll der Betrieb danach so bald wie möglich vom Pächter aufgenommen werden. „Es ist klar, dass man eine Gastwirtschaft mit so einem herrlichen Biergarten nicht erst im November öffnet. Darauf arbeiten wir hin.“

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