Raubling – Die Leute muten sich die komischsten Sachen zu, nur um einen Weltrekord aufzustellen: Sie zerschlagen Dutzende Kokosnüsse mit der bloßen Hand, hauen sich innerhalb einer Minute 142 rohe Eier an die Stirn oder ziehen einen 8,5 Tonnen schweren Bus mit ihren Haaren mehr als 20 Meter weit. Kann man machen, muss man aber nicht.
Vergleichsweise normal ging es bei der Bestmarke zu, die Katharina Bauer aus Raubling kürzlich aufgestellt hat. Die auch international erfolgreiche Bogenschützin von der BSG Raubling war in der ZDF-Sendung „Fernsehgarten“ zu Gast, um dort einen Weltrekordversuch zu unternehmen.
„Es ging darum, mindestens 100 Luftballons innerhalb von 90 Sekunden mit nur fünf Pfeilen zum Platzen zu bringen“, erläutert die 23 Jahre alte Sportlerin, die in der 1. Bundesliga für die FSG Tacherting antritt. Sie musste also unter Zeitdruck bei jedem Schuss Dutzende hintereinander hängende Ballons treffen. Zusammen mit ihrem Trainer Georg Holzner tüftelte die Bogenschützin aus, wie man die Aufgabe am besten schaffen könnte. „Wichtig war vor allem, dass die Ballons sich nicht viel bewegen, also haben wir sie mit Wasser gefüllt“, so Katharina Bauer.
Bei den ersten Trainingsversuchen seien allerdings viel zu wenige Ballons zerplatzt, erinnert sie sich. Mithilfe von Slow-Motion-Aufnahmen hätten sie und ihr Coach festgestellt, dass das Wasser die Pfeile stark abgebremst habe. „Wir mussten also mehr Platz für Luft lassen“, erklärt die Sportlerin. Damit jeder Ballon exakt gleich beschaffen ist, wurde er zunächst mit genau einem Liter Wasser befüllt. „Dann haben wir ihn in eine Schüssel gelegt und so lange Luft reingepumpt, bis der Ballon am Schüsselrand anlag.“
Auf diese Weise gelang es, eine einheitliche Trefferfläche oberhalb des Wassers hinzubekommen. Der Erfolg war im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagend: Im Training schaffte es die 23-Jährige einmal sogar, sämtliche 40 Ballons in einer Reihe zu treffen.
Generalprobe ging gründlich daneben
Nach etwa einem Monat Vorbereitungszeit war es dann soweit: Katharina Bauer reiste mit ihrem Trainer nach Mainz, um im „Fernsehgarten“ an einem Sonntagvormittag den Weltrekord aufzustellen. „Die Generalprobe ging total in die Hose“, erinnert sie sich. Dafür habe es in der Livesendung umso besser geklappt. „Von den 120 aufgehängten Ballons habe ich 107 in der vorgegebenen Zeit zum Platzen gebracht.“
Der Rekord wurde von der Organisation „Record Holders Republic“ anerkannt, die Urkunde wurde der Bogenschützin zu Hause überreicht. Zudem ist ein Eintrag ins bekannte Guinness-Buch der Rekorde beantragt.
Das nächste große Ziel von Katharina Bauer erfordert kein Training mit Ballons: Im kommenden Jahr will sie bei beiden olympischen Sommerspielen in Tokio dabei sein.