Zersiedelung zerstört Heimat und Natur

von Redaktion

Demo in Ramerberg gegen geplantes Gewerbegebiet in Sendling-Ost

Ramerberg – Um die 50 Bürger ließen sich trotz schönstem Wetter nicht davon abhalten, ihrem Anliegen Ausdruck zu verleihen, den geplanten Bau eines Gewerbegebiets in Sendling-Ost, Gemeinde Ramerberg, zu stoppen und versammelten sich zur Demo (siehe auch Bericht unten).

Damit, so die Naturschützer, erfülle man genau das, was in der Verfassung niedergelegt sei: „Wir schützen Mensch, Tier, Umwelt und Klima. (…) Nur in einer gesunden Umwelt kann die hohe Lebensqualität für die Menschen in Bayern erhalten werden.“

Auch Kreisheimatpfleger Daniel Hoheneder beschwor den verfassungsmäßigen Schutz der bayerischen Kulturlandschaft.

Es gehe hier nicht nur um 3,5 Hektar Gewerbegebiet, das an diesem herrlichen Ort entstehen soll, führte Wolfgang Matschke von der Kreisgruppe Bund Naturschutz aus. In zehn Jahren werde dieses Gewerbegebiet, das mit einer zugegeben üppigen Grün-Einfassung versehen werden soll, weiterwachsen. „Und dem müssen wir unseren Widerstand entgegensetzen!“.

Jürgen Zott von der Bürgerinitiative Sendling-Ost ergänzte, dass der Grundstücksbesitzer des Gewerbegebiets noch mehr Flächen in diesem Areal besitze – und man könne darauf wetten, dass das Gewerbegebiet in der Zukunft vergrößert werde.

In seinem Referat beschwor der politische Geschäftsführer des Bund Naturschutz Bayern, Martin Geilhufe, die Erhaltungswürdigkeit dieses Landstrichs nahe des Inn, nahe des Klosters Attl, nahe wertvoller und fruchtbarer Äcker. „Es kann nicht sein, dass diese Landschaft aufgrund kurzfristiger finanzieller Interessen ihr Gesicht verliert.“ Die Erzielung hoher Gewerbesteuern dürfe nicht ein wichtigerer Maßstab sein als die Erhaltung der Natur. Doch die CSU habe durch die Lockerung des „Anbindegebots“, dass also ein Gewerbegebiet nur im örtlichen Zusammenhang mit einer vorhandenen Bebauung errichtet werden dürfe“, sträflich gelockert und damit dem irrwitzigen Flächenverbrauch in Bayern Vorschub geleistet.

„Tag für Tag werden in Bayern fünf Hektar Land zugebaut – mit steigender Tendenz“, mahnte Geilhufe. 2019 seien im Vergleichszeitraum zu 2017 schon 20 Prozent mehr Land verbraucht worden. Diesem Treiben müsse Einhalt geboten werden.

Plädoyer für Neuverteilung

Max Finster vom Ortsverband Bund Naturschutz Wasserburg plädierte für eine Neuverteilung der Steuern. Es gehe nicht an, dass Gemeinden, die ihre Natur schützen und keine Gewerbegebiete ausweisen, dafür mit niedrigeren Steuereinnahmen bestraft würden.

„Baugrund hört sich eher harmlos an“, schloss Martin Geilhufe. Aber dabei handle es sich vielmehr um nicht vermehrbares landwirtschaftliches Gebiet, um ein Stück Kulturgeschichte, um Identifikation der Menschen mit ihrer Heimat, um Naturräume, die verloren gehen durch rücksichtslose Zersiedlung, um Rückzugsgebiete für Tiere und Gefährdung deren Existenz.

Matschke wünschte sich uneigennützige kommunale Entscheidungsträger, die auch künftigen Generationen eine intakte Heimat übergeben wollen und stellte abschließend diese Frage in den Raum: „Wieviel Zersiedlung verträgt dieses Land – ist das bayerische Heimatgefühl in Gefahr?“

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