Tuntenhausen – Die Regierung von Oberbayern möchte im Zusammenspiel mit den Eigentümern die Eisenbartlinger Filze auf dem Gemeindegebiet Tuntenhausens renaturieren. Nach einer ersten Vorstellung im Gemeinderat Ende vergangenen Jahres erläuterte die Untere Naturschutzbehörde das Vorhaben jetzt den Eigentümern.
Schrittweise Umsetzung
Dazu begrüßte Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl Bärbel Gänzle, Fachkraft für Naturschutz und Moorrenaturierung im Landratsamt Rosenheim. „Die Renaturierungsplanung soll in Abwägung zwischen der Optimierung des Wasserhaushalts und der Biodiversität des jeweiligen Gebiets eine schrittweise Maßnahmenumsetzung herausarbeiten“, sagte Gänzle zu Beginn ihrer Ausführungen. Vorausgesetzt sei natürlich immer die entsprechende Verfügbarkeit von Flächen, „denn das Ganze ist eine freiwillige Sache“, wie Weigl betonte.
Die Trockenlegung des Moores vor einigen Jahrzehnten habe zwar die Land- und forstwirtschaftliche Nutzung dieser Flächen ermöglicht, dadurch aber negative Auswirkungen auf das Klima und die Tier- und Pflanzenwelt mit sich gebracht, erklärte Gänzle. Der Moorboden wurde nach Angaben der Landratsamt-Mitarbeiterin so durch den künstlich abgesenkten Wasserspiegel durchlüftet, dass die Mikroorganismen den unverrotteten Torf zer- und dabei Methan und Kohlendioxid in großen Mengen freisetzten.
Die Referentin ging bei ihren Ausführungen auch auf die Ziele des Klimaschutzprogramms Bayern 2050 ein, wonach mit der Renaturierung alleine von einem Hektar Hochmoor der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu fünf Mittelklassewagen kompensiert werden könne. Zudem seien Moore für die Artenvielfalt, den Hochwasser- sowie den Klimaschutz „von unschätzbarem Wert“.
„Die Eisenbartlinger Filze ist dabei eine kostbare Moorlandschaft“, betonte Gänzle und stellte die Chance für das Gemeindegebiet Tuntenhausen heraus: Aufwertung eines einmaligen Naturjuwels, Pufferwirkung bei Starkregen durch den verzögerten Regenwasserabfluss aus dem Moos. Zudem würden 90 Prozent des Flächenkaufs vom Freistaat bezahlt.
„Maßvolle Entfernung von Fichten“
Die vordergründigste Maßnahme bei der Renaturisierung sei die Wiederherstellung des natürlichen Moorwasserhaushaltes. „Dazu werden wir verschiedene Gräben verschließen und deaktivieren“, sagte Gänzle. Ferner sei eine maßvolle Entfernung von Fichtenbeständen nötig. „Laubgehölze, Kiefern und Latschen verbleiben aber überwiegend“, gab die Referentin Einblick in die Überlegungen. So solle erreicht werden, dass sich im Laufe der Zeit eine erneuerte Moorlandschaft mit nassen Senken und kleinen Torfstichen ergibt.
Im Anschluss an die Ausführungen der Referentin betonte der Bürgermeister erneut, dass das Vorhaben „auf freiwilliger Basis“ geschehe. „Wer nicht will, dessen Fläche fällt einfach raus“, sagte Weigl, der zudem betonte: „Wir werden nicht die gesamte Filze bewässern.“
Von der Kohlendioxid-Einlagerung über die Gefahr der Überflutung angrenzender Bereiche bis zum Schutz des Eigentums – so weit reichten im Anschluss die Fragen der Eigentümer. So wollte ein Teilnehmer der Informationsveranstaltung Einzelheiten über den Kaufpreis der Areale wissen, woraufhin Gänzle erwiderte, dass sich der Preis an „ortsüblichen Werten“ orientiere und „von einem Gutachterausschuss festgelegt wird“. Neben dem Verkauf sei aber auch eine Pacht oder eine Lösung mittels einer Grunddienstbarkeit möglich.
Besonders mögliche Überflutungen beschäftigte manchen Eigner. Aber auch hier sieht die Untere Naturschutzbehörde keinerlei Gefahr. „Wo es sinnvoll oder notwendig ist, werden Dämme gebaut“, versprach Gänzle.
Und wie soll’s nun weitergehen? Es werde zwei bis drei Jahre dauern, bis alles ausverhandelt sei, erklärte die Referentin. Sollten sich beim Verkauf größere, zusammenhängende Flächen ergeben, könnte dort auch sofort gestartet werden.
Bürgermeister Weigl schlug außerdem vor, in den kommenden Monaten eine Sprechstunde im Rathaus einzurichten. Dort könnten dann in Einzelgesprächen weitere Fragen geklärt werden. Daneben schlug Weigl vor, gemeinsam das Halfinger Freimoos mit Moorlehrpfad zu besuchen. Dieses Moor sei vor Jahren ebenfalls renaturiert worden.