Traunstein/Schnaitsee – Vielleicht ist der jetzige Weg nicht der beste“, sagt Florian Hölzl. Dieser Gedanke hat den 21-jährigen Schnaitseer dazu bewogen, neue, andere Wege der Landwirtschaft auszuprobieren. Und dieser Gedanke hat ihm Anfang Mai den zweiten Platz beim Bundeswettbewerb der Deutschen Landjugend gesichert. Rund 10000 junge Nachwuchskräfte in den „Grünen Berufen“, das sind Ausbildungsberufe im landwirtschaftlichen Bereich, haben sich Wettbewerben auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und schließlich Bundesebene gestellt, um ihr Wissen und ihr Können in den jeweiligen Sparten zu messen, sich auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln.
Über 100
Teilnehmer
115 junge Männer und Frauen aus ganz Deutschland haben es bis zum Bundesentscheid geschafft, elf Teilnehmer kamen aus Bayern. Hölzl und Landwirt Thomas Fleischmann aus Markt Erlbach (Landkreis Neustadt an der Aisch – Bad Windsheim) sind als Team in der Leistungsgruppe II, der Kategorie fortführende Schule, angetreten. Sie wurden Zweiter.
„Florian war schon in der Gesellenprüfung mit einem Notendurchschnitt von 1,39 einer der Besten“, sagt Josef Mühlhauser, Bildungsberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Töging. Da sei es selbstverständlich gewesen, dass er auch beim Berufswettbewerb mitmachen soll, so Mühlhauser. Er, Matthäus Michlbauer, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Traunstein, Patrick Berndlmaier vom Bauernverband, Florians Papa Franz Hölz und dessen Lebensgefährtin Anna Emerer haben sich auf dem Hof in Henning bei Schnaitsee zu einer kleinen Feierstunde getroffen.
„Für den Kreisbauernverband ist es natürlich super, wenn der Nachwuchs aus unserem Gebiet vorne mit dabei ist“, sagt Michlbauer.
Zuerst aber hätten die Wettbewerbe, die von Februar bis Anfang Mai stattfanden, Florian Hölzl und seinen Mitstreitern viel Zeit gekostet. Die Aufgaben mussten vorbereitet werden, die Prüfungen fielen oft in die Unterrichtszeit, auch hier hieß es für Hölzl deshalb: Nacharbeiten.
In mehreren Kategorien mussten Hölzl und sein Klassenkamerad an der Fachschule für Ökologischen Landbau Landshut, Thomas Fleischmann, ihr Können beweisen. „Wo sich der eine nicht ausgekannt hat, war der andere gut“, sagt Hölzl. Eine Aufgabe beim Bundesentscheid, der heuer in Achselschwang am Ammersee stattfand, sei es gewesen, die Haltungsbedingungen von Kälbern zu beurteilen und ein Fütterungskonzept zu entwickeln. „Wir hatten eine gewisse Vorbereitungszeit“, so Hölzl. Den Betrieb hätten sie aber erst vor Ort gesehen. „Dann mussten wir schnell beurteilen.“ Durch die Teilnahme an den Wettbewerben habe er zwar nicht viel dazugelernt, „aber man lernt neue Leute kennen“, so der 21-Jährige.
Dass der junge Schnaitseer einmal Landwirt wird, war für ihn früh klar. Schon als kleiner Bub sei er immer mit dem Papa mitgegangen. Der betreibt in Henning einen Hof mit 50 Milchkühen und Grünland.
Seine beiden Schwestern hätten sich nicht so sehr für die Landwirtschaft interessiert, Florian Hölzl wollte aber schon früh über die Abläufe auf dem Hof Bescheid wissen. Nach der Schule habe Hölzl dann das Berufsgrundschuljahr in Traunstein absolviert.
Das erste Lehrjahr verbrachte er im Milchviehbetrieb Posch in Obing, das zweite auf dem Hof der Familie Freiberger in Diepoldsberg bei Obing. „Mir war wichtig, dass ich unterschiedliche Betriebe kennenlerne, der eine arbeitet biologisch, der andere mit Melkrobotern“, so Hölzl.
2017 absolvierte er die Gesellenprüfung, dann folgte ein Praxisjahr daheim. Seit vergangenem Winter besucht er die Fachschule für Ökologischen Landbau in Landshut.
Hier fokussiert sich Hölzl rein auf ökologischen Landbau. „Interessant ist, dass meine Klassenkameraden aus fast allen Betriebszweigen kommen.“ So könne man sich gut austauschen, neue Konzepte und andere Wege der Landwirtschaft kennenlernen.
Diese testet er nun auch daheim in Henning, hinterfragt Prozesse und führt Neues ein. Ende März 2020 wird Hölzl den Meisterbrief in der Tasche haben. Was dann folgt, steht für den 21-Jährigen, der sich in der Schnaitseer Feuerwehr und im Burschenverein engagiert, noch nicht fest.
Wohl fix ist aber, dass er die Landwirtschaft, bis sein Papa in den Ruhestand geht, nur nebenher machen wird, da es keine zwei Vollzeit-Landwirte in Henning braucht.
Ganz abgeschlossen ist der Berufswettbewerb indes noch nicht. „Nächste Woche fahren wir nach Berlin und Leipzig“, so Hölzl. Dann werden er und seine Mitstreiter auf dem Deutschen Bauerntag noch einmal geehrt, auch eine Stadtführung steht an.