Nußdorf – Alle zwei Jahre präsentiert sich Nußdorf als mobiles Museum in Sachen alter Fahrzeugtechnik. Nach der Pause im vergangenen Jahr gab es heuer wieder einen wahren Festtag für Liebhaber historischer Karossen. Ob Sportwagen, Familienkutsche, Trecker oder Lastkraftwagen – Chrom und Glanz früherer Jahrzehnte blitzten in und rund um den Dorfanger. Weit über 500 Exponate wurden von ihren Besitzern aus- und vorgestellt. Um diese kennenzulernen, zog es rund 5000 Besucher in den Ort am Inn.
Geschichten aus
alten Tagen
Hinter manch altem Fahrzeug verbergen sich spannende Geschichten, die von ihren Fahrern interessierten Besuchern gerne erzählt wurden. Eine davon wusste Manfred Holzner aus Nußdorf zu berichten, und zwar über seinen 18 PS starken Amilcar CC (Baujahr 1921). Das Fahrzeug wurde angeblich der US-amerikanischen Tänzerin und Choreografin Isadora Duncan, die zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen der Welt galt, zum Verhängnis.
„Es geschah am 14. September 1927, als sie ihr Appartement im mondänen Nizza verließ“, so Holzner. „Sie hatte einen roten Seidenschal um ihren Hals geschlungen, als sie auf dem Beifahrersitz des offenen Wagens ihres Freundes Falchetto Platz nahm. Der im Fahrtwind elegant flatternde Schal verfing sich in der rechten Hinterfelge des Autos“. Obwohl ihr Freund das Fahrzeug sofort stoppte, sei für die schöne Tänzerin jede Hilfe zu spät gekommen. Sie sei auf die Straße geschleudert worden und habe einen Genickbruch erlitten, erzählte Holzner mit Blick auf das linke Hinterrad. Ob es sich bei seinem Amilcar tatsächlich um den Unglückswagen handelt, ließ er letztlich dann doch ein wenig im Dunklen.
„Ein guter Kamerad auf allen Reisen“
Aber nicht nur tragische Geschichten hatte der Oldtimer-Liebhaber auf Lager. Aus der Kopie eines Fahrerhandbuchs eines anderen Wagens zitierte Holzner folgende Passage: „Mehr als Wagen anderer Typen und Größen ist er ein guter Kamerad, der unentbehrlich auf allen Geschäfts- und Vergnügungsreisen ein treuer Diener seines Herrn ist und als Lohn nur wenig Treibstoff, Öl und Pflege verlangt.“
Die Fahrt mit einem Aero 18 aus dem Jahr 1930 gleiche einem Flug, verspricht das Vorwort im Handbuch des Fahrzeugherstellers vollmundig. Der musste es tatsächlich wissen, denn er war zur damaligen Zeit einer der bekanntesten Flugzeughersteller Europas, die Aero Flugzeugfabrik in Prag-Vysocany. So erinnert der Innenraum dieses Fahrzeuges sichtlich an das Cockpit-Ambiente eines offenen Fliegers aus den 1920er-Jahren.
Eine Rundfahrt der Oldtimer-Freunde durch das Dorf markierte schließlich zugleich den Höhepunkt wie auch das Ende der Veranstaltung, die es in zwei Jahren wieder geben wird.