Samerberg – „So fröhlich wie heute sind wir schon lange nicht mehr auf der Hochries zusammen gekommen“, stellte Franz Knarr, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Rosenheim, fest. Mit Samerbergs Bürgermeister Georg Huber hatte er eingeladen, die Hochriesbahn zu feiern. Vor zehn Jahren haben Gemeinde und Alpenverein die Bahn übernommen. Und dieser Tage wurde die Modernisierung der Kabinenbahn abgeschlossen.
Herzstück der Sanierung waren der Hauptantrieb und die neue Steuerung, das kostete nach Angaben von Hochriesbahn-Geschäftsführer Andreas Müllinger rund eine Million Euro. Mit weiteren Kosten aufgrund von brandschutztechnischen und sonstigen Auflagen sowie baulichen Veränderungen kamen die in den vergangenen Monaten geleisteten Arbeiten auf eine Summe von 1,1 Millionen Euro, die die Hochriesbahn ohne Fremdmittel bestreiten konnte. Die Bahn schaffte dies nur, weil sie in den letzten zehn Jahren schwarze Zahlen geschrieben hat und Rücklagen bilden konnte. „Dieses positive Ergebnis kam auch zustande, weil wir einen strikten Sparkurs umsetzten und sich die Bahn vom unrentablen Winterbetrieb verabschiedete“, so Knarr.
Der DAV-Chef weiter: „Hätten wir vor zehn Jahren die Bahn nicht fünf Minuten vor Zwölf vor der Insolvenz gerettet, wäre das eine touristische Katastrophe für die gesamte Region geworden. So aber haben wir mit dem Engagement der Sektion und der Gemeinde, mit tüchtigen Mitarbeitern und guten Partnern und Kunden der Hochriesbahn eine neue Zukunft gegeben.“
Weniger Energie, selbes Tempo
Betriebsleiter Thomas Kutzenbichler erklärte an der Mittelstation den neuen Hauptantrieb, den Notantrieb, die Steuerung und die modernisierte Elektronik: „Jetzt fahren wir mit 15 Prozent weniger Energieverbrauch und komfortabler, die Geschwindigkeit beträgt weiterhin sechs bis zehn Meter in der Sekunde. Fünf Minuten sind wir in der Regel von der Mittelstation zur Bergstation unterwegs.“
Müllinger erinnerte daran, dass die Großkabinenbahn als zweispurige Pendelbahn 1972 und 1973 durch den Hersteller Pohlig-Heckel-Bleichert aus Köln gebaut wurde. Der damals eingebaute Hauptantrieb hat bis zu seinem Ende genau 46 Jahre Dienst geleistet. In den ersten Monaten dieses Jahres baute eine Innsbrucker Firma den neuen Hauptantrieb inklusive Steuerung und Notantrieb nach heutigen Anforderungen ein. Wie Müllinger ankündigte, sind mit der Sanierung der Gebäude im elektrischen Bereich, mit der Sanierung der Laufwerke, der Kabinen und der Tragseilbremse weitere Investitionen geplant.
Das freudige Ereignis der Wiederinbetriebnahme der Hochriesbahn passt – so Bürgermeister Georg Huber – in das 2020 zu feiernde Jubiläum „50 Jahre Gemeinde Samerberg“. Dieses Jubiläum, die Hochriesbahn und die seit über 100 Jahren auf der Hochries aktive Alpenvereinssektion Rosenheim lassen zuversichtlich nach vorne schauen.
„Das war nicht immer so“, so Huber rückblickend: „Die Ehe zwischen dem Alpenverein und der Gemeinde vor zehn Jahren war keine Liebesheirat, es war vielmehr eine Zweck-Ehe. Doch mit den gemeinsamen Herausforderungen und den Erfolgen ist auch die Zuneigung gewachsen.“ Die wechselhafte Geschichte der Hochriesbahn habe dem Samerberg viel abverlangt, so Huber: „Die Historie liest sich manchmal wie ein Unterhaltungsroman, zuweilen auch wie ein Krimi.“ Nun sei ein schönes Kapitel neu hinzugekommen.
Ein besonderer Dank galt den Wirtsleuten der Gipfelhütte, Manuel Hohenegg und Sarah Dienstbeck, denn sie sorgten im überaus schneereichen Winter dafür, dass die Hochrieshütte stets umsorgt und vor größeren Schäden bewahrt wurde.