Bad Feilnbach – Tief mit der Vergangenheit verbunden ist der Deisenrieder Wetterstollen. Dessen beide Eingänge liegen direkt an der Kreisstraße MB 22 an einem großen Parkplatz, den bislang hauptsächlich Wandergäste nutzten, die von dort zur Tregler Alm wanderten.
Der Stollen diente einst dem Kohle-Bergbau in Hausham zur Bewetterung (Belüftung). Seit 2007 kümmern sich ehemalige Bergmänner ehrenamtlich um die Erhaltung und den Ausbau des vor Jahrzehnten stillgelegten Stollens. Der Bergmannsverein „St. Barbara Leitzachtal“ kümmert sich darum, dass der Stollen nicht in Vergessenheit gerät.
Hans Hofer, Bad Feilnbachs ehemaliger Bürgermeister erinnert sich, dass der Stollen einst mit über 13 Kilometern Länge (von Deisenried bis Hausham) zu den längsten Tunnels der Welt gehörte. Die Gemeinden Fischbachau und Bad Feilnbach sind seit 2017 Pächter des Stollens. Sie teilen sich auch die durch die Förderung nicht gedeckten Kosten, 140000 Euro pro Gemeinde dürften es werden.
Ein Standsicherheitsgutachten aus dem Sommer 2015 erlaubte den Ausbau in ein Besucherbergwerk. Ein modernes Ausstellungskonzept soll diesen Teil der regionalen Geschichte für unterschiedliche Interessensgruppen lebendig machen.
Bergleute führen durch den Stollen
Das Engagement der ehemaligen Bergmänner als Zeitzeugen macht das Angebot nämlich nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische interessant. Und: Es ist ein Kooperationsprojekt der Gemeinden Bad Feilnbach (Landkreis Rosenheim) und Fischbachau (Landkreis Miesbach).
Eigentlich war es schon 2018 zur Förderung freigegeben. Aufgrund einer geringfügigen Kostensteigerung behandelte das LAG-Gremium das Projekt allerdings jetzt erneut. Nach dem nun erfolgten abermaligen „grünen Licht“ kann der letzte Schritt erfolgen.
Neben der Anpassung der Infrastruktur, der Erweiterung der Parkplätze und der Erstellung von Toiletten gilt es nun, die Bergbaugeschichte im Stollen mit interaktiven Medien zu erzählen. „Die Bergbaugeschichte muss erhalten bleiben“, meinte auch Sebastian Wittmoser (Leader-Koordinator am Amt für landwirtschaftliche Entwicklung Rosenheim), der daran erinnerte, das 1966 die letzte Schicht in den Schacht einfuhr.
Jüngst gab es den langersehnten historischen Moment in Deisenried: Am Eingang zum künftigen Schaubergstollen wurde jetzt feierlich der Leader-Förderbescheid an die beiden Kommunen Bad Feilnbach und Fischbachau überreicht. Damit ist nun der offizielle Startschuss für eine besonders interkommunale Zusammenarbeit gefallen.
Auch die ersten Schritte der Vermarktung sind noch Teil des Leader-Projektes, wenn der Besucherstollen planmäßig 2021 eröffnet wird. Vorteil: Der Stollen kann ganzjährig und bei jeder Witterung besichtigt werden. Für den Tourismus in der Region, aber auch für die Einheimischen ist der Stollen damit auch ein tolles Schlechtwetterangebot.
Für die Miesbacher Leader-Managerin Stephanie Stiller war die Übergabe des Förderbescheids ein ganz besonderer Tag, „meine letzte große Tat im Amt“, so sagt sie. Stiller verlässt die LAG nach vier Jahren und wechselt zur Öko-Modellregion Miesbacher Oberland. „Ich freue mich schon jetzt auf die Eröffnung, denn der Deisenrieder Stollen ist und bleibt mein persönliches Lieblingsprojekt.“
Seit 2003 sitzen die ehemaligen Bergmänner vom Barbaraverein Leitzachtal der Gemeinde im Nacken. Bürgermeister Josef Lechner hatte jahrelang nach einer Finanzierungsmöglichkeit gesucht, doch erst LEADER brachte die erhofften hohen Fördergelder zur Umsetzung, so Stiller.
Leader-Projekt wie aus dem Lehrbuch
Der Stollen sei ein Leader-Projekt par excellence: „Der gewollte Prozess – von Bürgern angestoßen und von der Politik übernommen – ist hier vorbildlich. Außerdem wird der Stollen voll inklusiv sein, das heißt, die Ausstellung wird auch für Blinde und Sehbehinderte, Gehörlose, kognitiv Eingeschränkte und Mobilitätseingeschränkte aufbereitet. Der positive Nebeneffekt für die Betreiber ist, dass somit eine neue Besucherzielgruppe erschlossen wird.“